Geschichte

So machen Briefmarken die Welt zu einem besseren Ort

Von Tom | 7. Mai 2021


Seit mehr als 100 Jahren sind Briefmarken ein fester Bestandteil der weltweiten Kommunikation. Während sie in erster Linie als Nachweis über das bezahlte Porto dienten, hat die Philatelie - das Studium und Sammeln von Briefmarken - einige spannende Geschichten hervorgebracht. Neben Politik und Sport, wurden immer wieder Serien für humanitäre Zwecke herausgebracht. Diese Marken, heute vor allem als Zuschlagsmarke bekannt, wurden veröffentlicht, um Geld in Katastrophen- und Konfliktfällen zu sammeln und waren für uns da, wenn wir sie am meisten brauchten. Atanasio Soriano, Mitglied unseres Philatelie-Teams, verrät, bei welchen Gelegenheiten Briefmarken geholfen haben, die Welt zu retten.



Im Vergleich zu vielen großen Persönlichkeiten der Vergangenheit, erscheint die Rolle der Post nicht besonders heldenhaft. Dennoch haben Briefe und die Briefmarken eine stille, aber wesentliche Rolle in einigen bemerkenswerten Momenten der Geschichte gespielt.



Ein Satz Briefmarken aus Belgien von 1915 mit dem Bild von König Albert I., der später im Jahr 1918 zugunsten des Roten Kreuzes überdruckt wurden.

„Von der Entdeckung Amerikas bis zu den jüngsten weltweiten politischen Wahlen ist die Post - und seit 1840 die Briefmarke - das Sprachrohr der modernen menschlichen Evolution“, sagt Atanasio. „Die Post wurde zu Fuß, mit dem Auto, der Kutsche, dem Flugzeug, der Rakete, dem Ballon, dem Helikopter, dem Zeppelin, dem Space Shuttle und sogar mit Eseln transportiert. Das Schöne über all die Jahrzehnte ist, dass egal welches Transportmittel zum Einsatz kam, keine Regierung oder Einzelperson in der Lage war, die Verbreitung von Nachrichten, Hoffnung und Unterstützung, die die Post darstellt, zu stoppen. 


Zuschlagsmarken und Wohlfahrtsmarken


Welche Kraft von einem Brief ausgeht, wissen wir alle. Doch gerade die Briefmarken haben eine erstaunliche Rolle im Weltgeschehen gespielt. Sie waren und sind weit mehr als nur ein Mittel, um einen Brief zu verschicken und ein hübsches Accessoire. Sie haben entscheidend dazu beigetragen, Finanzmittel aufzutreiben und das Bewusstsein für verheerende humanitäre Konflikte, Pandemien und Naturkatastrophen zu schärfen. 


Das Phänomen der Zuschlagsmarken und Wohltätigkeitsmarken, nimmt einen großen Platz in der Philatelie ein. Zuschlagsmarken sind Sondermarken, die mit einem leichten Aufschlag versehen sind, der für wohltätige Zwecke verwendet wird. Bei Wohltätigkeitsmarken hingegen, geht das gesamte gesammelte Geld an den jeweiligen wohltätigen Zweck. 



Für die Pro Juventute Stiftung (Unterstützung der Schweizer Jugend) werden seit 1912 fast jedes Jahr im Dezember Schweizer Zuschlagsmarken herausgegeben.

„Briefmarken sind kleine Kunstwerke und Zeitkapseln in Miniaturformat. Man kann sich kaum ein historisches Ereignis oder eine relevante Person vorstellen, die nicht irgendwann in den letzten 180 Jahren als Vorlage für eine Briefmarke diente. Und das schließt auch Krisen und Katastrophen mit ein.“ 


Kriegszeiten


Die erste Serie einer Zuschlagsmarke wurde 1890 herausgegeben, um an die Reform der britischen Post zu erinnern und die Postbeförderung und seine Mitarbeiter zu finanzieren. Eine der ersten Veröffentlichungen mit einem rein humanitären Zweck jedoch geschah erst während des Ersten Weltkriegs. 


Während des Ersten Weltkriegs verloren in Frankreich etwa 200.000 Kinder ihre Väter oder Eltern, im Rest der Welt waren es noch viel mehr. Angesichts dieses beispiellosen Verlustes, führte die französische Post eine Aktion durch, um Geld für die vielen Kriegswaisen zu sammeln.



