Alberto Magno - [Post Incunable] Mariale - 1507
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Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung
DIE MINIATUR, DIE DIE DRUCKKUNST HERAUSFORDERT: EIN MARIALE VON LYON IM SPIEGEL DER TRADITION UND DER ENTSTEHUNG DES MODERNEN BUCHES
Diese seltene Lyoner Ausgabe von 1507 des Mariale, dem Albertus Magnus attribuiert wird, erhebt sich nicht nur als Zeugnis der Beständigkeit der handschriftlichen Kultur, sondern auch als visuelles Objekt von außerordentlicher Raffinesse. Zur typografischen Struktur addiert sich tatsächlich ein dekoratives System von hoher Qualität: rubricierte Initialen, eine bedeutende farbig miniierte Initiale mit eleganten floralen Motiven und ein Holzschnitt-Emblem, das die Identität der Werkstatt kennzeichnet. In diesem Exemplar verflechten sich der textuelle und der bildliche Teil tief miteinander, wodurch das Buch zu einem Medium visueller Meditation und zugleich theologischer Reflexion wird. Die umfangreichen handschriftlichen Anmerkungen, zusammen mit den dekorativen Eingriffen, schaffen ein Unikum, in dem Wort und Bild an der Sinnbildung teilnehmen und eine lebendige Kontinuität zwischen mittelalterlicher Miniaturtradition und der renaissancezeitlichen Typografie-Kultur offenbart wird.
MARKTVALUE
Die lyonnesischen post-inkunabeln Ausgaben religiöser Texte, die Albertus Magnus zugeschrieben werden, sind auf dem Markt relativ selten. Standards Exemplare liegen in der Regel zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Allerdings können Kopien, die eine hochwertige dekorative Ausstattung – rubrizierte Initialen, zeitgenössische miniierte Eingriffe und gut gedruckte Typografien – sowie eine reiche handschriftliche Ausstattung besitzen, eine Preisspanne zwischen 5.000 und 9.000 Euro erreichen, mit weiteren Steigerungen bei besonders sorgfältig ausgeführten oder ästhetisch eindrucksvollen Miniaturen, Elementen, die im Antiquarischen Sammlerkreis von Büchern geschätzt werden.
PHYSICAL DESCRIPTION AND CONDITION
Nachgebundene Pergamentbindung, hergestellt aus einem Blatt eines alten Antiphonariums, miniaturisiert und rubriziert. Text in gotischer Schrift auf zwei Spalten. Reicher dekorativer Apparat: rubrizierte Initialen in Rot mit Lesezeichen und eine große, farbig miniierte Initiale mit raffinierter marginaler Blumenverzierung. Vorhandensein einer holzschnittartigen typografischen Marke mit den Initialen „IC“, von bemerkenswerter Gravurqualität. Das Gesamtsystem der dekorativen Komponenten trägt zu einer starken visuellen Aufwertung des Bandes bei, das sich als Buch präsentiert, das man nicht nur lesen, sondern auch betrachten soll. Bedeutendes handschriftliches Apparat: lateinische Anmerkungen über den Text verbreitet und ca. 10 vollständig handschriftlich ergänzte Seiten, darunter ein finales „Finis Marialis Alberti“. Einige Braunfärbungen und Abnutzungen. Bei alten Büchern, mit einer jahrhundertelangen Geschichte, können einige Unvollkommenheiten vorhanden sein, die in der Beschreibung nicht immer ersichtlich sind. P.p.: (2); 12 nn.; 156; (2).
VOLLSTÄNDIGER TITEL UND AUTOR
Mariale Alberti Magni in evangelium super Missus est Gabriel angelus. Lugduni, Johannes Clein, 1507. Albertus Magnus (attribuiert).
