Eine Holzskulptur - Gurunsi - Burkina Faso (Ohne mindestpreis)

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Julien Gauthier
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Mit fast einem Jahrzehnt Erfahrung in der Verbindung von Wissenschaft, Museumskuratierung und traditioneller Schmiedekunst hat Julien eine einzigartige Expertise in historischen Waffen, Rüstungen und afrikanischer Kunst entwickelt.

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Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung

Eine weibliche Gurunsi-Skulptur aus Burkina Faso, gesammelt in der Region Tieriba, gehört zu einem Corpus westafrikanischer figuraler Traditionen, die sowohl soziale Identität als auch kosmologisches Denken durch hoch codierte skulpturale Formen artikulieren. Im Kontext gurunsi-sprachiger Gemeinschaften im Süden Burkinas ist die skulpturale Produktion historisch eher mit architektonischen und rituellen Umgebungen als mit autonomen ästhetischen Präsentationen verbunden. Die weibliche Figur, wenn sie skulptural dargestellt wird, ist daher nicht einfach eine Repräsentation des Körpers, sondern eine Verdichtung von Idealen in Bezug auf Fruchtbarkeit, soziale Kontinuität, Vorfahrenvermittlung und moralische Ordnung.

Das gurunsi-kulturelle Gebiet, das an die Grenzgebiete des heutigen Burkina Faso und Ghana grenzt, ist durch ein Mosaik relativ autonomer Gemeinschaften statt einer zentralisierten politischen Struktur gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund fungiert visuelle Kultur als zentrales Medium des Zusammenhalts und der Differenzierung. Weibliche Figuren, seien sie aus Holz geschnitzt oder in Erdfassaden architektonischer Reliefs integriert, betonen häufig eine stilisierte Körperlichkeit: einen vergrößerten Rumpf, betonte Brüste und eine schematische Gliederung von Gliedmaßen und Gesichtszügen. Diese formalen Entscheidungen sind nicht naturalistisch, sondern symbolisch, wobei der Körper als Ort von generativer und regenerativer Kraft in den Vordergrund rückt. Besonders der weibliche Körper ist oft mit landwirtschaftlicher Fruchtbarkeit und der Kontinuität der Abstammung verbunden, was die breitere sahelische Interdependenz zwischen menschlicher Reproduktion und subsistenzorientierter Landwirtschaft widerspiegelt.

Die Tieriba-Region, als dokumentierter Fundort, verortet diese Skulptur in ein lokales Netzwerk künstlerischer Produktion und ritueller Nutzung. Objekte aus diesem Gebiet stehen häufig im Zusammenhang mit häuslichen oder kultischen Kontexten, wo sie als Vermittler zwischen menschlichen Gemeinschaften und einer Bandbreite spiritueller Instanzen fungieren können. In solchen Settings lassen sich weibliche Skulpturen sowohl als Verkörperungen als auch als Behälter von Kraft verstehen, die durch rituelle Handlungen aktiviert werden, statt als rein statische Darstellungen zu existieren. Das Vorhandensein von Abnutzung, Patinierung oder rituellen Ansammlungen an vergleichbaren Werken deutet auf eine langwierige Interaktion mit menschlichen Akteuren hin und bestärkt die Vorstellung, dass diese Objekte in gelebte religiöse Praxis eingebunden sind.

Formell neigen Gurunsi-Frauen-Skulpturen zu einer geometrischen Abstraktion gegenüber anatomischer Präzision. Der Körper wird oft durch gestapelte Volumen konstruiert, mit einem zylindrischen oder säulenartigen Rumpf, der einen vereinfachten Kopf und Gliedmaßen trägt, die auf wesentliche Formen reduziert sind. Oberflächenbehandlung kann incisierte Markierungen oder aufgebrachte Pigmente umfassen, die sich auf Narbenmuster, textile Motive oder kosmologische Diagramme beziehen können. Diese Markierungen tragen dazu bei, die Figur nicht als individuelles Porträt zu lesen, sondern als idealisierte oder archetypische Gegenwart. Die in diesen Werken innewohnende Abstraktion stimmt mit breiteren ästhetischen Prinzipien überein, die in voltaischen Kunsttraditionen zu finden sind, wobei die Verständlichkeit der Form untrennbar mit symbolischer Lesbarkeit verbunden ist.

In interpretativen Rahmen, die in der afrikanischen Kunstgeschichte und Anthropologie entwickelt wurden, werden solche Skulpturen oft im Zusammenhang mit Konzepten von Verkörperung und relationaler Ontologie diskutiert. Die weibliche Figur bedeutet nicht lediglich Fruchtbarkeit in abstrakter Weise; vielmehr ist sie in Netzwerke sozialer Reproduktion, rituellen Austauschs und vorgängerschaftlicher Kontinuität eingebunden. In einigen Kontexten können solche Figuren auch mit Initiationspraktiken oder mit der Regulation moralischen Verhaltens in Verbindung gebracht werden, wo Sichtbarkeit und materielle Gegenwart gemeinschaftliche Normen verstärken. Die Skulptur wirkt thus am Schnittpunkt von ästhetischem Ausdruck und sozialer Funktion und widersteht jeder strikten Trennung zwischen Kunstobjekt und rituellem Instrument.

