Ein Kopf aus Bronze. - Leopard - Benin - Nigeria (Ohne mindestpreis)






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Eine Bronzekopf aus Nigeria in der Benin-Tradition, mit dem Titel A bronze head, original/official, Gewicht 3 kg, Höhe 23 cm, Zustand fair, ohne Stand verkauft.
Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung
Der gegenständliche Bronzenkörper stellt den hoch stilisierten Kopf eines Leoparden dar und steht in seiner formalen Sprache und Symbolik eng im Verhältnis zur höfischen Kunst des Königreichs Benin. Die kompakte, fast geschlossene Form des Kopfes ist mit regelmäßig verteilten aufgerichteten Erhebungen bedeckt, die das gefleckte Fell des Tieres repräsentieren. Zwischen diesen Erhebungen ist die Oberfläche dicht mit einem feinen körnigen Muster texturiert, wodurch die Skulptur eine besonders haptische und skulpturale Qualität erhält.
Die Physiognomie ist auf eine geringe Anzahl kraftvoller Formen reduziert. Die mandelförmigen Augen werden von stark modellierten Konturen umgeben. Die hervorstehenden, blattförmigen Ohren sind mit eingeritzten Innenlinien verziert. Besonders auffällig ist das Maul, dessen mehrere parallele erhobene Bänder als stilisierte Schnurrhaare verstanden werden können. Der offene Mund mit den deutlich artikulierten Zähnen betont weiter den gefährlichen und beherrschenden Charakter des Tieres.
Der Leopard war eines der wichtigsten Embleme königlicher Autorität im Königreich Benin. Als eines der mächtigsten Tiere des Waldes verkörperte er Stärke, Schnelligkeit, Gefahr und souveräne Macht. Innerhalb der höfischen Symbolik Benins bestand eine enge Beziehung zwischen Leopard und dem Oba. Während der Leopard als Herrscher der Wildnis verstanden werden konnte, regierte der Oba die geordnete menschliche und politische Welt. Die Fähigkeit des Königs, Leoparden besitzen und kontrollieren zu können, wurde somit zum Ausdruck seiner Autorität über Kräfte außerhalb der Kontrolle gewöhnlicher Menschen.
Besonders herausragend an der vorliegenden Skulptur ist die große Öffnung am oberen Kopfende. Die verschiedenen fotografischen Ansichten belegen deutlich, dass diese Öffnung in eine tiefe, absichtlich geformte innere Kammer führt. Sie scheint nicht lediglich eine technische Öffnung im Zusammenhang mit dem Gussprozess zu sein. Vielmehr scheint der Kopf selbst zugleich als Gefäß konzipiert worden zu sein.
Diese Konstruktion eröffnet die Möglichkeit, dass das Objekt einst eine rituelle Funktion hatte. Es könnte als Behälter für Opfern oder für Substanzen gedient haben, die während höfischer Zeremonien verwendet wurden. Sein ursprünglicher Verwendungszweck lässt sich auf Grundlage von Fotografien allein nicht eindeutig feststellen. Nichtsdestotrotz ist die Verbindung von Leopard als Emblem königlicher Macht mit einem im Tierkopf integrierten stattlichen Gefäß bemerkenswert.
Interessante Parallelen lassen sich in diesem Zusammenhang zum Ikeogbo ziehen, den sogenannten Altaren der Hand, des Königreichs Benin, deren Beispiele wir in der Vergangenheit mehrmals sammeln konnten. Die Ikeogbo waren mit der Feier und rituellen Verstärkung individueller Leistung, Autorität, Status und erfolgreicher Handlung verbunden. Ihre komplexe Ikonografie verknüpft persönliche Macht und Errungenschaften mit sozialem Rang und der Fähigkeit, Autorität auszuüben. Von besonderer Bedeutung für die gegenwärtige Skulptur ist die Weise, wie skulpturale Form, symbolische Bildsprache und rituelle Funktion in einem einzigen Objekt vereint sind.