KONTEXT UND BEDEUTUNG
Das Mariale, das Sankt Albertus Magnus zugeschrieben wird, gehört zur großen Tradition der marianischen Mystik des Mittelalters, aufgebaut um die Exegese des evangelischen Passus der Verkündigung. In dieser lyonnesischen Ausgabe liegt der Wert der Arbeit jedoch nicht nur im theologischen Inhalt, sondern auch in ihrer visuellen Dimension: Die rubrizierten Initialen und die florale Miniatur sind keine bloßen Ornamente, sondern Orientierungsmittel und Meditationswerkzeuge, die den Text gliedern und das Auge und den Geist des Lesers lenken können. Die miniierte Dekoration, noch eng verbunden mit den Manuskriptmodellen, bezeugt, wie in den ersten Jahrzehnten des XVI. Jahrhunderts das Buchdruckwerk weiter das Bildsprach der mittelalterlichen Welt aufnimmt und neu interpretiert. Hinzu kommt der imposante handschriftliche Apparat, der einen fortlaufenden Dialog mit dem Text und seinen visuellen Komponenten herstellt und das Buch zu einem interaktiven Raum zwischen Wort, Bild und Interpretation macht. Das Ergebnis ist ein komplexes Objekt, in dem die Theologie sowohl durch die Rede als auch durch die visuelle Form zum Ausdruck kommt.
BIOGRAPHIE DES AUTORS
S. Albertus Magnus (ca. 1200–1280), Dominikaner, war einer der größten Denker des Mittelalters. Lehrer von Thomas von Aquin, trug maßgeblich zur Verbreitung aristotelischen Denkens im Westen bei. Sein encyclopädisches Werk umfasst Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften. Die ihm zugeschriebenen Texte, wie das Mariale, hatten in den folgenden Jahrhunderten großen Erfolg und wurden zu grundlegenden Werkzeugen für theologische Ausbildung und Andacht, auch wenn die Zuschreibung unsicher blieb.
PRINTING HISTORY AND CIRCULATION
In Lyon im Jahr 1507 von Johannes Clein gedruckt, befindet sich diese Ausgabe in einer Phase des vollständigen Übergangs vom handgeschriebenen Buch zum modernen Buch. Lyon, ein typografisch bedeutendes Zentrum, war besonders aktiv in der Produktion religiöser Texte für ein gebildetes Publikum. Die Ausgaben des Mariale waren bereits in handschriftlicher Form und als Inkunabeln weit verbreitet, doch gerade in diesen Drucken der frühen fünfzehnten Jahrhunderts lässt sich eine signifikante Integration zwischen typografischen und dekorativen Elementen beobachten. Das Vorhandensein von Miniaturen und handschriftlichen Rubriken demonstriert, wie das gedruckte Buch weiter als Objekt wahrgenommen wurde, das visuell ergänzt und aufgewertet werden wollte. Der Exemplar mit seinem dekorativen und handschriftlichen Apparat deutet auf eine Zirkulation in Umgebungen hin, in denen das Buch nicht nur gelesen, sondern auch bereichert und personalisiert wurde.
BIBLIOGRAPHY AND REFERENCES
GW (Gesamtkatalog der Wiegendrucke), Einträge zu Albertus Magnus, Mariale, für die incunabula-Tradition (vgl. GW 1541–1548, verwandte Textgruppen).
Hain-Copinger, Repertorium bibliographicum, II, S. 11–15 (Albertus Magnus, Mariale und verwandte Werke).
USTC (Universal Short Title Catalogue), lyonnesische Ausgaben 1500–1520 unter Albertus Magnus, Mariale.
ICCU / OPAC SBN, Verzeichnisse lyonnesischer Ausgaben marianischer Texte, Albertus Magnus zugeschrieben.
Baudrier, Henri, Bibliographie lyonnaise, Lyon, 1895–1921, Bd. IX–X (kleinere lyonische Typografen, Johannes Clein).
Gültlingen, Sybille von, Bibliographie des livres imprimés à Lyon au seizième siècle, Baden-Baden, Bände zum frühen 16. Jahrhundert.
Alexander, J.J.G., Medieval Illuminators and Their Methods of Work, New Haven, 1992 (zum Kontext der spätmittelalterlichen Miniaturpraxis).
Wieck, Roger S., Painted Prayers: The Book of Hours in Medieval and Renaissance Art, New York, 1997 (zur Rolle der miniierten Decoration in der Verehrung).
De Hamel, Christopher, A History of Illuminated Manuscripts, London, 1994 (Kontinuität zwischen Manuskript und illustriertem Druck).
Auction Catalogues Christie’s, Sotheby’s, Librairie Sourget, zu vergleichbaren Exemplaren mit zeitgenössischer miniierter Verzierung und Rubrizierung.