Der Kriegswaisen-Briefmarkensatz von 1917/1918

„Nach dem Ersten Weltkrieg, der rund sechs Millionen Kinder zu Waisen machte, standen die Kinder im Mittelpunkt vieler Briefmarkenserien“, sagt Atanasio. „In den Jahren 1917 und 1918 gab die französische Post einen Satz von acht Briefmarken heraus. Die gesammelten Gelder führten zum Aufbau vieler Waisenhäuser und ermöglichten die Anstellung von Lehrern, Pflegern, Köchen, Krankenschwestern und Ärzten, um den Betroffenen eine zweite Chance zu ermöglichen.“ 


Zwar waren die Briefmarken der französischen Post nicht der erste Fall von Kriegsmarken, aber sie erschufen einen Präzedenzfall und zeigten, dass derartige Bemühungen etwas verändern können. „Die Unterstützung von Kriegsopfern wurde zum häufigsten Thema auf Zuschlagsmarken weltweit. Das beste Beispiel dafür sind die „Orphans of War“, die sowohl wegen ihres Designs als auch wegen ihrer Seltenheit, inzwischen unter Sammlern sehr begehrt sind.“


Naturkatastrophen


Auch über Kriegszeiten hinaus konnten Briefmarken viele Bevölkerungsgruppen unterstützen - zum Beispiel im Fall von Naturkatastrophen. „Vor allem nach Naturkatastrophen standen viele Städte und Regionen im Fokus von Briefmarkenserien“, sagt Atanasio. „Es war ein Weg, um eine möglichst hohe Aufmerksamkeit zu schaffen und sicherzustellen, dass die Menschen die Unterstützung erhalten, die sie brauchen.“ 


Ein Beispiel ist die Überschwemmung von Valencia 1957. „Am 14. Oktober 1957 gab es in Valencia, Spanien, eine schreckliche Überschwemmung. Sie führte zum Tod von mindestens 81 Menschen und verursachte schwere Schäden in der gesamten Region. Daher wurden zwischen 1963 und 1985 bis zu 11 Briefmarken von der spanischen Post herausgegeben, um den Fluss Turia so zu sichern, dass ähnliche Überschwemmungen in Zukunft vermieden werden können.“


 Dieser seltene Block spanischer Wohlfahrtsmarken von 1939 ist einer der begehrtesten Sätze der spanischen Philatelie


Heutzutage sind Wohlfahrtsmarken ein übliches Mittel für Postunternehmen auf der ganzen Welt, um bei Naturkatastrophen zu helfen. Erst 2020 hat die australische Post ihre Disaster Relief-Serie herausgegeben- eine Serie von fünf Briefmarken, die mit Bildern von Kängurus, Freiwilligen und Bäumen verziert sind, um Gemeinden und Lebensräume zu unterstützen, die durch die Buschfeuer verwüstet wurden, die das Land heimgesucht haben. 


Pandemien und Krankheiten


Am wichtigsten war die Unterstützung immer bei Gesundheitskrisen. Die wohl erfolgreichste Briefmarkenkampagne für wohltätige Zwecke ist die 1997 in den Vereinigten Staaten herausgegebene Briefmarke zur Brustkrebsforschung, der man zuschreibt, dass sie zu einer bewussteren Konsumkultur geführt hat. Europäische Postunternehmen haben sich vor allem auf einige der tödlichsten Krankheiten des 20. und 21. Jahrhunderts fokussiert, darunter Tuberkulose und in jüngerer Zeit Covid-19. 


„Pandemien, wie wir sie gerade erleben, sind unzählige Male Thema von Briefmarkenserien gewesen", sagt Atanasio. 


„Eine der häufigsten Krankheiten war dabei die Tuberkulose und die entsprechenden Briefmarken möglicherweise die einflussreichsten. Tuberkulose war ein großes Thema im frühen 20. Jahrhundert und auch damals leisteten die nationalen Postdienste einen großen Beitrag. Sie wurden weltweit mit dem Lothringer Kreuz herausgebracht und konnten Gelder für den Bau von Krankenhäusern und Sanatorien auf der ganzen Welt sammeln; sowohl für die von Tuberkulose Erkrankten als auch für die Forschung über diese Krankheit.“ 



Diese Briefmarken wurden 1933 herausgegeben, um Gelder im Kampf gegen die Tuberkulose in Belgien zu sammeln


Briefmarken haben gezeigt, dass sie eine lange Zeit überdauern können. Und auch heute kommen sie regelmäßig zum Einsatz, um Gelder zu sammeln, aktuell zum Beispiel für den COVID Solidarity Response Fund im weltweiten Kampf gegen Covid-19. „Briefmarken haben Kriege, Krankheiten und Naturkatastrophen überlebt“, sagt Atanasio. „Briefe wurden desinfiziert, überprüft, zensiert und sogar lange Zeit zurückgehalten, aber auch Jahrzehnte danach noch überlebt die Post.“ 


Die Philatelie hat uns gezeigt, dass Briefmarken und Briefe uns viel über die Vergangenheit lehren können und ihre Widerstandsfähigkeit ist es, die uns lehrt, das wir alles schaffen können. 


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