Die gegenwärtige Leopardenkopfs-Skulptur könnte daher eine Erweiterung des Spektrums ritueller Formen darstellen, die derzeit in Digital Benin dokumentiert sind. Die formalen und möglichen funktionalen Ähnlichkeiten mit Ikeogbo sollten zu diesem Zeitpunkt nicht als Beweis dafür interpretiert werden, dass das Leopardengefäß direkt zu dieser Objektkategorie gehört. Sie liefern jedoch einen wichtigen vergleichenden Rahmen. Die Verbindung einer hoch aufgeladenen symbolischen Form mit einem inneren Raum, der offensichtlich dazu gedacht ist, materielle Substanzen aufzunehmen, könnte auf verwandte Konzepte von Macht, Opfergabe, ritueller Aktivierung und ihrer physischen Manifestation in Bronze hindeuten.
Die symbolische Bedeutung des Kopfes selbst innerhalb des Benin-Gedankens verleiht eine weitere Dimension. Der Kopf war mehr als ein anatomisches Merkmal; er konnte mit persönlicher Bestimmung, Führung, Leistung und spiritueller Wirksamkeit assoziiert werden. In der Person des Oba erhielten diese Konzepte eine ausdrücklich politische und rituelle Dimension, da die persönliche und spirituelle Potenz des Königs eng mit dem Wohlstand und der Ordnung des Königreichs verbunden war.
Vor diesem Hintergrund könnte das innere Gefäß des Leoparden möglicherweise metaphorisch als das „Gehirn“ des Tieres verstanden werden oder als der innerste Sitz seiner Macht. Wurde die Kammer tatsächlich dafür vorgesehen, Opfergaben aufzunehmen, so würden die rituellen Substanzen direkt in den Körper und noch spezifischer in den Kopf des königlichen Tieres gelegt werden. Die durch den Leoparden dargestellte Macht und damit die Macht des Oba wären demnach nicht nur dargestellt, sondern durch Opfergaben rituell angesprochen, aktiviert oder verstärkt worden.
Diese Interpretation muss gegenwärtig eine Hypothese bleiben. Dennoch macht die absichtliche Konstruktion der Kammer, verbunden mit der breiteren rituellen Bedeutung von Gefäßen, Altären und Opfergaben innerhalb der höfischen Kultur Benins, eine solche Lesart zu einer lohnenden Forschungsrichtung. Der Vergleich mit Ikeogbo ist diesbezüglich besonders vielversprechend.
Von zusätzlicher Bedeutung ist das Vorhandensein eines zweiten, offenbar nahezu identischen Leopardenkopfes. Nach den verfügbaren Informationen stammen beide Objekte aus derselben Sammlung, obwohl das zweite Exemplar erst vor wenigen Monaten an einen Sammler im Fernen Osten verkauft wurde. Die auffällige Übereinstimmung der beiden Skulpturen legt die Möglichkeit nahe, dass sie ursprünglich als Paar oder als Anhänger konzipiert wurden.
Gespiegelte Darstellungen haben eine besondere Bedeutung innerhalb der visuellen Sprache der höfischen Kunst Benins. Leoparden selbst sind in gepaart anordnungen bekannt. Zwei Tiere konnten einen königlichen oder rituellen Mittelpunkt umrahmen und so die Autorität und Gegenwart des Oba verstärken. Allgemeiner spielen Symmetrie und ausgewogene Anordnungen eine wichtige Rolle in Benin-Bilderwelten. Ein zentrales Herrscherbild, Würdenträger oder symbolisches Element wird häufig von entsprechenden Figuren an beiden Seiten begleitet. Diese Symmetrie ist nicht einfach dekorativ; sie kann Ordnung, Gleichgewicht, Hierarchie und die kontrollierte Manifestation königlicher Autorität kommunizieren.
