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Von Horst Klover | 18. Mai 2018
In den Interviews mit unseren Experten überlassen wir einem unserer Fachleute das Feld und beleuchten ein spezielles Thema aus dessen Fachgebiet genauer. In dieser Ausgabe beantwortet Horst Klover, unser Experte für Moderne Kunst, eine Frage, die sich schon so viele von uns gestellt haben: Warum können Andy Warhols Suppendosen als Kunst verstanden werden?
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Ab Mitte der 60er Jahre und dem rasanten Wachstum der Konsumgesellschaft wurde das urbane Lebensgefühl und die Werbung mehr und mehr Teil der Kunst in Galerien und Museen: die Pop Art war in den USA und Europa auf dem Vormarsch. Bis hierhin war die Kunst vielmehr von einem verwirrenden Spiel mit Formen und unverständlichen Symbolen der abstrakten Malerei geprägt. Und kaum einer wagte es, hieran etwas zu ändern. Die Kunstwelt war der Spielplatz der Reichen und Kunstkritiker.

Andy Warhol (1928-1987) war eine führende Persönlichkeit der Pop Art Bewegung
Eine handvoll Künstler hingegen, wollte sich nicht den traditionellen „Pinselmalern“ und ihren potenten Sammlern anpassen und sich vorschreiben lassen, was „gute“ oder gar „echte“ Kunst zu sein habe. Diese Rebellen wählten Motive und Themen für ihre Kunst, die jeder sofort erkannte und inspirierten sich durch die Bilder der industriellen Mediengesellschaft. Ihre Vorbilder waren Flipperautomaten aus den Spielhallen, Comics aus Magazinen, Werbung im Supermarkt und natürlich Fernsehen.
Erstaunlich ist, dass sich diese Bewegung zeitgleich aber unabhängig voneinander in Städten wie New York, Los Angeles und London entwickelte. Die Zeit war reif für Pop Art, schöne Kunst für Jedermann. So entstand diese Bewegung mit ihrem unverwechselbaren Stil in den 60er Jahren, dessen Schlüsselfiguren auf der ganzen Welt bekannt sind.
Kunst und Leben
Die Differenz von Kunst und Realität war ein entscheidender Grundgedanke in den Anfangstagen dieser Bewegung. Maler wie Robert Rauschenberg und Jasper Johns, inspiriert von ihren europäischen Lehrern, setzten Objekte aus dem Alltag, wie Straßenschilder und Bierdosen, in ihren Gemälden und Skulpturen in einen anderen Kontext.
Ohne sich gegenseitig überhaupt nur zu kennen, machten Roy Lichtenstein, James Rosenquist und Andy Warhol die Welt der Werbung, Unterhaltung und des Starkults zum Gegenstand ihrer Kunst. Ihre Arbeiten waren groß, laut und grell, ganz genau so wie ihre trivialen Modelle.

Claes Oldenburg, Tom Wesselmann, Roy Lichtenstein, Jean Shrimpton, James Rosenquist und Andy Warhol
Dann plötzlich war alles erlaubt und vor allem gern gesehen in den Kunstgalerien. Campbells Suppendosen, Kriegsszenen im Cartoonstil bis hin zu Megastars wie Marilyn Monroe. Das stark veränderte Pressefoto von Marilyn, gedruckt in verschiedenen Farbkombinationen, wurde 1962 von Warhol sogar zur Mona Lisa unserer Zeit erhöht.
Was ist Kunst?
Einige Denker sahen mit der Pop Art gar das Ende der Kunst im Allgemeinen gekommen. Wie sich heraus stellte, war dies ein vorschnelles Urteil. Zumindest auf die Frage „Was ist Kunst?“, die Warhol so häufig gestellt bekam, fand er eine Antwort: „Einfach alles kann Kunst sein. Also können es Suppendosen auch sein.“

Von nun an waren alle Grenzen gesprengt und der Moment der vollkommenen künstlerischen Freiheit gekommen. Nichts konnte mehr ausgeschlossen werden und die Kunst wurde vielfältiger als je zuvor. Ein Grundsatz, der bis heute gilt und trotzdem noch häufig zu Verwirrung unter Experten und Publikum gleichermaßen führt. Und einen großen Vorteil hatte es. Es wurde viel einfacher, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, denn die Bewertung, ob ein Werk gut oder schlecht ist, war nicht mehr notwendig. Alles geht und viele Werke der Pop Art sehen einfach nur gut aus; egal, ob sie sich in einem Museum befinden oder einer persönlichen Sammlung. Nicht mehr und nicht weniger.
Die Ursprünge der Pop Art
Im Gegensatz zu dem, was viele Leute glauben, stammt der Begriff Pop Art nicht aus den USA, sondern aus England. Der Name entstand in Anlehnung an die zuvor aufkommende Popkultur in den 50er Jahren. Erstmals erschien das Wort in einer Collage von Richard Hamilton. Das Wort stand auf dem Tennisschläger des Muskelmannes, der sich in der Mitte seiner Wohnung befand.
In ganz Europa entstanden Künstlergruppen und Kunstbewegungen, die die Popkultur in den Fokus der Kunstwelt rückten. Arman sammelt Uhren und Milchkannen in Plexiglas-Boxen, Daniel Spoerri befestigt Essen auf einem Tisch und hängt das Ganze an die Wand, Mimmo Rotella erstellt Bilder aus zerrissenen Straßenplakaten und für Eduardo Paolozzi sind Comics ein Segen, denn für ihn sagten sie mehr über die modernen Stadtbewohner und den ständigen Umgang mit Technologie aus als jede abstrakte Malerei es jemals könnte.
Auf diese Weise wurden die vielen Randerscheinungen der Konsumgesellschaft auf beiden Seiten des Atlantiks für die Kunst wichtig. Die Pop Art setzte sich zum Ziel, das Leben moderner Menschen zu zeigen, zu dem auch Blechdosen gehören, die sich somit wiederrum auch ein Platz in Galerien und Museen verdient hatten.
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