Van den Elsken - Versamelinge van Verscheyde - 1790





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Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung
OSCENITÄT UND PROPAGANDA: WANN SATIRE DIE MACHT IN KARIKATUR VERWANDELT
Illustration scatologica, die eine groteske Figur in einer unanständigen Pose auf einem bezogenen Bett zeigt, während sie eine ausdrücklich sichtbare physiologische Geste vollzieht.
Die Satire führt den Leser in ein gewalttätiges und destabilisierendes Universum: Hier ist die Macht nicht mehr feierlich, sondern entlarvt, degradiert und zu einem lächerlichen Körper reduziert. Die Gravur – in einem sorgfältig beschriebenen häuslichen Innenraum milieu, mit Möbeln, Vorhängen und alltäglichen Gegenständen – nutzt den Kontrast zwischen bürgerlicher Dekorität und der obszönen Geste, um eine stark symbolische Bruchwirkung zu erzielen. Der Körper des Protagonisten, vermutlich auf eine Autoritätsfigur aus Kirche oder Politik anspielend, wird zum Ziel einer Satire, die keine Angst vor einem scatologischen Register hat, um die Aura der Macht zu demontieren.
In diesem Kontext setzt sich die Versamelinge van verscheyde Stücke als eine der radikalsten Ausdrucksformen der anti-josephinischen Propaganda in den österreichischen Niederlanden durch. Das Werk beschränkt sich nicht darauf zu kritisieren: Es greift an, lächerlich macht und derontiert visuell die imperialistische Autorität, und verwandelt das Buch in ein total polemisches Instrument, bei dem Text und Bild bei der Konstruktion einer Revoltenimagination zusammenarbeiten. Die hier analysierte Gravur ist emblematisch für diese Strategie: Die Entsakralisierung der Macht erfolgt durch ihre intimste und demütigendste Enthüllung, in einer direkten, unmittelbaren und tief subversiven Sprache.
MARKTWERTE
Vollständige Exemplare mit allen 13 satirischen Tafeln sind gesucht und liegen typischerweise zwischen 600 und 900 Euro; höhere Werte verzeichnen Exemplare in frischem Zustand, gut erhalten und mit zeitgenössischer Bindung.
PHYSISCHE BESCHREIBUNG UND ZUSTAND
Exemplar in Lederimitat der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Pergamentdeckeln aus marmoriertem Papier; Rücken mit Goldtitel und - Ornamenten, Abnutzungserscheinungen. Vorhandensein von 13 satirischen, außerhalb des Textes befindlichen Tafeln, vollständig. Papier mit physiologischen Faltungen und einigen Flecken. Bei alten Büchern mit jahrhundertelanger Geschichte können einige Unregelmäßigkeiten vorhanden sein, die in der Beschreibung nicht immer erfasst werden. Seitenanzahl: Pp. (2); 2 nn.; 148; 40; 40; 2 nn.; 46; 2 nn.; 4; (2).
VOLLSTÄNDERIGERTITEL UND AUTOR
Versamelinge van verscheyde.
Brüssel, 1790.
Johannes Josephus Van den Elsken.
KONTEXT UND BEDEUTUNG
Diese Sammlung steht im Zentrum der politischen Krise der österreichischen Niederlande, als die zentralisierenden und juristischen Reformen Josephs II. eine gewaltsame Gegenreaktion der lokalen Eliten, des Klerus und der Universitäten auslösten. Van den Elsken, Professor in Leuven, nutzt das Pamphlet als ideologische Waffe, indem er die in den Kirchen eingeführte „Gottlosigkeit“ anprangert und die Gegner durch eine schonungslose Satire lächerlich macht.
Die Gravuren stellen eines der innovativsten und aggressivsten Elemente des Werks dar: Keine einfachen Illustrationen, sondern wahre visuelle Akte des Vorwurfs. Durch groteske Verformungen, körperliche Anspielungen und absichtlich skandalöse Situationen übersetzen sie den politischen Konflikt in unmittelbare und denkwürdige Bilder. Der Einsatz des obszönen Registers ist kein Zufall: Er dient dazu, die symbolische Distanz der Macht zu zerstören, sie auf eine menschliche, verletzliche und lächerliche Dimension zurückzuholen. Das Publikum, auch weniger Gebildete, wird emotional mitgenommen und zum Mitmachen bei einer Form kollektiven Dissens aufgefordert.