Die Möglichkeit, dass diese beiden Leopardengefäße ursprünglich als Paar gestaltet waren, ist daher besonders spannend. Es wäre wichtig festzustellen, ob ihre Ähnlichkeit über ihren allgemeinen Typ hinausgeht. Ein direkter Vergleich von Abmessungen, Proportionen, Legierung und Gussverfahren sowie der Behandlung von Augen, Ohren, Mund und oberem Gefäß könnte wichtige Belege liefern. Die Anzahl und Verteilung der aufgestellten Flecken und selbst kleine Unregelmäßigkeiten, die sich aus dem Gussprozess ergeben, könnten dazu beitragen zu bestimmen, in welchem Maße die beiden Objekte miteinander verwandt sind.
Die Tatsache, dass beide Exemplare Berichten zufolge aus derselben Sammlung stammen, verleiht dieser Frage zusätzliche Bedeutung. Eine gemeinsame Sammlungs- oder Provenienzgeschichte beweist zwar nicht von selbst, dass die Objekte ursprünglich zusammengehörten, aber die Kombination aus gemeinsamer Provenienz und offenbar identischem Design macht die Möglichkeit eines absichtlichen Paares besonders überzeugend.
Es ist bedauerlich, dass das zweite Exemplar bereits verkauft wurde. Die Geschichte afrikanischer Kunstwerke in europäischen und internationalen Sammlungen zeigt jedoch immer wieder, dass Objekte, die ursprünglich zusammengehörten, getrennt werden können und dass ihre Beziehung manchmal erst viel später durch Fotografien, Inventare und Provenienzforschung erkannt wird. Es wäre daher sinnvoll, alle verfügbaren Fotografien, Messungen und Dokumentationen im Zusammenhang mit dem zweiten Leopardenkopf zu bewahren.
Der vorliegende Skulpturk verbindet demnach mehrere wichtige Aspekte der höfischen Symbolik Benins: den Leoparden als Verkörperung königlicher Macht, den Kopf als Ort persönlicher und spiritueller Kraft, das innere Gefäß als mögliches Instrument ritueller Praxis, die konzeptionellen Parallelen zu Ikeogbo-Altären und schließlich die Möglichkeit einer gepaarten Darstellung als Ausdruck von Gleichgewicht und verstärkter königlicher Autorität.
In Bezug auf das aktuell von Digital Benin dokumentierte Material könnte das Objekt daher von besonderem wissenschaftlichem Interesse sein. Statt lediglich einen bekannten Skulpturtyp zu wiederholen, könnte es das derzeit dokumentierte Spektrum ritueller Bronzenformen aus dem Königreich Benin erweitern. Ein systematischer Vergleich mit dokumentierten Ikeogbo, Leopardenrepräsentationen, Altarobjekten und rituellen Gefäßen sowie eine technologische Untersuchung des Gusses und der Metallzusammensetzung könnten dazu beitragen, den ursprünglichen Kontext und die Funktion dieses ungewöhnlichen Objekts zu klären.
Ausgewählte Literatur
Ben-Amos, Paula Girshick. The Art of Benin. London: British Museum Press, 1995.
Blackmun, Barbara Winston. “The Iconography of Carved Altar Tusks from Benin, Nigeria.” PhD Dissertation, University of California, Los Angeles, 1984.
Dark, Philip J. C. An Introduction to Benin Art and Technology. Oxford: Clarendon Press, 1973.
Egharevba, Jacob U. A Short History of Benin. Ibadan: Ibadan University Press, verschiedene Ausgaben.
Ezra, Kate. Royal Art of Benin: The Perls Collection in the Metropolitan Museum of Art. New York: The Metropolitan Museum of Art, 1992.
Nevadomsky, Joseph. “The Benin Bronze Horseman as the Ata of Idah.” African Arts 19, no. 4 (1986).
Plankensteiner, Barbara, ed. Benin: Kings and Rituals. Court Arts from Nigeria. Vienna: Museum für Völkerkunde / Snoeck, 2007.
Digital Benin. Online-Recherche- und Dokumentationsplattform für Objekte aus dem historischen Königreich Benin.
Der Preis versteht sich ohne Kosten für die TL-Analyse, kann jedoch innerhalb von vier Wochen für 350,- Euro durchgeführt werden.
