Leitfäden und Ratschläge

Wie erkennt man unseriöse Briefmarkenangebote

Von Beulah

Die Erfindung der E-Mail machte den guten alten Brief nahezu überflüssig und für Briefmarkensammler schien es, als ob ihr Hobby der Vergangenheit angehören sollte. Interessanterweise kam alles anders. Wir verschicken heute immer noch Briefe und das Sammeln von Briefmarken hat sich in‘s Internet verschoben. Während sich wieder immer mehr Menschen vom Briefmarkensammeln begeistern lassen, gibt es allerdings auch ein paar Fallstricke, auf die alle neuen Sammler achten sollten. Hier erzählt uns der Briefmarkenexperte Benedikt Reichl mehr dazu.

Benedikt Reichl sammelt seit über 40 Jahren Briefmarken. Mit seinem Hobby hat er sich sein Jurastudium finanziert, indem er mit Briefmarken handelte. Inzwischen kuratiert er Briefmarken-Auktionen für Catawiki. Er hat diese Entwicklungen schon früh erkannt. Besonders spannend war es für ihn zu sehen, wie sich die Briefmarken-Auktionen in‘s Internet verlagert haben. Hier teilt er sein erlangtes Wissen mit und gibt Tipps, mit denen man sich in der Welt der Online-Briefmarkenauktionen zu recht findet.

Hallo Benedikt, du hast ein wenig über „Dachbodenfunde" gesprochen. Worum geht‘s da und warum sollten potenzielle Käufer vorsichtig sein?

Benedikt: Oh ja, der gute alte Dachbodenfund! Seit es Briefmarkenauktionen und das Internet gibt, gibt es auch das, was ich Dachbodenfunde nenne. Es gibt so viele Dachbodenfunde, dass man fast meinen könnte, dass die Tür zu einem Dachboden der Eingang zu einem Paralleluniversum unzähliger neuer Dachböden mit Schätzen ist. Diese Schatzkammern haben zwei Dinge gemeinsam: eine große Zahl ungeordnete Marken, unter denen sich manchmal auch ein paar Perlen finden lassen. Was meistens jedoch nicht gesagt wird: bei diesen Perlen handelt es sich fast immer um Fälschungen oder Briefmarken dritter Wahl.

Ok, gut zu wissen! Bei welchen Formulierungen sollten Sammler also hellhörig werden?

Benedikt: Immer wieder liest man bei großen Konvoluten an Briefmarken, dass diese „nicht durchsucht worden sind‘. Dies ist einer der vielen Slogans, mit denen Verkäufer dem Käufer suggerieren möchten, dass sich in einem riesigen Haufen alter Marken vielleicht doch noch eine teure Varietät, ein seltenes Wasserzeichen oder eine Marke mit einer sehr wertvollen Frankatur befinden könnte. Das Ganze ist natürlich ein bisschen zweifelhaft, denn warum sollte ein Verkäufer seine Marken unter Wert verkaufen? Bei solchen Angeboten wurden die Rosinen meistens schon aus dem Kuchen gepickt und man bekommt dann eigentlich nur die Reste.

Eine weitere Beschreibung, bei der man die Ohren spitzen sollte, lautet „mit bester Gummierung“. Damit möchte der Verkäufer meistens den Umstand verschweigen, dass eine Briefmarke mit einer neuen Gummierung versehen wurde. Mit dieser Formulierung garantiert der Verkäufer eigentlich nur eines, nämlich das die Marke eine saubere Gummierung hat. Ob diese jedoch original ist, darüber sagt dieser Satz nichts. Jeder Verkäufer, der Briefmarken mit einer originalen Gummierung anbietet, würde sie als „Postfrisch" bezeichnen.

Ich sehe oft Briefmarken, die als "sehr tief signiert" beschrieben werden. Dies soll darauf hindeuten, dass a) das Material original ist und b) von einwandfreier Qualität ist. Aber diese Verkäufer geben oft keine nähere Beschreibung der Signatur, des Namens des Experten, der Position auf der Marke oder eines Bildes der Unterschrift. Solchen Angeboten sollte man in der Regel nicht über den Weg trauen und schnell wegklicken. Wer nichts zu verbergen hat, wird auch ein Bild von der Rückseite liefern! Kauft man solche Lose dann doch, dann erlebt man in der Regel hinterher eine böse Überraschung. Manchmal stimmt die Position der Signatur nicht mit der Beschreibung überein. Auf Briefmarken, die als postfrisch (neu, ohne Falz) angeboten werden, sind die Signaturen unter Umständen höher, was darauf hinweisen kann, dass die Falz entfernt wurde.