Das Werk wird zu einem total politischen Objekt: ein militants Pamphlet, ein Propagandamittel und ein ikonografisches Repertoire des Aufstands. In der Granne kristallisiert sich ein echter kultureller Krieg zwischen dem Staatsaufklärungsauftrag und der lokalen katholischen Tradition heraus, der sowohl mit Worten als auch mit Bildern geführt wird.
BIOGRAPHIE DES AUTORS
Johannes Josephus Van den Elsken war Professor an der Universität Leuven und eine aktive Figur im politisch-religiösen Diskurs der Jahre unmittelbar vor der Brabant-Revolution. Unter Pseudonym schrieb er, um Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden, und zeichnete sich durch den aggressiven und polemischen Ton seiner Werke gegen die josephinische Politik aus.
DRUCKGESCHICHTE UND VERBREITUNG
Anonym in Brüssel im Jahr 1790 gedruckt, gehört das Werk zu der clandestinen oder halb-clandestinen Propaganda gegen die österreichische Herrschaft. Die Verbreitung war vermutlich begrenzt, aber intensiv, mit Exemplaren, die von Lesern im politischen Diskurs genutzt wurden. Das Vorhandensein zahlreicher gravierter Tafeln macht die Produktion teuer, jedoch in der Kommunikation außerordentlich wirksam. Vollständige Kopien sind heute relativ selten, insbesondere mit allen Tafeln erhalten.
BIBLIOGRAPHY UND VERWEISE
STCV (Short Title Catalogue Vlaanderen): registrierte Ausgabe (Nummer zu verifizieren)
De Kempenaer, De Brabantsche Omwenteling 1789-1790, Nr. 40
Brabant in Revolutie, Nr. 79-80
ICCU/OPAC SBN: keine sichere Erscheinung (zu verifizieren)
WorldCat: Kopien in belgischen und niederländischen Bibliotheken (Ausgabe 1790)
Roegiers, J., The Austrian Netherlands and the Brabant Revolution, Studien zur anti-josephinischen Propaganda
Der Verkäufer stellt sich vor
OSCENITÄT UND PROPAGANDA: WANN SATIRE DIE MACHT IN KARIKATUR VERWANDELT
Illustration scatologica, die eine groteske Figur in einer unanständigen Pose auf einem bezogenen Bett zeigt, während sie eine ausdrücklich sichtbare physiologische Geste vollzieht.
Die Satire führt den Leser in ein gewalttätiges und destabilisierendes Universum: Hier ist die Macht nicht mehr feierlich, sondern entlarvt, degradiert und zu einem lächerlichen Körper reduziert. Die Gravur – in einem sorgfältig beschriebenen häuslichen Innenraum milieu, mit Möbeln, Vorhängen und alltäglichen Gegenständen – nutzt den Kontrast zwischen bürgerlicher Dekorität und der obszönen Geste, um eine stark symbolische Bruchwirkung zu erzielen. Der Körper des Protagonisten, vermutlich auf eine Autoritätsfigur aus Kirche oder Politik anspielend, wird zum Ziel einer Satire, die keine Angst vor einem scatologischen Register hat, um die Aura der Macht zu demontieren.
In diesem Kontext setzt sich die Versamelinge van verscheyde Stücke als eine der radikalsten Ausdrucksformen der anti-josephinischen Propaganda in den österreichischen Niederlanden durch. Das Werk beschränkt sich nicht darauf zu kritisieren: Es greift an, lächerlich macht und derontiert visuell die imperialistische Autorität, und verwandelt das Buch in ein total polemisches Instrument, bei dem Text und Bild bei der Konstruktion einer Revoltenimagination zusammenarbeiten. Die hier analysierte Gravur ist emblematisch für diese Strategie: Die Entsakralisierung der Macht erfolgt durch ihre intimste und demütigendste Enthüllung, in einer direkten, unmittelbaren und tief subversiven Sprache.
MARKTWERTE
Vollständige Exemplare mit allen 13 satirischen Tafeln sind gesucht und liegen typischerweise zwischen 600 und 900 Euro; höhere Werte verzeichnen Exemplare in frischem Zustand, gut erhalten und mit zeitgenössischer Bindung.