Ein Teil der Informationen wird durch künstliche Intelligenz erzeugt und basiert auf veröffentlichten Quellen aus den Bereichen Ethnografie, Archäologie und Kunstgeschichte.
Invt. Nr. MAZ22277
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Der Verkäufer stellt sich vor
Der gegenständliche Bronzenkörper stellt den hoch stilisierten Kopf eines Leoparden dar und steht in seiner formalen Sprache und Symbolik eng im Verhältnis zur höfischen Kunst des Königreichs Benin. Die kompakte, fast geschlossene Form des Kopfes ist mit regelmäßig verteilten aufgerichteten Erhebungen bedeckt, die das gefleckte Fell des Tieres repräsentieren. Zwischen diesen Erhebungen ist die Oberfläche dicht mit einem feinen körnigen Muster texturiert, wodurch die Skulptur eine besonders haptische und skulpturale Qualität erhält.
Die Physiognomie ist auf eine geringe Anzahl kraftvoller Formen reduziert. Die mandelförmigen Augen werden von stark modellierten Konturen umgeben. Die hervorstehenden, blattförmigen Ohren sind mit eingeritzten Innenlinien verziert. Besonders auffällig ist das Maul, dessen mehrere parallele erhobene Bänder als stilisierte Schnurrhaare verstanden werden können. Der offene Mund mit den deutlich artikulierten Zähnen betont weiter den gefährlichen und beherrschenden Charakter des Tieres.
Der Leopard war eines der wichtigsten Embleme königlicher Autorität im Königreich Benin. Als eines der mächtigsten Tiere des Waldes verkörperte er Stärke, Schnelligkeit, Gefahr und souveräne Macht. Innerhalb der höfischen Symbolik Benins bestand eine enge Beziehung zwischen Leopard und dem Oba. Während der Leopard als Herrscher der Wildnis verstanden werden konnte, regierte der Oba die geordnete menschliche und politische Welt. Die Fähigkeit des Königs, Leoparden besitzen und kontrollieren zu können, wurde somit zum Ausdruck seiner Autorität über Kräfte außerhalb der Kontrolle gewöhnlicher Menschen.
Besonders herausragend an der vorliegenden Skulptur ist die große Öffnung am oberen Kopfende. Die verschiedenen fotografischen Ansichten belegen deutlich, dass diese Öffnung in eine tiefe, absichtlich geformte innere Kammer führt. Sie scheint nicht lediglich eine technische Öffnung im Zusammenhang mit dem Gussprozess zu sein. Vielmehr scheint der Kopf selbst zugleich als Gefäß konzipiert worden zu sein.
Diese Konstruktion eröffnet die Möglichkeit, dass das Objekt einst eine rituelle Funktion hatte. Es könnte als Behälter für Opfern oder für Substanzen gedient haben, die während höfischer Zeremonien verwendet wurden. Sein ursprünglicher Verwendungszweck lässt sich auf Grundlage von Fotografien allein nicht eindeutig feststellen. Nichtsdestotrotz ist die Verbindung von Leopard als Emblem königlicher Macht mit einem im Tierkopf integrierten stattlichen Gefäß bemerkenswert.
Interessante Parallelen lassen sich in diesem Zusammenhang zum Ikeogbo ziehen, den sogenannten Altaren der Hand, des Königreichs Benin, deren Beispiele wir in der Vergangenheit mehrmals sammeln konnten. Die Ikeogbo waren mit der Feier und rituellen Verstärkung individueller Leistung, Autorität, Status und erfolgreicher Handlung verbunden. Ihre komplexe Ikonografie verknüpft persönliche Macht und Errungenschaften mit sozialem Rang und der Fähigkeit, Autorität auszuüben. Von besonderer Bedeutung für die gegenwärtige Skulptur ist die Weise, wie skulpturale Form, symbolische Bildsprache und rituelle Funktion in einem einzigen Objekt vereint sind.
