Nr. 100424069

Josef Wedewer (1896-1979) - Abstrakt-figurative Komposition
Nr. 100424069

Josef Wedewer (1896-1979) - Abstrakt-figurative Komposition
Josef Wedewer (1896–1979)
Großformatige abstrakt-figurative Komposition, 1963 – Signiert & datiert
Dieses eindrucksvolle Gemälde stammt von Josef Wedewer, einem bedeutenden Vertreter der westfälischen Moderne und Mitbegründer der Künstlergruppe Junges Westfalen. Das Werk ist handsigniert („Jos. Wedewer“) und datiert 1963, rückseitig zusätzlich bezeichnet („Bild 28/1963“), was für eine klare Werkzuordnung und Authentizität spricht. Die Komposition zeigt eine kraftvolle abstrakt-figurative Bildsprache, wie sie für Wedewers spätes Werk der 1950er–1960er Jahre charakteristisch ist. In dieser Phase verband er expressive Formauflösung mit existenzieller Bildspannung – ein Ansatz, der ihn kunsthistorisch in die Nähe von Informel und expressiver Nachkriegsmoderne rückt. Der pastose Farbauftrag, die reliefartige Oberfläche und die reduzierte, erdige Palette verleihen dem Gemälde eine außergewöhnliche physische Präsenz und Tiefe.
Maße ca. 62 x 79 cm.
Hintergrund: Josef Wedewer (* 24. März 1896 in Lüdinghausen; † 28. Dezember 1979 ebenda) war ein deutscher Künstler. Von 1916 bis 1918 nahm Wedewer am Ersten Weltkrieg als Kanonier teil, mit Lazarettaufenthalt in Koblenz. Danach studierte er von 1919 bis 1923 an der Kunstakademie Kassel zunächst bei dem Landschaftsmaler Curt Witte und ab 1922 bei Ewald Düllberg. Dort schloss er Freundschaft mit den Malern Theo Hölscher, Hans Kraft und Karl Hauenherm. Nach einer kurzen expressiven Phase wurde er ein Vertreter des Stils Neue Sachlichkeit.
1927 heiratete er seine Ehefrau Thea. Im selben Jahr wurde er zusammen mit dem Hammer Künstler Theo Hölscher und Hans Kraft Mitbegründer der Gruppe „Junges Westfalen“ und Mitglied des Westdeutschen Künstlerbundes. Vor 1933 hatte er Ausstellungen unter anderem in den Berliner Galerien Alfred Flechtheim, Neumann-Nierendorf und Bruno Cassirer. In der Zeit des Nationalsozialismus war Wedewer Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 37 Gruppenausstellungen sicher belegt. Dabei fällt auf, dass er auf keiner der Großen Deutschen Kunstausstellungen in München vertreten war. Ab 1933 entstanden vorwiegend dunkeltonige Stimmungslandschaften und Stadtansichten. Hier verwendete er seine Eindrücke des Münsterlandes, Sauerlandes, Soest, der Lahn und Motive von Hafenlandschaften der deutschen Küste.
Ab 1947 malte er erste abstrakte Bilder, die er ab den 1960er-Jahren zunehmend um Collageelemente erweiterte. Im letzten Lebensabschnitt hielt er sich in Ascona auf und beschäftigte sich wieder mit der Landschaftsmalerei. Er war Mitglied der „Dortmunder Gruppe“. Wedewer war der Vater von Rolf Wedewer, langjähriger Direktor des Museums Morsbroich in Leverkusen. Seine in den 1960er-Jahren geschaffenen Papierarbeiten gingen als Schenkung postum in die Sammlung der Städtischen Galerie Villa Zanders in Bergisch Gladbach. Ein Teil seines künstlerischen Nachlasses befindet sich zudem im Künstlerarchiv der Stiftung Kunstfonds.
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