Der Verkäufer stellt sich vor
DIE MINIATUR, DIE DIE DRUCKKUNST HERAUSFORDERT: EIN MARIALE VON LYON IM SPIEGEL DER TRADITION UND DER ENTSTEHUNG DES MODERNEN BUCHES
Diese seltene Lyoner Ausgabe von 1507 des Mariale, dem Albertus Magnus attribuiert wird, erhebt sich nicht nur als Zeugnis der Beständigkeit der handschriftlichen Kultur, sondern auch als visuelles Objekt von außerordentlicher Raffinesse. Zur typografischen Struktur addiert sich tatsächlich ein dekoratives System von hoher Qualität: rubricierte Initialen, eine bedeutende farbig miniierte Initiale mit eleganten floralen Motiven und ein Holzschnitt-Emblem, das die Identität der Werkstatt kennzeichnet. In diesem Exemplar verflechten sich der textuelle und der bildliche Teil tief miteinander, wodurch das Buch zu einem Medium visueller Meditation und zugleich theologischer Reflexion wird. Die umfangreichen handschriftlichen Anmerkungen, zusammen mit den dekorativen Eingriffen, schaffen ein Unikum, in dem Wort und Bild an der Sinnbildung teilnehmen und eine lebendige Kontinuität zwischen mittelalterlicher Miniaturtradition und der renaissancezeitlichen Typografie-Kultur offenbart wird.
MARKTVALUE
Die lyonnesischen post-inkunabeln Ausgaben religiöser Texte, die Albertus Magnus zugeschrieben werden, sind auf dem Markt relativ selten. Standards Exemplare liegen in der Regel zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Allerdings können Kopien, die eine hochwertige dekorative Ausstattung – rubrizierte Initialen, zeitgenössische miniierte Eingriffe und gut gedruckte Typografien – sowie eine reiche handschriftliche Ausstattung besitzen, eine Preisspanne zwischen 5.000 und 9.000 Euro erreichen, mit weiteren Steigerungen bei besonders sorgfältig ausgeführten oder ästhetisch eindrucksvollen Miniaturen, Elementen, die im Antiquarischen Sammlerkreis von Büchern geschätzt werden.
PHYSICAL DESCRIPTION AND CONDITION
Nachgebundene Pergamentbindung, hergestellt aus einem Blatt eines alten Antiphonariums, miniaturisiert und rubriziert. Text in gotischer Schrift auf zwei Spalten. Reicher dekorativer Apparat: rubrizierte Initialen in Rot mit Lesezeichen und eine große, farbig miniierte Initiale mit raffinierter marginaler Blumenverzierung. Vorhandensein einer holzschnittartigen typografischen Marke mit den Initialen „IC“, von bemerkenswerter Gravurqualität. Das Gesamtsystem der dekorativen Komponenten trägt zu einer starken visuellen Aufwertung des Bandes bei, das sich als Buch präsentiert, das man nicht nur lesen, sondern auch betrachten soll. Bedeutendes handschriftliches Apparat: lateinische Anmerkungen über den Text verbreitet und ca. 10 vollständig handschriftlich ergänzte Seiten, darunter ein finales „Finis Marialis Alberti“. Einige Braunfärbungen und Abnutzungen. Bei alten Büchern, mit einer jahrhundertelangen Geschichte, können einige Unvollkommenheiten vorhanden sein, die in der Beschreibung nicht immer ersichtlich sind. P.p.: (2); 12 nn.; 156; (2).
VOLLSTÄNDIGER TITEL UND AUTOR
Mariale Alberti Magni in evangelium super Missus est Gabriel angelus. Lugduni, Johannes Clein, 1507. Albertus Magnus (attribuiert).