PHYSISCHE BESCHREIBUNG UND ZUSTAND
Exemplar in Lederimitat der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Pergamentdeckeln aus marmoriertem Papier; Rücken mit Goldtitel und - Ornamenten, Abnutzungserscheinungen. Vorhandensein von 13 satirischen, außerhalb des Textes befindlichen Tafeln, vollständig. Papier mit physiologischen Faltungen und einigen Flecken. Bei alten Büchern mit jahrhundertelanger Geschichte können einige Unregelmäßigkeiten vorhanden sein, die in der Beschreibung nicht immer erfasst werden. Seitenanzahl: Pp. (2); 2 nn.; 148; 40; 40; 2 nn.; 46; 2 nn.; 4; (2).
VOLLSTÄNDERIGERTITEL UND AUTOR
Versamelinge van verscheyde.
Brüssel, 1790.
Johannes Josephus Van den Elsken.
KONTEXT UND BEDEUTUNG
Diese Sammlung steht im Zentrum der politischen Krise der österreichischen Niederlande, als die zentralisierenden und juristischen Reformen Josephs II. eine gewaltsame Gegenreaktion der lokalen Eliten, des Klerus und der Universitäten auslösten. Van den Elsken, Professor in Leuven, nutzt das Pamphlet als ideologische Waffe, indem er die in den Kirchen eingeführte „Gottlosigkeit“ anprangert und die Gegner durch eine schonungslose Satire lächerlich macht.
Die Gravuren stellen eines der innovativsten und aggressivsten Elemente des Werks dar: Keine einfachen Illustrationen, sondern wahre visuelle Akte des Vorwurfs. Durch groteske Verformungen, körperliche Anspielungen und absichtlich skandalöse Situationen übersetzen sie den politischen Konflikt in unmittelbare und denkwürdige Bilder. Der Einsatz des obszönen Registers ist kein Zufall: Er dient dazu, die symbolische Distanz der Macht zu zerstören, sie auf eine menschliche, verletzliche und lächerliche Dimension zurückzuholen. Das Publikum, auch weniger Gebildete, wird emotional mitgenommen und zum Mitmachen bei einer Form kollektiven Dissens aufgefordert.
Das Werk wird zu einem total politischen Objekt: ein militants Pamphlet, ein Propagandamittel und ein ikonografisches Repertoire des Aufstands. In der Granne kristallisiert sich ein echter kultureller Krieg zwischen dem Staatsaufklärungsauftrag und der lokalen katholischen Tradition heraus, der sowohl mit Worten als auch mit Bildern geführt wird.
BIOGRAPHIE DES AUTORS
Johannes Josephus Van den Elsken war Professor an der Universität Leuven und eine aktive Figur im politisch-religiösen Diskurs der Jahre unmittelbar vor der Brabant-Revolution. Unter Pseudonym schrieb er, um Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden, und zeichnete sich durch den aggressiven und polemischen Ton seiner Werke gegen die josephinische Politik aus.
DRUCKGESCHICHTE UND VERBREITUNG
Anonym in Brüssel im Jahr 1790 gedruckt, gehört das Werk zu der clandestinen oder halb-clandestinen Propaganda gegen die österreichische Herrschaft. Die Verbreitung war vermutlich begrenzt, aber intensiv, mit Exemplaren, die von Lesern im politischen Diskurs genutzt wurden. Das Vorhandensein zahlreicher gravierter Tafeln macht die Produktion teuer, jedoch in der Kommunikation außerordentlich wirksam. Vollständige Kopien sind heute relativ selten, insbesondere mit allen Tafeln erhalten.
BIBLIOGRAPHY UND VERWEISE
STCV (Short Title Catalogue Vlaanderen): registrierte Ausgabe (Nummer zu verifizieren)
De Kempenaer, De Brabantsche Omwenteling 1789-1790, Nr. 40
Brabant in Revolutie, Nr. 79-80
ICCU/OPAC SBN: keine sichere Erscheinung (zu verifizieren)
WorldCat: Kopien in belgischen und niederländischen Bibliotheken (Ausgabe 1790)
Roegiers, J., The Austrian Netherlands and the Brabant Revolution, Studien zur anti-josephinischen Propaganda
