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Von Jan-Bart Broertjes | 9. Oktober 2019
Der legendäre Designer Luigi Colani ist vor Kurzem gestorben und die ungewöhnlichen Fahrzeuge, an denen er zu seinen Lebzeiten gearbeitet hat, erfreuen sich noch immer großer Beliebtheit. Um uns mehr darüber zu erzählen, haben wir den Automobilia -Experten Jan-Bart Broertjes eingeladen.
Das Markenzeichen eines wirklich großen Designers ist, dass er sein Handwerk auf viele Bereiche übertragen kann. Giorgetto Giugiaro war berühmt für seine Arbeiten im Fahrzeugdesign. Er prägte aber auch das Aussehen von Telefonen, Uhren, Schusswaffen und sogar von Nudeln. Raymond Loewy wiederrum hat die Coca-Cola-Flasche, das Lucky Strike-Logo, einige Züge und einige Autos der Firma Studebaker entworfen. Einige sind verantwortlich für Entwürfe von zeitloser Schönheit, während andere wegen ihrer extravaganten Formen berühmt sind, zu letzteren gehört zum Beispiel auch Bertone mit seinem BAT Alfa Romeo. Auch Luigi Colani ist eindeutig der letzten Kategorie zuzuordnen.
Colani wurde 1928 in eine große Familie in Berlin geboren. Von den Eltern ermutigt bauten die Kinder ihre eigenen Spielzeuge. Der junge Colani begann, Modellautos, Flugzeuge und Schiffe zu bauen und verwendete dafür alles an Material, was er so finden konnte. Nach seiner Kindheit besuchte er die Kunstschule in Berlin, studierte Aerodynamik in Paris und machte sich dann über den großen Teich, um in der Flugzeugindustrie zu arbeiten. Schnell entwickelte Colani seinen eigenen Stil, den man vor allem an den vielen runden Linien erkennt. Große Bekanntheit erlangte er in den 60er Jahren durch seine Möbel aus Plastik und dem Colani GT, eine Kunststoff-Karosserie, die auf ein VW-Chassis aufgebaut wurde.

Ein Audi Quattro und ein Colani GT, ausgestellt im deutschen Technikmuseum
Nachdem Colani in den 70er Jahren sein eigenes Designstudio in Deutschland eröffnete, entstand auch eine Faszination für nachhaltige Transportlösungen der Zukunft. Er war ein produktiver Designer und ließ viele seiner Visionen in funktionstüchtige Prototypen einfließen. Oft ließ er sich dabei von den organischen Formen der Natur inspirieren.
Bemerkenswert an seinen Entwürfen war, dass sie ihrer Zeit meist so weit voraus waren, dass sie nicht alltagstauglich waren, aber in der Regel voll funktionsfähig. 1972 entwarf Colani zum Beispiel für Eifelland ein Formel 1-Auto, basierend auf einem March-Fahrwerk. Diese in die Tat umgesetzte Vision war ein voll funktionstüchtiger Rennwagen, mit dem der gefeierte Rennfahrer Rolf Stommelen an mehreren Grand Prix teilnahm. Fast 30 Jahre später entwarf Colani wieder einen Wagen für die Formel 1, obwohl es sich dabei nur um eine reine Designstudie handelte (diese wird sogar aktuell versteigert).
Luigi Colani war viel mehr als ein Geschwindigkeits-Junkie. Er beschäftigte sich auch intensiv mit dem Kraftstoffverbrauch von Automobilen und effizienten Transportsystemen. 1981 verwendete er die Technik eines Citroën 2CV für ein Design, das einen Rekord in puncto Kraftstoffverbrauch aufstellte: 100 km mit nur 1,7 Litern. Um der ganzen Welt zu zeigen, dass alle Aspekte des motorisieren Personenverkehrs verbessert werden können, hat Colani die Fahrzeugserie Utah entwickelt. Die ungewöhnlichen Kreationen präsentierte er 1989 in der Bonneville Salztonebene im amerikanischen Utah, wo er mit seinen Prototypen mehrere Spritspar- und Hochgeschwindigkeitsrekorde aufstellen konnte. Die 13 bahnbrechenden Designs reichten von verschiedenen stromlinienförmigen Fahrrädern bis hin zu einem großen Sattelzug.

Luigi Colani
1991 kehrte Colani erneuet nach Bonneville zurück, um seine rekordverdächtigen Aktionen mit dem 700 PS starken Ferrari Testa d'Oro fortzusetzen. Danach ging er nach Japan, lehrte dort und beschäftigte sich mit der Entwicklung von Kameras für Canon. Der große Arbeitseifer Colanis wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt: 1984 wurde er in Japan zum besten Industriedesigner gewählt und zwei Jahre später erhielt er den Golden Camera Award für die Canon T90.
Betrachtet man den Gesamtumfang von Colanis Arbeit, dann kann man sprachlos werden: von Uhren, Brillen, Tapeten, Musikinstrumenten, Computern, Uniformen und Flugzeugen bis hin zu Stadtentwicklungskonzepten. Colani hat auf vielen Gebieten maßgeblich mitgemischt. Er hinterlässt ein schweres Erbe voller bahnbrechender, eindrucksvoller Errungenschaften. Und Dank der Weitsicht einiger Menschen sind viele der einzigartigen Designs von Colani erhalten geblieben. Die neuen Besitzern dieser seltenen Kunstwerke haben nun die Aufgabe, sie für die Nachwelt aufzubewahren und zu erhalten.
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