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Von David Leggett | Letzte Aktualisierung: 23. Juli 2018
Wenn man an Taxidermie denkt, haben viele schnell das Bild von Jägern, gruseligen Häusern und verstaubten Trophäen an der Wand vor Augen. Auf diesem Gebiet gibt es aber noch so viel mehr zu entdecken! Kreative Präparatoren ließen sich im Laufe des letzten Jahrhunderts von der griechischen Mythologie und Geschichten wie „Alice im Wunderland“ inspirieren und erschufen Fantasiekreaturen, für die sie Felle und Federn verschiedener Tiere miteinander kombinierten. Lassen Sie uns einen Blick auf das Kuriositätenkabinett werfen: entdecken Sie mit uns die interessantesten Kreaturen und Geschichten dahinter.
Affe oder Meerjungfrau?
Seit Jahrhunderten hält sich unter Seeleuten und Entdeckern die Legende der Meerjungfrauen und der Wunsch, einmal ein solches Wesen zu fangen. Barnums Wanderzirkus machte diese Legende der westlichen Weltöffentlichkeit zugänglich und zwar mit der Fidschi Meerjungfrau: halb Fisch, halb Affe. Diese „Hybriden“ wurden eine lange Zeit von Fischern aus Japan und Ostindien hergestellt, in dem sie den Oberkörper eines Affen auf den Unterkörper eines Fisches nähten. Gelegentlich wurden diese Kreaturen auch zu religiösen Zwecken eingesetzt. Samuel Barrett Edes, ein amerikanischer Kapitän zur See, kaufte die „Meerjungfrau“ 1822 von einem japanischen Matrosen. Über 20 Jahre später landete sie dann in Barnums Wanderzirkus. Und dort war die „Meerjungfrau“ so beliebt, dass andere anfingen, diese Kreatur zu kopieren. Nach und nach gehörte sie bald zur Grundausstattung vieler Kuriositätenkabinette. Blickt man heutzutage auf diese skurrilen Kreationen, kann man sie eigentlich nur für einen offensichtlichen Scherz halten. Damals jedoch haben sich viele Menschen täuschen lassen. Bei diesem Stück handelt es sich um ein frühes Beispiel der Chimären-Taxidermie - eine Form der Tierpräparation, bei der verschiedene Tiere und Materialien verwendet werden.

Eine Fidschi Meerjungfrau von Jacob Petersson
Tierische Helfer
Ein aufrecht stehender Bär in Ihrem Haus, doppelt so hoch wie ein Tisch? Es mag seltsam erscheinen, aber damals in der Viktorianischen Ära waren praktische oder dekorative Elemente aus Tierteilen sehr angesagt. Rowland Ward war im Viktorianischen Großbritannien ein weltweit anerkannter Tierpräparator und Gründer des Londoner Unternehmens Rowland Ward Limited of Piccadilly. Sein Laden war unter dem Namen „The Jungle“ bekannt. Nicht nur im Inland, sondern auch über alle Landesgrenzen hinweg war der Laden bekannt für seine präparierten Vögel und großen Trophäen, aber auch für einige praktische und dekorative Objekte, wie Geweihe, Füße, Felle, Federn oder Stoßzähne. Unter den bekanntesten Objekten die angeboten wurden, befand sich auch ein sogenannter „Dumbwaiter“- ein aufrecht stehender Bär, der ein Tablett in seinen Pfoten hält, auf das man seine Getränke und Gläser abstellen konnte. Aber nicht nur ein Bär wurde zu einem praktischen Alltagsgegenstand entfremdet, sondern es gab zum Beispiel auch ausgestopfte Vögel als Lampenständer und einen Bartisch aus Elefantenfüßen. Ward kreierte außerdem eine Vielzahl von Chimären, also die mystischen oder fiktionalen Kreaturen, die aus verschiedenen Tieren zusammengefügt wurden.

Links: Beispiel eines „Dumbwaiter“ I Rechts: Roland Ward
Schurken-Taxidermie
Im Jahr 2005 begründete die New Yorker Künstlerin Sarina Brewer ein neues Kunstgenre des Pop-Surrealismus, die sogenannte „Rogue Taxidermy“- „Rogue“ heißt zu deutsch so viel wie Schurke oder Schelm. In den USA war dies der Grundstein für eine bedeutende Wiederbelebung einer fast vergessenen Kunst. Nicht nur der Präparation im Allgemeinen, sondern auch der Präparation von Chimären. Die „Rogue Taxidermy“ ist ein Kunstgenre, das sich durch Mixed-Media-Skulpturen auszeichnet, die konventionelle, auf die Taxidermie bezogene Materialien enthalten und auf unkonventionelle Weise eingesetzt werden. Das bedeutet nicht, dass Bestandteile von Tieren für die Skulpturen verwendet werden müssen. Es gibt in der Taxidermie viele Materialien, die zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel Kunstpelz. Eine der Skulpturen von Sarina Brewer ist der „Obsidian“, eine moderne Variante des Greif aus Alice im Wunderland: halb Geier, halb Katze.

Der „Obsidian“ von Sarina Brewer
Ein weiterer Künstler der modernen Taxidermie ist Enrique Gomez de Molina aus Miami. Durch die Schaffung schöner, aber auch beunruhigender Collagen mit Tierbestandteilen möchte er ein Bewusstsein für die Gefahren schaffen, denen zahlreiche Tierarten durch nukleare und chemische Abfälle, Rodung von Wäldern und die Eingriffe der Menschen ausgesetzt sind. Um noch einen Schritt weiter zu gehen: die im Brooklyn lebende Künstlerin fügt tierischen Körpern menschenähnliche Gesichter hinzu und erforscht damit die Überschneidung zwischen den Kulturen und der Geschichte. Es geht dabei nicht nur um die Eigenschaften, die uns vom Tierreich unterscheiden, sondern gerade um die Dinge, die beide Lebewesen vereinen.

Links: Enrique Gomez de Molina | Rechts: Kate Clark
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