Geschichte

Ein Jahrzehnt in Farbe: ein Rückblick auf die kultigsten Comics, die auf Catawiki verkauft wurden

Von Tom |Veröffentlichtam 15. November 2021


Selbst in der heutigen digitalen Welt ist die Anziehungskraft vonComics ungebrochen. Diese Anziehungskraft wird von langjährigen Sammlern und Lesern befeuert, die ihren Lieblingsfiguren treu sind, und natürlich auch von Kinogängern, die unbedingt die allerneuesten Blockbuster sehen müssen, die als Adaptationen auf klassischem Comicmaterial basieren – man denke zum Beispiel nur an all die aktuellen Marvel-Filme – Comics haben auf jeden Fall bewiesen, dass sie hier sind, um zu bleiben. Durch ihre lange Geschichte unübertroffener Illustrationen und fesselnder Handlungsstränge haben sie einen enormen literarischen Wert. Zur Feier des 10-jährigen Jubiläums des Verkaufs des ersten Objekts – eines Comics – auf Catawiki, blicken wir mit Hilfe des Comic-Experten Patrick Vranken auf einige der kultigsten – und manchmal auch umstrittenen – Ausgaben und Illustrationen, die auf Catawiki versteigert wurden, zurück. 


Der erste verkaufte Comic


Wenn es um Eskapismus und Abenteuer geht, gibt es kaum etwas, das mit „Tim und Struppi“ vergleichbar ist. Die Krabbe mit den goldenen Scherenerhält eine ehrenvolle Erwähnung als erster Comic, der jemals auf Catawiki versteigert wurde. Bei dieser friesischen Ausgabe, die im Jahr 2011 verkauft wurde, handelt es sich um den neunten Band der Serie „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ des legendären belgischen Comiczeichners Hergé. Der Comic erzählt von Tim, dem jungen belgischen Reporter, der gemeinsam mit seinem Hund Struppi einen Opium-Schmugglerring in Marokko aufspüren will. 


Der Comic, der von Oktober 1940 bis 1941 während der deutschen Besetzung Belgiens in der belgischen Zeitung „Le Soir“ veröffentlicht wurde, die Hergés Darstellung von Tim sehr stark eingeschränkt hatte, um der Zensur durch die Gestapo zu entgehen, ist seitdem zu einem riesigen kommerziellen Erfolg geworden, aber auch zum Thema für viele Kritiker. Eine der Figuren ist beispielsweise der vielgeliebte Alkoholiker Captain Haddock, wobei nicht klar ist, ob der Comic mit seiner Abhängigkeit vor den schrecklichen Folgen des Alkoholkonsums warnen oder Werbung für ihn machen will. Kritiker aus der moderneren Zeit haben vor allem Hergés Umgang mit indigenen Völkern und seine Art der Darstellung in diesem und anderen Texten kritisiert – Hergé hat diese später bedauert – aber der Comic bleibt unter Berücksichtigung seiner Entstehungszeit begehrt und ist durchaus subversiv, wobei Tims Weltoffenheit vom realen Kontext während der Nazi-Besatzung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Welten entfernt ist.  


Eines von einhundert Comicheften


Diese Erstausgabe von „Doris Dobbel“ des flämischen Künstlers Marc Sleen ist zwar nicht eins von einer Million (eher eins von hundert), es ist aber sicherlich eine Rarität. Angeblich wurden nur 100 Exemplare von diesem Comic gedruckt, von denen acht überlebt und drei ihr Cover verloren haben. Dieses spezielle Exemplar des Comics war das neunte, das auftauchte, nachdem es von jemandem auf einem Dachboden entdeckt und von dort gerettet wurde. 


Abgesehen von seiner limitierten Auflage ist es ein wertvolles Werk in Sleens Repertoire, der nach wie vor einer der produktivsten Comiczeichner ist, die die Welt je gesehen hat. Tatsächlich hielt Sleen lange Zeit sogar den Guinness-Weltrekord für die Anzahl der Comics, die er gezeichnet hat: angeblich wären sie gestapelt zwölfmal so hoch wie der Eiffelturm gewesen. Doris Dobbel war eine seiner vielen Kreationen; er ist als Gag-Comic inszeniert und handelt von einem Metzger, der ständig versucht, seine Kunden zufriedenzustellen, eine Fehde mit seinem Nachbarn zu gewinnen und reich zu werden, aber alle seine Vorhaben bleiben ziemlich erfolglos. Der Comic ist ein wundervolles Beispiel für Sleens Talent für Satire und diese besondere Ausgabe bleibt mit einem Preis von 16.500 € immer noch einer der teuersten jemals verkauften Comics auf Niederländisch.


Das teuerste Comicheft


Ein weiterer Beweis dafür, dass die Anziehungskraft von „Tim und Struppi“ unübertroffen ist, ist eine französische Ausgabe von „Tim im Lande der Sowjets“;mit einem Verkaufspreis von atemberaubenden 50.000 € war dies der teuerste Comic, der je auf Catawiki verkauft wurde. Es handelt sich um ein Werk, das Hergés damals kontroverse Ansichten und seinen Umgang mit der Welt veranschaulicht – nicht ungewöhnlich für einen Mann, dessen Karriere im 20. Jahrhundert über 35 Jahre samt Zweitem Weltkrieg umfasste – seine Stellung als erster Band der Reihe macht diesen Comic zu einem absoluten Muss für Sammler.