Es kommt allzu oft vor, dass die angebotenen Beschreibungen und Briefmarken nicht übereinstimmen. Nehmen wir als Beispiel die „Grazer Überdrucke“. Solche Sets werden mit einem Zertifikat angeboten, in dem klar angegeben ist, dass die Briefmarken, wie die meisten, mit dem Gefälligkeitsstempel (als gebraucht gestempelt) versehen sind. In der Beschreibung wird diese Tatsache jedoch völlig ignoriert und der Verkäufer nennt den höheren Katalogwert für ein Set mit normalen Stempeln.

„Mit einer gesunden Skepsis wird man die schlimmsten Fehler vermeiden können."

Gibt es auch nicht-technische Begriffe, auf die wir achten sollten?

Benedikt: Wenn eine Beschreibung wie „makellos" fehlt, dann haben wir es meist mit Briefmarken von nicht höchster Qualität zu tun. Dann kann es stattdessen z.B. heißen: „mit, für diese Ausgabe, normaler Perforation". Ein solches qualitatives Defizit wird oft von Verkäufern mit Begriffen wie „einwandfrei“ überspielt. 

Und der Begriff „Top" ist äußerst ärgerlich. Viele Lose kommen mit Begriffen wie „Top Briefmarkensatz", „Top-Wert" oder „Top-Zustand" daher. Bei der Kombination all dieser „Top-Angebote" kann man das Gefühl bekommen, dass es fast mehr „Top-Angebote" gibt als überhaupt Material auf dem Markt. Aber im philatelistischen Kontext sollte man sich fragen, was dieser Begriff eigentlich bedeutet. Es ist sicherlich kein Qualitätsmerkmal, das man in einem rechtlichen Kontext sehen könnte. Die Vermeidung der echten philatelistischen Terminologie sollte einen sehr skeptisch stimmen.

Und gibt es allgemeine Tipps? Gibt es Verhaltensweisen, die Sammler im Internet vermeiden sollten?

Benedikt: Man sollte die relevanten Experten im eigenen Sammelgebiet kennen. Nicht jeder Experte für österreichische Briefmarken der 1920er und 1930er Jahre ist auch ein Experte für die Briefmarken der Levante oder Lombardei. Um sich zu schützen, sollte man immer etwas skeptisch und nicht gierig sein! Wenn ein Angebot zu gut erscheint, um wahr zu sein, dann ist es zumeist zu billig, um den aufgerufenen Preis wert zu sein. Besonders wichtig ist es natürlich, über ein fundiertes Wissen innerhalb des eigenen Sammelgebiets zu verfügen. Mit Fachwissen und einer gesunden Skepsis kann man die schlimmsten Fehler vermeiden. Kaum etwas ist so demotivierend, wie sich auf zweifelhafte Angebote einzulassen.

Schlussendlich, weil wir natürlich klar machen möchten, dass nicht alle Angebote im Internet gefälscht sind, was tun die Catawiki-Experten zur Betrugsbekämpfung?

Benedikt: Wir brennen für unser gemeinsames Hobby und tun jeden Tag unser Bestes, um Sammler vor Schäden zu bewahren! Unser besonderes Augenmerk liegt auf korrekten, nicht übertriebenen Beschreibungen, die den angebotenen Briefmarken gerecht werden. Woche für Woche erstellen wir attraktive Auktionen, die keine versteckten Enttäuschungen für die Käufer bereithalten und Fragen zu den Losen in unseren Auktionen werden direkt von unseren Experten beantwortet.

____________________

Sehen Sie sich unsere aktuellen Briefmarken-Auktionen an, oder melden Sie sich gleich als Verkäufer an.


Mehr entdecken zu Briefmarken | Internationale Briefmarken


Diese Artikel könnten Ihnen auch gefallen:

Die Symbole der italienischen Propaganda des frühen 20. Jahrhunderts

So bestimmen Sie den Wert Ihrer Briefmarken

Catawiki-Verkäufer Herrn Bettenbühl

Erstellen Sie Ihr kostenloses Benutzerkonto
Auf Catawiki werden Sie jede Woche auf’s Neue von dem imposanten Angebot an besonderen Objekten überrascht sein. Melden Sie sich noch heute an und entdecken Sie unsere wöchentlichen Auktionen, die von unserem Team von spezialisierten Experten zusammengestellt werden.
Haben Sie bereits ein Catawiki-Konto? Einloggen
Diesen Artikel teilen
Close Created with Sketch.
Noch kein Catawiki-Konto?
Erstellen Sie einfach ein kostenloses Konto und entdecken Sie jede Woche 65.000 besondere Objekte in unseren Auktionen.
Jetzt registrieren