KONTEXT UND BEDEUTUNG
Das Mariale, das Sankt Albertus Magnus zugeschrieben wird, gehört zur großen Tradition der marianischen Mystik des Mittelalters, aufgebaut um die Exegese des evangelischen Passus der Verkündigung. In dieser lyonnesischen Ausgabe liegt der Wert der Arbeit jedoch nicht nur im theologischen Inhalt, sondern auch in ihrer visuellen Dimension: Die rubrizierten Initialen und die florale Miniatur sind keine bloßen Ornamente, sondern Orientierungsmittel und Meditationswerkzeuge, die den Text gliedern und das Auge und den Geist des Lesers lenken können. Die miniierte Dekoration, noch eng verbunden mit den Manuskriptmodellen, bezeugt, wie in den ersten Jahrzehnten des XVI. Jahrhunderts das Buchdruckwerk weiter das Bildsprach der mittelalterlichen Welt aufnimmt und neu interpretiert. Hinzu kommt der imposante handschriftliche Apparat, der einen fortlaufenden Dialog mit dem Text und seinen visuellen Komponenten herstellt und das Buch zu einem interaktiven Raum zwischen Wort, Bild und Interpretation macht. Das Ergebnis ist ein komplexes Objekt, in dem die Theologie sowohl durch die Rede als auch durch die visuelle Form zum Ausdruck kommt.
BIOGRAPHIE DES AUTORS
S. Albertus Magnus (ca. 1200–1280), Dominikaner, war einer der größten Denker des Mittelalters. Lehrer von Thomas von Aquin, trug maßgeblich zur Verbreitung aristotelischen Denkens im Westen bei. Sein encyclopädisches Werk umfasst Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften. Die ihm zugeschriebenen Texte, wie das Mariale, hatten in den folgenden Jahrhunderten großen Erfolg und wurden zu grundlegenden Werkzeugen für theologische Ausbildung und Andacht, auch wenn die Zuschreibung unsicher blieb.
PRINTING HISTORY AND CIRCULATION
In Lyon im Jahr 1507 von Johannes Clein gedruckt, befindet sich diese Ausgabe in einer Phase des vollständigen Übergangs vom handgeschriebenen Buch zum modernen Buch. Lyon, ein typografisch bedeutendes Zentrum, war besonders aktiv in der Produktion religiöser Texte für ein gebildetes Publikum. Die Ausgaben des Mariale waren bereits in handschriftlicher Form und als Inkunabeln weit verbreitet, doch gerade in diesen Drucken der frühen fünfzehnten Jahrhunderts lässt sich eine signifikante Integration zwischen typografischen und dekorativen Elementen beobachten. Das Vorhandensein von Miniaturen und handschriftlichen Rubriken demonstriert, wie das gedruckte Buch weiter als Objekt wahrgenommen wurde, das visuell ergänzt und aufgewertet werden wollte. Der Exemplar mit seinem dekorativen und handschriftlichen Apparat deutet auf eine Zirkulation in Umgebungen hin, in denen das Buch nicht nur gelesen, sondern auch bereichert und personalisiert wurde.
BIBLIOGRAPHY AND REFERENCES
GW (Gesamtkatalog der Wiegendrucke), Einträge zu Albertus Magnus, Mariale, für die incunabula-Tradition (vgl. GW 1541–1548, verwandte Textgruppen).
Hain-Copinger, Repertorium bibliographicum, II, S. 11–15 (Albertus Magnus, Mariale und verwandte Werke).
USTC (Universal Short Title Catalogue), lyonnesische Ausgaben 1500–1520 unter Albertus Magnus, Mariale.
ICCU / OPAC SBN, Verzeichnisse lyonnesischer Ausgaben marianischer Texte, Albertus Magnus zugeschrieben.
Baudrier, Henri, Bibliographie lyonnaise, Lyon, 1895–1921, Bd. IX–X (kleinere lyonische Typografen, Johannes Clein).
Gültlingen, Sybille von, Bibliographie des livres imprimés à Lyon au seizième siècle, Baden-Baden, Bände zum frühen 16. Jahrhundert.
Alexander, J.J.G., Medieval Illuminators and Their Methods of Work, New Haven, 1992 (zum Kontext der spätmittelalterlichen Miniaturpraxis).
Wieck, Roger S., Painted Prayers: The Book of Hours in Medieval and Renaissance Art, New York, 1997 (zur Rolle der miniierten Decoration in der Verehrung).
De Hamel, Christopher, A History of Illuminated Manuscripts, London, 1994 (Kontinuität zwischen Manuskript und illustriertem Druck).
Auction Catalogues Christie’s, Sotheby’s, Librairie Sourget, zu vergleichbaren Exemplaren mit zeitgenössischer miniierter Verzierung und Rubrizierung.
