Eine Holzskulptur - Lobi - Burkina Faso (Ohne mindestpreis)

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Julien Gauthier
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Mit fast einem Jahrzehnt Erfahrung in der Verbindung von Wissenschaft, Museumskuratierung und traditioneller Schmiedekunst hat Julien eine einzigartige Expertise in historischen Waffen, Rüstungen und afrikanischer Kunst entwickelt.

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Eine Holzelfigur der Lobi aus Burkina Faso, Kampti-Region, aus Holz geschnitzt, 20 cm hoch, 84 g, in gutem Zustand, ohne Ständer verkauft.

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Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung

Eine Lobi-Skulptur aus der Kampti-Region gehört zu einem breiteren Korpus westafrikanischer figuraler Produktion, der eng mit Schreinspraxis, Schutz und divinatorischer Wirksamkeit verbunden ist, statt mit autonomer ästhetischer Darstellung. Im Kontext der südwestlichen Grenzregionen Burkinas Faso ist die mit den Lobi assoziierte skulpturale Tradition am besten als eingebettet in eine aktive rituelle Ökologie zu verstehen, in der Figuren als Vermittler zwischen menschlichen Gemeinschaften, Stammesvorfahren und einem verstreuten Feld spiritueller Kräfte fungieren, das lokal durch Schreinszusammenstellungen und relationale rituelle Interaktionen bekannt ist. Die Kampti-Region, im Lobi-Kulturkreis nahe der Grenze zu Côte d’Ivoire gelegen, ist besonders bedeutsam für das Verständnis stilistischer Variationen und das Fortbestehen lokalisierter skulpturaler Grammatiken, die selbst unter Bedingungen von Mobilität, Handel und äußerer Beobachtung einer Homogenisierung widerstehen.

Das skulpturale Oeuvre, das in ethnografischer Literatur gemeinhin als „Lobi-Skulptur“ bezeichnet wird, ist kein einheitlicher Stil im akademischen Sinn, sondern ein Ensemble von Werkstattpraktiken und schreinbasierenden Produktionen. Figuren werden typischerweise in Hartholz geschnitzt und können Vorfahren, Schutzgeister (thila) oder schützende Wesen darstellen, die in privaten oder stammesbezogenen Schreinen installiert sind. Ihre formale Sprache ist durch kompakte Volumen, abgeschwächte Gliedmaßen und eine verstärkte Betonung des Kopfes als Ort der Handlungsfähigkeit und Wahrnehmung gekennzeichnet. In vielen Fällen ist der Kopf entweder überproportional betont oder materiell durch Encrustationen, rituelle Rückstände oder angebrachte Materialien verändert, was einen visuellen Effekt erzeugt, der metaphorisch als eine „Kappe“ oder Abdeckung beschrieben werden kann.

Diese sogenannte kappenartige Bedingung ist kein gestalterisches Zierwerk im europäischen Sinne der Verfertigung, sondern vielmehr das sedimentierte Ergebnis ritueller Handlung. Wiederholte Opfergaben von Gerstenbier, Blut, Sheabutter und anderen Substanzen sammeln sich auf der Oberfläche der Figur an und bilden allmählich eine Kruste, die die Kopfhöhe und den Oberkörper umschließen kann. In einigen Fällen werden Eiseninsertions, Lederteile oder kleine organische Bindemittel hinzugefügt, um die Figur innerhalb der Schreind praxis zu stabilisieren oder zu aktivieren. Diese Ansammlungen können in kolonialer und früh museumsgeschichtlicher Dokumentation missverstanden werden als dekoratives Kopfbedeckungsstück oder skulpturale Absicht, obwohl sie tatsächlich Dauer, Wirksamkeit und rituelle Intensität indexieren. Die „Kappe“ ist daher besser als Prozesshaut zu verstehen, eine materielle Aufzeichnung fortlaufender Auseinandersetzung zwischen menschlichen Akteuren und spirituellen Entitäten als eine feste ikonografische Eigenschaft.

Im kolonialen Begegnungskontext wurde die Interpretation und Verbreitung von Lobi-Figuren grundlegend neu gestaltet. Die französische Kolonialverwaltung in Upper Volta (heute Burkina Faso) und angrenzendem Côte d’Ivoire sowie Missionstätigkeit und ethnographische Sammlungen reframten Schreinsobjekte als Kunstgegenstände oder ethnographische Exemplare. Diese Verschiebung ging mit einer bedeutenden erkenntnistheoretischen Transformation einher: Figuren, die zuvor in eingeschränkten rituellen Kontexten aktiviert waren, wurden losgelöst, klassifiziert und in europäischen Museums-Systemen ausgestellt. Die Herausnahme von Objekten aus ihren rituellen Umgebungen führte oft zu einem Missverständnis ihrer „unfertigen“ Oberflächen – die verkrusteten Köpfe und die aufgelaufenen „Kappen“ wurden häufig gereinigt, stabilisiert oder ästhetisiert, wodurch ihre funktionale Biografie verschleiert wurde. In diesem Sinn breiteten koloniale Regime nicht nur Lobi-Skulptur aus; sie schrieben deren materielle Lesbarkeit neu.