Die gegenwärtige Leopardenkopfs-Skulptur könnte daher eine Erweiterung des Spektrums ritueller Formen darstellen, die derzeit in Digital Benin dokumentiert sind. Die formalen und möglichen funktionalen Ähnlichkeiten mit Ikeogbo sollten zu diesem Zeitpunkt nicht als Beweis dafür interpretiert werden, dass das Leopardengefäß direkt zu dieser Objektkategorie gehört. Sie liefern jedoch einen wichtigen vergleichenden Rahmen. Die Verbindung einer hoch aufgeladenen symbolischen Form mit einem inneren Raum, der offensichtlich dazu gedacht ist, materielle Substanzen aufzunehmen, könnte auf verwandte Konzepte von Macht, Opfergabe, ritueller Aktivierung und ihrer physischen Manifestation in Bronze hindeuten.
Die symbolische Bedeutung des Kopfes selbst innerhalb des Benin-Gedankens verleiht eine weitere Dimension. Der Kopf war mehr als ein anatomisches Merkmal; er konnte mit persönlicher Bestimmung, Führung, Leistung und spiritueller Wirksamkeit assoziiert werden. In der Person des Oba erhielten diese Konzepte eine ausdrücklich politische und rituelle Dimension, da die persönliche und spirituelle Potenz des Königs eng mit dem Wohlstand und der Ordnung des Königreichs verbunden war.
Vor diesem Hintergrund könnte das innere Gefäß des Leoparden möglicherweise metaphorisch als das „Gehirn“ des Tieres verstanden werden oder als der innerste Sitz seiner Macht. Wurde die Kammer tatsächlich dafür vorgesehen, Opfergaben aufzunehmen, so würden die rituellen Substanzen direkt in den Körper und noch spezifischer in den Kopf des königlichen Tieres gelegt werden. Die durch den Leoparden dargestellte Macht und damit die Macht des Oba wären demnach nicht nur dargestellt, sondern durch Opfergaben rituell angesprochen, aktiviert oder verstärkt worden.
Diese Interpretation muss gegenwärtig eine Hypothese bleiben. Dennoch macht die absichtliche Konstruktion der Kammer, verbunden mit der breiteren rituellen Bedeutung von Gefäßen, Altären und Opfergaben innerhalb der höfischen Kultur Benins, eine solche Lesart zu einer lohnenden Forschungsrichtung. Der Vergleich mit Ikeogbo ist diesbezüglich besonders vielversprechend.
Von zusätzlicher Bedeutung ist das Vorhandensein eines zweiten, offenbar nahezu identischen Leopardenkopfes. Nach den verfügbaren Informationen stammen beide Objekte aus derselben Sammlung, obwohl das zweite Exemplar erst vor wenigen Monaten an einen Sammler im Fernen Osten verkauft wurde. Die auffällige Übereinstimmung der beiden Skulpturen legt die Möglichkeit nahe, dass sie ursprünglich als Paar oder als Anhänger konzipiert wurden.
Gespiegelte Darstellungen haben eine besondere Bedeutung innerhalb der visuellen Sprache der höfischen Kunst Benins. Leoparden selbst sind in gepaart anordnungen bekannt. Zwei Tiere konnten einen königlichen oder rituellen Mittelpunkt umrahmen und so die Autorität und Gegenwart des Oba verstärken. Allgemeiner spielen Symmetrie und ausgewogene Anordnungen eine wichtige Rolle in Benin-Bilderwelten. Ein zentrales Herrscherbild, Würdenträger oder symbolisches Element wird häufig von entsprechenden Figuren an beiden Seiten begleitet. Diese Symmetrie ist nicht einfach dekorativ; sie kann Ordnung, Gleichgewicht, Hierarchie und die kontrollierte Manifestation königlicher Autorität kommunizieren.
