Interviews

Die Designer, die Lego in Kunst verwandeln

Von Tom | 4. Juni 2021


Lego ist aus den Kinderzimmern nicht wegzudenken- damals wie heute. Kinder und Erwachsene finden gleichermaßen große Freude darin, mit den kleinen Steinchen ihrer kreativen Seite nachzugehen. Lego fördert nicht nur die Fantasie, sondern hat sich im Laufe der Zeit auch für gesellschaftliche Themen wie Pride eingesetzt. Bis heute gewinnt das Unternehmen immer mehr an Wert. Bei den unzähligen Fans haben sich einige hervorgetan, die noch einen Schritt weiter gegangen sind: Sie haben sich die vielseitigen Möglichkeiten der Bausteine zunutze gemacht und daraus Kunstobjekte erschaffen. „My Own Creation“, kurz MOCs, sind keine offiziellen Bausätze, sondern kleine Kunstwerke, die aus der puren Kreativität der Fans entstanden sind - von maßstabsgetreuen Modellen bis zu künstlichen Prothesen. Zwei MOC-Künstler, Helma1peet und David Aguilar Amphoux, erzählen uns mehr über Entstehungsprozesse und über die Freunde und Magie, die darin liegt. 


Wenn Fans ein Produkt in etwas Neues verwandeln, dann sind Künstler, Hersteller und Kreative immer begeistert. Ein Song wird gecovert, modische Trends werden nachgeahmt - bestehende Ideen werden innovativ umgewandelt. Nachahmung ist einfach die höchste Form der Anerkennung. Genau diese Fan-Kreativität kennt Lego ganz genau und wurde nicht zuletzt durch sie zu einem der erfolgreichsten Spielzeugunternehmen der Welt. 



Old Pirelli Factory von Helma1peet

„Was uns an Lego so begeistert, ist die Vielfalt der Möglichkeiten, um etwas völlig Neues zu schaffen“, erzählt uns Helma von Helma1peet. Helma1peet ist ein MOC-Team und besteht aus ihr selbst und ihrem Kollegen Peter. „Man kann unendlich viele Dinge verändern, der Fantasie sind einfach keine Grenzen gesetzt“. Helma1peet haben sich mit dem Modellbau ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Sie erstellen beeindruckende Modelle - von Teestuben bis zum alten Lokschuppen ist alles dabei. 


Helma1peets sind aus Leidenschaft zu MOC-Künstlern geworden, bei David Aguilar Amphoux war es eher Mittel zum Zweck - ein wichtiges Mittel, denn David ist mit dem Poland-Syndrom geboren. Durch diese muskuläre Fehlbildung hat er von Geburt an keinen rechten Brustmuskel und keinen rechten Unterarm. Zusammen mit Lego hat er sich in die Welt der technischen Innovation begeben und viel herum getüftelt. 



Tea room von Helma1peet

„Lego gibt mir die Möglichkeit, sowohl künstlerisch als auch technisch alles umzusetzen, was mir in den Sinn kommt. Mein Kopf kennt keine Grenzen. Die berühmten Steine sind voller Möglichkeiten.“


Zu diesen Möglichkeiten gehörte auch die Herstellung von Lego-Prothesen, was weltweite Medienaufmerksamkeit erregte. Im Alter von 18 Jahren entwickelte David einen funktionstüchtigen Lego-Arm aus einem Hubschrauber-Bausatz. Diese Prothese war so stabil, dass er damit sogar Liegestütze machen konnte. Unter dem Spitznamen „Hand-Solo" hat er danach einen noch stärkeren Arm gebaut, mit dem er auch schwerere Gegenstände greifen kann. Beides sind bemerkenswerte technische und innovative Leistungen, die umso beeindruckender sind, wenn man bedenkt, dass David nur ein paar Tage brauchte, um seinen ersten Prototyp zu bauen. 


Quelle der Inspiration

 

Lego-Kunst zu schaffen, ist mehr als einfach drauflos zubauen und ein paar Plastiksteine zusammenzuschustern (obwohl auch das eine empfehlenswerte Taktik ist). Laut Helma braucht es zunächst ein wenig Inspiration: „Dass man nicht nach Anleitung baut, ist für uns die größte Inspiration. Wir lieben die Herausforderung und holen uns unsere Ideen von überall - von Industriegebäuden oder beim Spaziergang durch die schönen niederländischen Grachtenstraßen.“ 



Ein Kunstwerk, vollständig aus Lego, mit dem Titel American Dream

David kann dem nur zustimmen. „Die Inspiration kommt im Grunde, sobald ich die Augen öffne und mich umschaue. Vor allem bei mechanischen oder robotergestützten Dingen.“


Prozess, Werkzeuge und Timing


Bei vielen Kunstformen ist der kreative Prozess fließend und die Kunst entsteht ungebunden während des Schaffens. Und weil den Möglichkeiten bei Lego keine Grenzen gesetzt sind, kann es hilfreich sein, sich direkt zu Beginn einige Grenzen zu setzen. Und genau dafür gibt es Methoden: 