Die Kampti-Region bietet wegen ihrer Lage als Zonen relativer Kontinuität der Schreingebräuche und als Ort grenzüberschreitender Zirkulation einen besonders lehrreichen Blick auf diese Dynamiken. Skulpturen aus diesem Gebiet zeigen oft eine starke Anhängigkeit an schrein-spezifische formale Logiken, während gleichzeitig subtile Verschiebungen in Proportion, Oberflächenbehandlung und Materialwahl sichtbar werden, die historische Einflüsse von Handelsrouten und kolonialer Verwaltungsinfrastruktur widerspiegeln könnten. Doch selbst in diesen Fällen bleibt die primäre Ontologie des Objekts in relationaler Wirksamkeit verankert statt in ästhetischer Autonomie. Die Figur ist nicht eine Repräsentation im modernen westlichen Sinn, sondern ein Knotenpunkt in einer fortdauernden Verhandlung zwischen sichtbaren und unsichtbaren Akteuren.

Daher muss, wenn man die Lobi-Skulptur-Oeuvre aus Kampti betrachtet, die Frage der „Kappe“ von der Ikonografie in Richtung materialer Temporität neu gefasst werden. Was wie ein Kopfbedeckungsstück erscheint, ist in Wahrheit die Spur ritualer Zeit, ein Hinweis auf wiederholte Invocation und Ernährung der Figur. Die Tendenz des kolonialen Archivs, diese dynamischen Oberflächen in statische Typologien zu stabilisieren, hat diese Dimension lange Zeit verdeckt, doch gegenwärtige kunsthistorische und anthropologische Ansätze betonen zunehmend die prozessuale, akkumulative und performative Natur dieser Werke.

Referenzliste

Bognolo, Daniela. Lobi: Arts et religions d’Afrique de l’Ouest. Paris: Éditions Sépia.
Brett-Smith, Sarah C. The Making of Sculpture in Lobi Country. Washington, DC: Smithsonian Institution Press.
LaGamma, Alisa (hg.). Art and Oracle: African Art and Ritual in the Metropolitan Museum of Art. New York: The Metropolitan Museum of Art.
Roy, Christopher D. Art of the Upper Volta Rivers. Iowa City: University of Iowa Museum of Art.
Skinner, Elliott P. The Mossi and Lobi Peoples of Burkina Faso. (Ethnographic studies and colonial-era analyses).

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Eine Lobi-Skulptur aus der Kampti-Region gehört zu einem breiteren Korpus westafrikanischer figuraler Produktion, der eng mit Schreinspraxis, Schutz und divinatorischer Wirksamkeit verbunden ist, statt mit autonomer ästhetischer Darstellung. Im Kontext der südwestlichen Grenzregionen Burkinas Faso ist die mit den Lobi assoziierte skulpturale Tradition am besten als eingebettet in eine aktive rituelle Ökologie zu verstehen, in der Figuren als Vermittler zwischen menschlichen Gemeinschaften, Stammesvorfahren und einem verstreuten Feld spiritueller Kräfte fungieren, das lokal durch Schreinszusammenstellungen und relationale rituelle Interaktionen bekannt ist. Die Kampti-Region, im Lobi-Kulturkreis nahe der Grenze zu Côte d’Ivoire gelegen, ist besonders bedeutsam für das Verständnis stilistischer Variationen und das Fortbestehen lokalisierter skulpturaler Grammatiken, die selbst unter Bedingungen von Mobilität, Handel und äußerer Beobachtung einer Homogenisierung widerstehen.

Das skulpturale Oeuvre, das in ethnografischer Literatur gemeinhin als „Lobi-Skulptur“ bezeichnet wird, ist kein einheitlicher Stil im akademischen Sinn, sondern ein Ensemble von Werkstattpraktiken und schreinbasierenden Produktionen. Figuren werden typischerweise in Hartholz geschnitzt und können Vorfahren, Schutzgeister (thila) oder schützende Wesen darstellen, die in privaten oder stammesbezogenen Schreinen installiert sind. Ihre formale Sprache ist durch kompakte Volumen, abgeschwächte Gliedmaßen und eine verstärkte Betonung des Kopfes als Ort der Handlungsfähigkeit und Wahrnehmung gekennzeichnet. In vielen Fällen ist der Kopf entweder überproportional betont oder materiell durch Encrustationen, rituelle Rückstände oder angebrachte Materialien verändert, was einen visuellen Effekt erzeugt, der metaphorisch als eine „Kappe“ oder Abdeckung beschrieben werden kann.