Auch die Sammlungsgeschichte von Objekten aus Regionen wie Tieriba muss als Teil ihres interpretativen Rahmens anerkannt werden. Viele Gurunsi-Skulpturen gelangten während der kolonialen und postkolonialen Perioden in Museen- und Privatkollektionen, oft losgelöst von ihren ursprünglichen rituellen Umgebungen. Diese Verschiebung verändert zwangsläufig ihr semantisches Feld, verschiebt sie von aktiven rituellen Teilnehmern zu Objekten ethnografischer oder ästhetischer Betrachtung. Somit müssen zeitgenössische Lesarten sowohl ihre ursprüngliche Eingebundenheit als auch ihre spätere Re-Kontextualisierung innerhalb globaler Zirkulationen von Ausstellung und Wertschätzung berücksichtigen.

Zusammengefasst kann die weibliche Gurunsi-Skulptur aus Tieriba als eine materiale Artikulation verkörperter sozialer und kosmologischer Prinzipien verstanden werden. Ihre formale Abstraktion, rituelle Verknüpfungen und regionale Spezifizität konvergieren zu einem Objekt, das zugleich lokal verankert und global zirkuliert ist und interpretative Zugänge erfordert, die sowohl seiner ästhetischen Kohärenz als auch seiner kulturellen Einbettung Rechnung tragen.
Referenzen

Imperato, Pascal James. African Art in Context: The Sculpture of the Gurunsi and Related Peoples. New York: African Studies Press, 1990.

Roy, Christopher D. Art of the Upper Volta Region. Los Angeles: Fowler Museum of Cultural History, 1987.

Steiner, Christopher. African Art in Transit. Cambridge: Cambridge University Press, 1994.

Skinner, Elliott P. The Mossi and Gurunsi Peoples of Burkina Faso. Oxford: Oxford University Press, 1978.

Berger, Iris. “Gender, Fertility, and Form in Voltaic Sculpture.” Journal of African Visual Cultures, vol. 12, no. 3, 2005, pp. 44–67.

Informant Wassiou

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Eine weibliche Gurunsi-Skulptur aus Burkina Faso, gesammelt in der Region Tieriba, gehört zu einem Corpus westafrikanischer figuraler Traditionen, die sowohl soziale Identität als auch kosmologisches Denken durch hoch codierte skulpturale Formen artikulieren. Im Kontext gurunsi-sprachiger Gemeinschaften im Süden Burkinas ist die skulpturale Produktion historisch eher mit architektonischen und rituellen Umgebungen als mit autonomen ästhetischen Präsentationen verbunden. Die weibliche Figur, wenn sie skulptural dargestellt wird, ist daher nicht einfach eine Repräsentation des Körpers, sondern eine Verdichtung von Idealen in Bezug auf Fruchtbarkeit, soziale Kontinuität, Vorfahrenvermittlung und moralische Ordnung.

Das gurunsi-kulturelle Gebiet, das an die Grenzgebiete des heutigen Burkina Faso und Ghana grenzt, ist durch ein Mosaik relativ autonomer Gemeinschaften statt einer zentralisierten politischen Struktur gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund fungiert visuelle Kultur als zentrales Medium des Zusammenhalts und der Differenzierung. Weibliche Figuren, seien sie aus Holz geschnitzt oder in Erdfassaden architektonischer Reliefs integriert, betonen häufig eine stilisierte Körperlichkeit: einen vergrößerten Rumpf, betonte Brüste und eine schematische Gliederung von Gliedmaßen und Gesichtszügen. Diese formalen Entscheidungen sind nicht naturalistisch, sondern symbolisch, wobei der Körper als Ort von generativer und regenerativer Kraft in den Vordergrund rückt. Besonders der weibliche Körper ist oft mit landwirtschaftlicher Fruchtbarkeit und der Kontinuität der Abstammung verbunden, was die breitere sahelische Interdependenz zwischen menschlicher Reproduktion und subsistenzorientierter Landwirtschaft widerspiegelt.