„Zunächst überlegt man sich, was man bauen möchte“, erzählt Helma. „Eine Industrieszene, ein Haus, ein Zug... und danach entscheide ich mich für ein Fundament, auf das ich bauen will, und die Anzahl der Platten. Am liebsten baue ich mehrere Einheiten à 16 x 16 in verschiedenen Höhen. Dabei passe ich auf, dass alles stapelbar und stabil ist, auch mit Blick auf Verpackung und Versand. Natürlich möchte ich auch vielseitig und abwechslungsreich bauen - jede Einheit hat ihren eigenen Charakter. Manchmal spielen Türen und Fenster die Hauptrolle und manchmal geht es mehr um den allgemeinen Eindruck, zum Beispiel einen industriellen Look.“ 



Genug Lego zu haben, ist für Helma1peet ein guter Anfang. Danach geht es darum, die Visionen umzusetzen, die sich im Verlauf weiterentwickeln.

Und obwohl man geneigt ist, genau so zu arbeiten, wie man es sich von Anfang an vorgestellt hat, gehört es laut Helma auch zum Prozess, die Ursprungsidee loszulassen und stattdessen während des Bauens ein Gefühl für die Kreation zu entwickeln. „Die Ideen kommen, während man baut. Ich habe zwar eine Vorstellung davon, wie es werden soll, aber ich versteife mich nicht zu sehr darauf. Manchmal sind die Ideen, die währenddessen entstehen, für ein schönes Endergebnis viel passender.“


Wenn man wie David sehr ehrgeizig an die Kreationen herangeht, ist ein wenig technisches Fachwissen von Vorteil. „Mit Lego kann man runde Formen zusammen mit würfelförmigen und flachen Elementen kombinieren, und da muss man schon wissen, welche Techniken man anwenden muss. Es ist ein bisschen, als würde man eine neue Sprache lernen. Zunächst drucke ich mir die Pläne von dem, was ich bauen möchte, aus. Dann transformiere ich die Größen in den gewünschten Maßstab und messe die Profile mit dem Programm Stud.io. Dann fange ich an zu bauen und überprüfe, ob mein Entwurf mit der ausgedruckten Zeichnung übereinstimmt. Ein Projekt ist erst dann fertig, wenn ich tausende Male überprüft habe, ob das Objekt dem realen Modell exakt entspricht.“



David erzählt, dass der Prozess bis zur Fertigstellung je nach Modell von einem Tag bis zu einem Monat dauern kann.

Es gibt auch keinen Grund, überstürzt zu handeln. Natürlich ist es ein schönes Gefühl, etwas schnell fertigzustellen, so David, aber das Schöne beim MOC ist der Prozess an sich. „Je nach Modell dauert es zwischen einem Tag und einem Monat. Mein letztes Projekt war eine Rakete und dafür habe ich eine Woche gebraucht, bis sie ganz perfekt war.“ Und wenn man mit dem Endprodukt einmal nicht ganz zufrieden ist, kann man es Steinchen für Steinchen wieder ändern und neu aufbauen. „Manchmal muss ich auch alles wieder auseinanderbauen, obwohl ich schon halb fertig war, weil ich mir das ganz anders vorgestellt hatte“, erzählt Helma. „Und das finde ich völlig ok. Perfektion erreicht man nicht in einem Durchgang, man darf nur nicht aufgeben.“ 


Tipps für den Einstieg


Wenn man auf die Vielzahl der Möglichkeiten schaut, möchte man einerseits direkt selbst anfangen und andererseits können sich Anfänger auch ganz schön eingeschüchtert fühlen. Das Gute: es gibt kein Geheimrezept und die Methode heißt (auch bei den Profis) „Versuch und Irrtum“, denn auch bei Lego macht Übung den Meister. 


„Wenn Sie merken, dass Sie Lust dazu haben: machen Sie es! Jede und Jeder kann MOC-Künstler werden - es gibt dabei kein Alter. Aus Lego kann man wirklich alles bauen, man sollte sich für den Anfang aber nicht zu viel vornehmen“, sagt Helma. „Im Internet gibt es viele tolle Beispiele und Ideen. Unabhängig von der Größe Ihres MOCs, ist es immer hilfreich, in stapelbaren Einheiten zu denken. Wichtig ist natürlich, dass man genügen Lego im Haus hat. Überlegen Sie sich zunächst, was Sie bauen möchten - wahrscheinlich ist, dass man nochmal Lego nachkaufen muss. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Fantasie und Ihre Ideen, denn die machen das Modell schlussendlich besonders und schön. Liebhaber erkennen das.“  



Spaceship nach Hergé von David Aguilar Amphoux

David sieht das genauso. Schon als Kind baute er auf kreative Art und Weise. Mit all dieser Erfahrung bis heute, sieht er den eigentlichen Reiz von MOC auch im Prozess und der Ästhetik von dem, was man geschaffen hat. Jede Kreation mit Lego- ob nun technisch oder ästhetisch schön- ist ein Kunstwerk. Mein einziger Rat an zukünftige Lego-Künstler wäre nur, niemals mit dem Bauen aufzuhören. Nur so können immer mehr technische und künstlerische Werke entstehen. Auf die Weise können wir auch jüngere Menschen inspirieren und die Möglichkeiten von Lego immer wieder neu definieren.“ 


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