Eine Bronzeskulptur - Reiter - Benin - Nigeria






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Eine freistehende Bronze-Horseman-Skulptur aus Nigeria von Benin, die einen hochrangigen Reiter in aufwendiger Tracht mit Krone zeigt; authentisch, Original, in gutem Zustand, 74 cm hoch, 45 cm tief, Gewicht 20,2 kg (ohne Stativ).
Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung
Benin-Hengst, Königreich Benin, Nigeria Kupferlegierung („Bronze“)
Der freistehende Benin-Hengst gehört zu einer kleinen und ikonografisch bemerkenswerten Gruppe von Pferde-Statuen, die innerhalb der künstlerischen Traditionen des Königreichs Benin geschaffen wurden. Die sitzende Figur wird als Person außergewöhnlichen Ranges dargestellt. Sein erhöhter Sitz auf dem Pferd, das aufwändige Gewand, Waffen und vor allem seine auffällige Krone unterscheiden ihn von gewöhnlichen Kriegern und verorten das Bild im visuellen Vokabular politischer und ritueller Autorität.
Auch das Pferd selbst ist ein wichtiger Bestandteil dieser Bildwelt. Pferde waren in Südnigeria seltene und prestigeträchtige Tiere und standen in Zusammenhang mit Mobilität, Krieg, langandauernden politischen Beziehungen und Herrschaft. Die sitzende Figur sollte daher nicht einfach als wörtliches Porträt einer einzelnen Person verstanden werden. Das Bild konnte gleichzeitig militärische Macht, ausländische Verbindungen, Königtum und die politische Reichweite der Benin-Monarchie heraufbeschwören. Vergleichbare Reiterfiguren wurden daher interpretiert als Bilder, in denen historische, politische und übernatürliche Bedeutungen miteinander überlappen.
Die Tracht des Reiters liefert wichtige Hinweise auf seinen Rang, trägt aber auch zur Schwierigkeit bei, ihn zu identifizieren. Vergleichbare Figuren tragen reich verzierte Gewänder, darunter Tuniken, die mit Muschelschalen geschmückt sind, zusammen mit Schilden, Waffen und aufwändigen Kopfbedeckungen. Peter Herrmann hat auf die ungewöhnliche Kombination indigener Westafrikanischer Insignien mit Elementen hingewiesen, die zeitweise als fremd interpretiert wurden. Solche Kombinationen spiegeln das kosmopolitische Umfeld des Benin-Hofs und seine politischen und kommerziellen Beziehungen zu benachbarten afrikanischen Königreichen sowie, ab dem späten fünfzehnten Jahrhundert, zu europäischen Händlern.
Die Krone oder Kopfbedeckung ist von besonderer Bedeutung. Sie unterscheidet sich von der bekannteren Krone aus Korallenperlen, die mit Darstellungen eines Oba von Benin assoziiert ist. Vergleichbare Reiter zeigen aufwändige Federnanordnungen, pflanzliche oder palmenblattähnliche Formen und Korallenelemente. Papageienfedern, die in der Benin-Hofikonografie vorkommen, waren prestigeträchtige Materialien, die mit Rang und ritueller Autorität verbunden waren. Die ungewöhnliche Form der Krone des Reiters bedeutet jedoch, dass sie nicht einfach als Beleg dafür herangezogen werden kann, dass der Reiter ein Oba ist. In der Tat ist die Kopfbedeckung einer der Hauptgründe, warum Wissenschaftler so unterschiedliche Identitäten für diese Reiterfiguren vorgeschlagen haben. Im verwandten Benin-Täfelchen, das einen Reiter darstellt, wurden Elemente der Kopfbedeckung sogar mit königlicher Kopfbedeckung aus Ife verglichen. Die Krone etabliert somit den außergewöhnlichen Rang des Reiters, ohne notwendigerweise seine Identität zu klären.
Freistehende Kupferlegierungsstatuen in Benin standen in engem Zusammenhang mit den rituellen und erinnerungspolitischen Praktiken des königlichen Hofes. Solche Werke wurden im Hof-Gildensystem in Auftrag gegeben und konnten die Erinnerung an Herrscher, Militäreignisse und dynastische Geschichte bewahren. Reiterfiguren wurden insbesondere mit königlicher Ahnen-Erinnerung und mit Altären, die verstorbenen Herrschern gewidmet sind, assoziiert. In diesem Kontext war ein Reiter mehr als nur die Darstellung eines geposteten Kriegers. Die Skulptur konnte in der fortdauernden rituellen Präsenz königlicher und Ahnenmacht mitwirken. Moderne Unterscheidungen zwischen Porträt, historischem Dokument, politischem Symbol und rituellem Objekt mögen daher die vielfältigen Funktionen einer solchen Skulptur unzureichend beschreiben.
Die genaue Identität des Benin-Reiters bleibt umstritten. Eine einflussreiche Interpretation identifiziert die Figur mit Oranmiyan, dem Yoruba-Prinzen, der laut dynastischer Überlieferung von Ife stammte und eine entscheidende Rolle bei der Gründung der zweiten Dynastie Benins spielte. Traditionen, die Oranmiyan mit Pferden in Verbindung bringen, haben die Identifikation der Reiterbilder mit diesem dynastischen Gründer begünstigt. Das Jaenicke-Njoya-Archiv dokumentiert diese Interpretation ebenfalls in seiner Dokumentation vergleichbarer Benin-Reiter.
