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Von Beulah | 10. April 2019
Die verschiedenen Gestaltungen italienischer Banknoten und Briefmarken, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben, bieten uns einen einzigartigen Einblick in das turbulente frühe 20. Jahrhundert des Landes. Das Ganze reicht von Verlagen, die verscuhten zum Sprachrohr des Königshauses zu werden, bis hin zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Story erfahren Sie Interessantes über die damals gängigen Themen, Motive und unterschwelligen Botschaften.
Briefmarken, Banknoten und sogar Bücher; diese Formen der „weichen Propaganda“ spielten schon immer eine wichtige Rolle in der Art und Weise, wie sich ein Land der Welt präsentiert. Das Italien des frühen 20. Jahrhunderts ist ein faszinierendes Beispiel dafür. Diese Zeit zeigt die sanfte Propaganda des Landes, intensive politische Turbulenzen und die Suche nach einer nationalen Identität. Selbst die Nicht-Historiker unter uns können genau erkennen, zu welcher Zeit eine bestimmte italienische Briefmarke, Banknote oder ein Lehrbuch gedruckt wurde und das nur anhand der verwendeten Farben und Formen.
Konservative Innovation zu Beginn des Jahrhunderts
Die Designer einer sichtbaren nationalen Identität Italiens konzentrierten sich vor allem auf Briefmarken, Banknoten und Münzen. Denn diese waren im Gegensatz zu Büchern damals noch ein sehr vielfältiges Medium. Verlage veröffentlichten ihre Druckerzeugnisse vorwiegend in schlichten, einfarbigen Schutzumschlägen oder sie wählten Farben, die in Verbindung mit entweder dem Königshaus oder der Religion standen. Die Designer von Briefmarken und Banknoten hatten im Vergleich dazu einen viel größeren Gestaltungsfreiraum, standen aber, im Gegensatz zu den die literarischen Kollegen, auch unter genauer Beobachtung.

50 Lire 1915 - Banco di Napoli - Gigante BN 6F
Im Jahr 1910 wurden Entwürfe für neue italienische Banknoten in Auftrag gegeben, welche die typischen italienischen Motive möglichst klar und einfach darstellen sollten. Der Auftrag sah weiter vor, dass die gewählten Farben der Banknoten einzigartig und kontrastreich sein sollten, um Fälschungen zu erschweren. Das Ergebnis war ein Satz kunstvoll gestalteter Banknoten, die sich durch eine erstaunliche Vielfalt an Farben auszeichneten. Zudem wurden klassische Skulpturen und Bilder abgedruckt, wie zum Beispiel die beiden Skulpturengruppen Nicola Cantalamessa-Papotti, welche die Fassade des Palazzo Koch zierten. Dadurch entstanden schöne und nie zuvor dagewesene Banknoten.
Mussolini und der Übergang vom Königreich zum Militär
In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war es auf allen italienischen Dauermarken üblich, dass entweder ein Porträt des Königs oder das königliche Wappen abgebildet waren. Dies änderte sich schlagartig, als die faschistische Regierung Benito Mussolinis 1929 die „Serie Imperiale“ veröffentlichte. Das Königshaus segnete diesen Briefmarkensatz ab, weil Name und Porträt des Königs darauf zu sehen waren. Schaute man sich die Marken jedoch genauer an, erkannte man deutliche Anzeichen dafür, wer zu dieser Zeit wirklich die Führung in Italien hatte.

Königreich Italien 1923 - Manzoni, vollständiger Satz- Sassone NN. 151/156
Häufig war eine Fascis (ein Rutenbündel, zumeist steckte ein Beil darin) abgebildet; ein Symbol, das als Symbol faschistischer Staaten üblich war. Weiterhin fanden sich auf den Marken Porträts großer italienischer militärischer Führer, wie Julius Caesar und Kaiser Augustus. Eine Marke mit dem Bildnis Mussolinis fehlte bisweilen. Er verewigte sich jedoch auf einer Briefmarkenserie zum Gedenken des Besuchs von Adolf Hitler in Rom im Jahr 1941. Für diese Briefmarken wurden dieselben Farben verwendet wie bei der „Serie Imperiale“, diesmal zeigten sie jedoch nicht den König, sondern die beiden Diktatoren, umgeben von faschistischen Symbolen.
Obwohl wegen der Rohstoffknappheit auf unwichtige Druckerzeugnisse verzichtet wurde, sorgte das Regime dafür, dass es für alle Verlage oberste Priorität war, Mussolinis Gesicht auf Buchumschlägen abzubilden. Natürlich nicht alle Verlage. Der Trend aus der Vorkriegszeit, Bücher in einem einfachen, schlichten Bucheinband zu veröffentlichen wurde vielfach fortgesetzt. Das führte aber dazu, dass sich Romane, Sach- und Lehrbücher praktisch nicht mehr unterscheiden ließen. Diese Veröffentlichungen durchmischten sich mit einer großen Anzahl an Büchern, die Radierungen, Gemälde und sogar Fotos des Diktators enthielten.
Neuerfindung nach dem Krieg
Im Juli 1943 erschien die erste Ausgabe der Alliierten Militärwährung (AM Lire). Diese schlichten Banknoten waren eine deutliche Abkehr von den traditionellen Liren: die Profile großer italienischer Männer und Gebäude verschwanden und man entschied sich stattdessen für Pastellrahmen und eine einfache Zahl in der Mitte. Von diesem Zeitpunkt an war das Gesicht Mussolinis auf keiner Briefmarke mehr zu sehen. Die Tatsache, dass die AM-Lire fast identisch mit der Militärwährung in anderen Ländern war, war eine klare Botschaft an die italienische Bevölkerung, dass ihre Nation unter alliierter Kontrolle zu einem Land von vielen geworden war.
Das Aussehen der italienischen Briefmarken wurde interessanterweise nicht zum gleichen Zeitpunkt wie die Währung geändert. Das kann daran gelegen haben, dass die alliierten Streitkräfte unterschätzten, dass der Großteil der italienischen Post noch funktionierte. Zurückgedrängt durch die Offensive der Alliierten, gründeten die Nazis im Norden Italiens die Italienische Sozialrepublik und begannen sogleich mit der Veröffentlichung ihrer eigenen Briefmarken. Diese Marken zeigten weder hochrangige Nazi-Funktionäre, noch Mussolini, jedoch weiterhin Symbole des faschistischen italienischen Regimes mit stilisierten Bildern der antiken römischen und klassischen italienischen Architektur.

1.000 Lire Medusa 09.02.1948 / 11.02.1949
Italien befand sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einer schlechten Verfassung. Verwüstet durch Konflikte und mehrere Invasionen; und mit der unerbittlich zweckorientierten AM-Lire. Die italienische Verlagsbranche kam gänzlich zum Erliegen (darum sind Bücher aus dieser Zeit auch besonders selten) und bei der Post machte sich Verwirrung darüber breit, welche Briefmarken eigentlich noch gültig waren. Es war an der Zeit, dass Italien seine nationale Identität überdenken und wiederherstellen musste.
Um den Fokus vom Königreich Italien auf die Republik Italien zu richten, beauftragte die Bank von Italien Fiorenzo Masino Bessi damit, eine neue Serie Banknoten zu entwickeln. Bessis Entwürfe konzentrierten sich auf den Komponisten Giuseppe Verdi, die Künstler Raphael und Michelangelo und natürlich Leonardo da Vinci. Für viele Italiener war dies ein Zeichen dafür, dass Italien bereit war, mit einem neuen Nationalstolz in die Zukunft zu schreiten.
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