Diese sogenannte kappenartige Bedingung ist kein gestalterisches Zierwerk im europäischen Sinne der Verfertigung, sondern vielmehr das sedimentierte Ergebnis ritueller Handlung. Wiederholte Opfergaben von Gerstenbier, Blut, Sheabutter und anderen Substanzen sammeln sich auf der Oberfläche der Figur an und bilden allmählich eine Kruste, die die Kopfhöhe und den Oberkörper umschließen kann. In einigen Fällen werden Eiseninsertions, Lederteile oder kleine organische Bindemittel hinzugefügt, um die Figur innerhalb der Schreind praxis zu stabilisieren oder zu aktivieren. Diese Ansammlungen können in kolonialer und früh museumsgeschichtlicher Dokumentation missverstanden werden als dekoratives Kopfbedeckungsstück oder skulpturale Absicht, obwohl sie tatsächlich Dauer, Wirksamkeit und rituelle Intensität indexieren. Die „Kappe“ ist daher besser als Prozesshaut zu verstehen, eine materielle Aufzeichnung fortlaufender Auseinandersetzung zwischen menschlichen Akteuren und spirituellen Entitäten als eine feste ikonografische Eigenschaft.

Im kolonialen Begegnungskontext wurde die Interpretation und Verbreitung von Lobi-Figuren grundlegend neu gestaltet. Die französische Kolonialverwaltung in Upper Volta (heute Burkina Faso) und angrenzendem Côte d’Ivoire sowie Missionstätigkeit und ethnographische Sammlungen reframten Schreinsobjekte als Kunstgegenstände oder ethnographische Exemplare. Diese Verschiebung ging mit einer bedeutenden erkenntnistheoretischen Transformation einher: Figuren, die zuvor in eingeschränkten rituellen Kontexten aktiviert waren, wurden losgelöst, klassifiziert und in europäischen Museums-Systemen ausgestellt. Die Herausnahme von Objekten aus ihren rituellen Umgebungen führte oft zu einem Missverständnis ihrer „unfertigen“ Oberflächen – die verkrusteten Köpfe und die aufgelaufenen „Kappen“ wurden häufig gereinigt, stabilisiert oder ästhetisiert, wodurch ihre funktionale Biografie verschleiert wurde. In diesem Sinn breiteten koloniale Regime nicht nur Lobi-Skulptur aus; sie schrieben deren materielle Lesbarkeit neu.

Die Kampti-Region bietet wegen ihrer Lage als Zonen relativer Kontinuität der Schreingebräuche und als Ort grenzüberschreitender Zirkulation einen besonders lehrreichen Blick auf diese Dynamiken. Skulpturen aus diesem Gebiet zeigen oft eine starke Anhängigkeit an schrein-spezifische formale Logiken, während gleichzeitig subtile Verschiebungen in Proportion, Oberflächenbehandlung und Materialwahl sichtbar werden, die historische Einflüsse von Handelsrouten und kolonialer Verwaltungsinfrastruktur widerspiegeln könnten. Doch selbst in diesen Fällen bleibt die primäre Ontologie des Objekts in relationaler Wirksamkeit verankert statt in ästhetischer Autonomie. Die Figur ist nicht eine Repräsentation im modernen westlichen Sinn, sondern ein Knotenpunkt in einer fortdauernden Verhandlung zwischen sichtbaren und unsichtbaren Akteuren.

Daher muss, wenn man die Lobi-Skulptur-Oeuvre aus Kampti betrachtet, die Frage der „Kappe“ von der Ikonografie in Richtung materialer Temporität neu gefasst werden. Was wie ein Kopfbedeckungsstück erscheint, ist in Wahrheit die Spur ritualer Zeit, ein Hinweis auf wiederholte Invocation und Ernährung der Figur. Die Tendenz des kolonialen Archivs, diese dynamischen Oberflächen in statische Typologien zu stabilisieren, hat diese Dimension lange Zeit verdeckt, doch gegenwärtige kunsthistorische und anthropologische Ansätze betonen zunehmend die prozessuale, akkumulative und performative Natur dieser Werke.

Referenzliste

Bognolo, Daniela. Lobi: Arts et religions d’Afrique de l’Ouest. Paris: Éditions Sépia.
Brett-Smith, Sarah C. The Making of Sculpture in Lobi Country. Washington, DC: Smithsonian Institution Press.
LaGamma, Alisa (hg.). Art and Oracle: African Art and Ritual in the Metropolitan Museum of Art. New York: The Metropolitan Museum of Art.
Roy, Christopher D. Art of the Upper Volta Rivers. Iowa City: University of Iowa Museum of Art.
Skinner, Elliott P. The Mossi and Lobi Peoples of Burkina Faso. (Ethnographic studies and colonial-era analyses).

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Details

Ethnie/ Kultur
Lobi
Herkunftsland
Burkina Faso
Material
Holz
Sold with stand
Nein
Zustand
Angemessener Zustand
Titel des Kunstwerks
A wooden sculpture
Höhe
20 cm
Gewicht
84 g
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Verkaufte Objekte
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