 Eine französische Ausgabe von „Tim und Struppi: Tim im Lande der Sowjets“ 


Der Comic zeigt Tim, der über die bolschewistische Regierung berichtet und gegen sie ermittelt, was schließlich dazu führt, dass sich Tim und Struppi eine Katz-und-Maus-Jagd mit sowjetischen Geheimagenten liefern. Kritiker haben Hergés Darstellungen des Sowjetstaates verrissen, die, wie sich herausstellt, von einer Broschüre mit dem Titel „Das enthüllte Moskau“ von Joseph Douillet inspiriert waren. Die karikierte Darstellung der Bolschewiki als das schlimmste Übel wurde teilweise von Abbot Norbert Wallez, dem Besitzer der Zeitung beeinflusst, in der Hergé veröffentlichte – die Zeitung vertrat unter anderem häufig antikommunistische Ansichten. Obwohl selbst Hergé später Bemerkungen zur Primitivität des Werkes machte, hat die Geschichte doch einer der beliebtesten Comicfiguren der Welt den Start ermöglicht. 


Der begehrteste Spider-Man-Comic


Der freundliche Spider-Man aus der Nachbarschaft kann heutzutage Blockbuster-Rekorde in „The Avengers“ und den Filmen, die seinen eigenen Namen tragen, brechen, aber der Verkauf vonAmazing Fantasy #15 im Jahr 2019 hat ganz deutlich gezeigt, was für eine Anziehungskraft seltene US-Comics haben. In diesem Heft hat Spider-Man seinen allerersten vollständigen Auftritt und es gilt als eines der meistgesuchten Comichefte der Welt. 



„Amazing Fantasy“ #15


Warum? Nun, oberflächlich gesehen ist es Peter Parkers Entstehungsgeschichte und der Ort, an dem alles für unseren Spidey-Freund begann. Aber darüber hinaus stellte der Comic eine ganz neue Art von Superheld vor: einen Teenager. „Das Mauerblümchen vom Dienst in der Midtown High”, Peter Parker war ein ganz normaler Teenager, der versucht hat, mit der Schule, mit Freundschaften, mit Mobbing und dergleichen fertigzuwerden. Und obwohl vermutlich nicht jeder von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, hat Spider-Man bewiesen, dass Comics in der Lage sind, das Menschliche in ihren Heldenfiguren zu finden, und dass man Helden an den unwahrscheinlichsten Orten finden kann. 


Das Original von Hergé, das sich für Frieden einsetzt 


Die Illustrationen des Comiczeichners Hergé waren gleichermaßen gefragt und diese Originalzeichnung war da keine Ausnahme. Mit dieser Zeichnung aus dem Jahr 1956 versuchte Hergé während der Suezkrise seinen Wunsch nach Frieden und seine unterschwellige Angst vor Krieg zu vermitteln. Was an diesem besonderen Kunstwerk bemerkenswert war, war jedoch die beigefügte Grußkarte. Sie zeigt Tim, der einen Fichtenzweig statt eines Stechpalmenzweigs hält, und seinen Hund Struppi, der statt eines Olivenzweigs einen Knochen im Maul hat. Diese einfache, aber enorm reizvolle Illustration wurde für 21.000 € verkauft und ist ein weiterer Beweis für Hergés Kunstfertigkeit. 


Ein Rückblick auf das Goldene Zeitalter


Die Belgier dominierten lange Zeit die Comic-Szene, bis die Franzosen ab Ende der 1950er Jahre ihren Anteil der europäischen Comics für sich beanspruchten. Bis dahin herrschte jedoch das Goldene Zeitalter der belgischen Comics, in dem Morris und André Franquin bekannte Namen waren. Originalkunstwerke sind immer in Mode und ihre Arbeiten bleiben begehrt, so gehören zum Beispiel Illustrationen wie „Lucky Luke“ von Morris und Zeichnungen wie „Chateau de Champignac“ von Franquin zu den ikonischen Kunstwerken, die später versteigert wurden. Letzteres sorgte beim Verkauf für besonderes Aufsehen, denn das Exemplar der Originalzeichnung war mit Notizen des Künstlers versehen, in denen sich bei genauerem Hinsehen die beliebte belgische Comicfigur Spirou versteckt. Begeisterte Comic-Fans können gerne versuchen, den schelmischen Belgier zu finden.



Originalillustration von „Lucky Luke“


Die mythische Comicserie „Suske und Wiske“


Bei unserer Aufzählung von bedeutenden Comics darf natürlich „Suske und Wiske“ nicht fehlen, die belgische Comicserie, die vor allem in den Benelux-Ländern für Furore sorgte. Während viele Ausgaben versteigert wurden, war diese erste Ausgabe von „Het eiland Amoras“ besonders bedeutsam. Es war der zweite Teil der Serie, in dem Suske als wichtige Hauptfigur in der Serie etabliert wird. 


Die Geschichte wurde zu Beginn der Karriere von Willy Vandersteen als täglicher Comicstrip veröffentlicht. Sie ist ein frühes Beispiel für seine Arbeit und seinen revolutionären Ansatz, Comics zu veröffentlichen. Nicht nur die Geschichte dreht sich um etwas Mythisches, die Insel „Amoras“, auch die Ausgabe selbst hat aufgrund ihrer Seltenheit etwas sehr Mythisches und wurde wohl deshalb im Jahr 2019 für sage und schreibe 12.200 € verkauft.


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