Die Möglichkeit, dass diese beiden Leopardengefäße ursprünglich als Paar gestaltet waren, ist daher besonders spannend. Es wäre wichtig festzustellen, ob ihre Ähnlichkeit über ihren allgemeinen Typ hinausgeht. Ein direkter Vergleich von Abmessungen, Proportionen, Legierung und Gussverfahren sowie der Behandlung von Augen, Ohren, Mund und oberem Gefäß könnte wichtige Belege liefern. Die Anzahl und Verteilung der aufgestellten Flecken und selbst kleine Unregelmäßigkeiten, die sich aus dem Gussprozess ergeben, könnten dazu beitragen zu bestimmen, in welchem Maße die beiden Objekte miteinander verwandt sind.
Die Tatsache, dass beide Exemplare Berichten zufolge aus derselben Sammlung stammen, verleiht dieser Frage zusätzliche Bedeutung. Eine gemeinsame Sammlungs- oder Provenienzgeschichte beweist zwar nicht von selbst, dass die Objekte ursprünglich zusammengehörten, aber die Kombination aus gemeinsamer Provenienz und offenbar identischem Design macht die Möglichkeit eines absichtlichen Paares besonders überzeugend.
Es ist bedauerlich, dass das zweite Exemplar bereits verkauft wurde. Die Geschichte afrikanischer Kunstwerke in europäischen und internationalen Sammlungen zeigt jedoch immer wieder, dass Objekte, die ursprünglich zusammengehörten, getrennt werden können und dass ihre Beziehung manchmal erst viel später durch Fotografien, Inventare und Provenienzforschung erkannt wird. Es wäre daher sinnvoll, alle verfügbaren Fotografien, Messungen und Dokumentationen im Zusammenhang mit dem zweiten Leopardenkopf zu bewahren.
Der vorliegende Skulpturk verbindet demnach mehrere wichtige Aspekte der höfischen Symbolik Benins: den Leoparden als Verkörperung königlicher Macht, den Kopf als Ort persönlicher und spiritueller Kraft, das innere Gefäß als mögliches Instrument ritueller Praxis, die konzeptionellen Parallelen zu Ikeogbo-Altären und schließlich die Möglichkeit einer gepaarten Darstellung als Ausdruck von Gleichgewicht und verstärkter königlicher Autorität.
In Bezug auf das aktuell von Digital Benin dokumentierte Material könnte das Objekt daher von besonderem wissenschaftlichem Interesse sein. Statt lediglich einen bekannten Skulpturtyp zu wiederholen, könnte es das derzeit dokumentierte Spektrum ritueller Bronzenformen aus dem Königreich Benin erweitern. Ein systematischer Vergleich mit dokumentierten Ikeogbo, Leopardenrepräsentationen, Altarobjekten und rituellen Gefäßen sowie eine technologische Untersuchung des Gusses und der Metallzusammensetzung könnten dazu beitragen, den ursprünglichen Kontext und die Funktion dieses ungewöhnlichen Objekts zu klären.
Ausgewählte Literatur
Ben-Amos, Paula Girshick. The Art of Benin. London: British Museum Press, 1995.
Blackmun, Barbara Winston. “The Iconography of Carved Altar Tusks from Benin, Nigeria.” PhD Dissertation, University of California, Los Angeles, 1984.
Dark, Philip J. C. An Introduction to Benin Art and Technology. Oxford: Clarendon Press, 1973.
Egharevba, Jacob U. A Short History of Benin. Ibadan: Ibadan University Press, verschiedene Ausgaben.
Ezra, Kate. Royal Art of Benin: The Perls Collection in the Metropolitan Museum of Art. New York: The Metropolitan Museum of Art, 1992.
Nevadomsky, Joseph. “The Benin Bronze Horseman as the Ata of Idah.” African Arts 19, no. 4 (1986).
Plankensteiner, Barbara, ed. Benin: Kings and Rituals. Court Arts from Nigeria. Vienna: Museum für Völkerkunde / Snoeck, 2007.
Digital Benin. Online-Recherche- und Dokumentationsplattform für Objekte aus dem historischen Königreich Benin.
Der Preis versteht sich ohne Kosten für die TL-Analyse, kann jedoch innerhalb von vier Wochen für 350,- Euro durchgeführt werden.
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