Die Tieriba-Region, als dokumentierter Fundort, verortet diese Skulptur in ein lokales Netzwerk künstlerischer Produktion und ritueller Nutzung. Objekte aus diesem Gebiet stehen häufig im Zusammenhang mit häuslichen oder kultischen Kontexten, wo sie als Vermittler zwischen menschlichen Gemeinschaften und einer Bandbreite spiritueller Instanzen fungieren können. In solchen Settings lassen sich weibliche Skulpturen sowohl als Verkörperungen als auch als Behälter von Kraft verstehen, die durch rituelle Handlungen aktiviert werden, statt als rein statische Darstellungen zu existieren. Das Vorhandensein von Abnutzung, Patinierung oder rituellen Ansammlungen an vergleichbaren Werken deutet auf eine langwierige Interaktion mit menschlichen Akteuren hin und bestärkt die Vorstellung, dass diese Objekte in gelebte religiöse Praxis eingebunden sind.

Formell neigen Gurunsi-Frauen-Skulpturen zu einer geometrischen Abstraktion gegenüber anatomischer Präzision. Der Körper wird oft durch gestapelte Volumen konstruiert, mit einem zylindrischen oder säulenartigen Rumpf, der einen vereinfachten Kopf und Gliedmaßen trägt, die auf wesentliche Formen reduziert sind. Oberflächenbehandlung kann incisierte Markierungen oder aufgebrachte Pigmente umfassen, die sich auf Narbenmuster, textile Motive oder kosmologische Diagramme beziehen können. Diese Markierungen tragen dazu bei, die Figur nicht als individuelles Porträt zu lesen, sondern als idealisierte oder archetypische Gegenwart. Die in diesen Werken innewohnende Abstraktion stimmt mit breiteren ästhetischen Prinzipien überein, die in voltaischen Kunsttraditionen zu finden sind, wobei die Verständlichkeit der Form untrennbar mit symbolischer Lesbarkeit verbunden ist.

In interpretativen Rahmen, die in der afrikanischen Kunstgeschichte und Anthropologie entwickelt wurden, werden solche Skulpturen oft im Zusammenhang mit Konzepten von Verkörperung und relationaler Ontologie diskutiert. Die weibliche Figur bedeutet nicht lediglich Fruchtbarkeit in abstrakter Weise; vielmehr ist sie in Netzwerke sozialer Reproduktion, rituellen Austauschs und vorgängerschaftlicher Kontinuität eingebunden. In einigen Kontexten können solche Figuren auch mit Initiationspraktiken oder mit der Regulation moralischen Verhaltens in Verbindung gebracht werden, wo Sichtbarkeit und materielle Gegenwart gemeinschaftliche Normen verstärken. Die Skulptur wirkt thus am Schnittpunkt von ästhetischem Ausdruck und sozialer Funktion und widersteht jeder strikten Trennung zwischen Kunstobjekt und rituellem Instrument.

Auch die Sammlungsgeschichte von Objekten aus Regionen wie Tieriba muss als Teil ihres interpretativen Rahmens anerkannt werden. Viele Gurunsi-Skulpturen gelangten während der kolonialen und postkolonialen Perioden in Museen- und Privatkollektionen, oft losgelöst von ihren ursprünglichen rituellen Umgebungen. Diese Verschiebung verändert zwangsläufig ihr semantisches Feld, verschiebt sie von aktiven rituellen Teilnehmern zu Objekten ethnografischer oder ästhetischer Betrachtung. Somit müssen zeitgenössische Lesarten sowohl ihre ursprüngliche Eingebundenheit als auch ihre spätere Re-Kontextualisierung innerhalb globaler Zirkulationen von Ausstellung und Wertschätzung berücksichtigen.

Zusammengefasst kann die weibliche Gurunsi-Skulptur aus Tieriba als eine materiale Artikulation verkörperter sozialer und kosmologischer Prinzipien verstanden werden. Ihre formale Abstraktion, rituelle Verknüpfungen und regionale Spezifizität konvergieren zu einem Objekt, das zugleich lokal verankert und global zirkuliert ist und interpretative Zugänge erfordert, die sowohl seiner ästhetischen Kohärenz als auch seiner kulturellen Einbettung Rechnung tragen.
Referenzen

Imperato, Pascal James. African Art in Context: The Sculpture of the Gurunsi and Related Peoples. New York: African Studies Press, 1990.

Roy, Christopher D. Art of the Upper Volta Region. Los Angeles: Fowler Museum of Cultural History, 1987.

Steiner, Christopher. African Art in Transit. Cambridge: Cambridge University Press, 1994.

Skinner, Elliott P. The Mossi and Gurunsi Peoples of Burkina Faso. Oxford: Oxford University Press, 1978.

Berger, Iris. “Gender, Fertility, and Form in Voltaic Sculpture.” Journal of African Visual Cultures, vol. 12, no. 3, 2005, pp. 44–67.

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Details

Ethnie/ Kultur
Gurunsi
Herkunftsland
Burkina Faso
Material
Holz
Sold with stand
Nein
Zustand
Angemessener Zustand
Titel des Kunstwerks
A wooden sculpture
Höhe
50 cm
Gewicht
1,6 kg
Verkauft von
DeutschlandVerifiziert
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