Andere Gelehrte kommen zu deutlich abweichenden Schlussfolgerungen. Felix von Luschan betrachtete die ungewöhnliche Tracht und Kopfbedeckung als Hinweise darauf, dass der Reiter einen Fremden darstellte. Philip Dark schlug einen Yoruba-Krieger vor, während William Fagg die Möglichkeit eines Boten aus einer nördlichen Yoruba-Polity in Betracht zog. Andere Interpretationen identifizierten den Reiter als Benin-König. Paula Ben-Amos setzte die Figur mit Oranmiyan in Verbindung, während Joseph Nevadomsky vorschlug, dass bestimmte Reiterfiguren den Attah von Idah, Herrscher des benachbarten Igala-Königreichs, darstellen könnten. Diese letztere Interpretation verbindet das Bild mit dem sechzehnten Jahrhundert drohenden Konflikt zwischen Benin und Idah sowie den militärischen Siegen unter der Herrschaft Oba Esigies. Das Bild eines besiegten fremden Herrschers hätte in diesem Kontext eine kraftvolle Aussage über Benins politische und militärische Überlegenheit sein können.
Die Diskussion von Peter Herrmann ist besonders wertvoll, weil sie diese widersprüchlichen Interpretationen zusammenführt, anstatt eine einzige Identität als sicher darzustellen. Seine Analyse zeigt, wie dieselben ikonografischen Details genutzt wurden, um einen Oba von Benin, Oranmiyan, einen Yoruba-Krieger oder Boten, den Attah von Idah oder eine allgemeinere fremde Herrschsfigur zu begründen. In Abwesenheit entschiedener Beweise ist es daher vorzuziehen, die Skulptur als eine hochrangige Reiterfigur zu beschreiben, deren Bildsprache politische, militärische und rituelle Autorität kommuniziert, während die historische Identität des Reiters offen bleibt.
Der Vergleich mit der zuvor diskutierten Benin-Tafel, die einen Reiter zeigt, ist besonders aufschlussreich. Reiterfiguren sind auf Benin-Tafeln selten, und die engen Übereinstimmungen zwischen bestimmten Tafeln und freistehenden Reitern deuten darauf hin, dass sie zu einer verwandten ikonografischen Tradition gehören. Ähnlichkeiten lassen sich in der aufwändigen Kopfbedeckung, dem mit Muschelschalen verzierten Gewand, den Waffen und der Betonung des außergewöhnlichen Rangs des Reiters beobachten.
Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied in Funktion und visueller Wirkung. Auf der Tafel bildet der Reiter Teil eines größeren darstellenden Feldes, das mit dem Palast und der Aufzeichnung oder Erinnerung von Personen, Zeremonien und historischen Ereignissen verbunden ist. Die freistehende Skulptur trennt den Reiter von diesem narrativen Feld und macht ihn zu einer autonomen physischen Präsenz. Die dreidimensionale Figur hätte demnach direkter innerhalb eines Altars oder eines anderen rituellen Kontextes fungieren können.
Interessanterweise bewegt sich die Tafel selbst bereits in Richtung Dreidimensionalität. Der Reiter kann in einer Dreiviertelansicht dargestellt werden, während Kopf, Krone und andere Details stark aus der Relieffläche hervortreten. In bestimmten Beispielen ragt die Krone sogar über die konventionelle rechteckige Begrenzung der Tafel hinaus. Der freistehende Reiter kann daher im Vergleich zur Tafel nicht nur in inhaltlicher Hinsicht, sondern auch als eine alternative Lösung für die Darstellung politischer Gegenwart gesehen werden. Die Tafel verankert den Reiter im visuellen Gedächtnis des Palastes; die Skulptur verleiht dieser Figur eine eigenständige und potenziell rituelle Präsenz.
Spätere fotografische und archivische Dokumentationen sind daher von erheblicher Bedeutung. Das Jaenicke-Njoya-Archiv enthält umfangreiche fotografische Dokumentationen afrikanischer Werke, die durch europäische Sammlungen und den internationalen Kunstmarkt gegangen sind. Besonders relevant im vorliegenden Kontext sind archivische Darstellungen der Köpfe von Benin-Reitern. Vergleichbare Kopfansichten werden mit Objekten in Verbindung gebracht, die heute in der Tichonow-Sammlung erhalten sein sollen. Solche Fotografien – werden so bald wie möglich folgen – könnten wertvolle Belege für den Wiederaufbau der modernen Geschichte einzelner Skulpturen liefern. Details zu Guss, Gesichtsmodellierung, Kronenkonstruktion, Oberflächenzustand, Beschädigungen und Restaurierung können potenziell klären, ob zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommene Fotografien dasselbe Objekt oder eng verwandte Abgüsse darstellen.
Die vorgeschlagene Beziehung zwischen den archivierten Fotografien von Jaenicke-Njoya und den Reiterköpfen in der Tichonow-Sammlung solltfür jedoch durch die entsprechenden Archivnummern und Sammlungsdokumentationen verifiziert werden, bevor sie als sichere Herkunft behandelt wird. Bis solche Dokumentationen erstellt sind, ist die Verbindung besser als eine wichtige vergleichende und archivische Spur zu verstehen als als eine durchgehende dokumentierte Eigentumskette.
Der Reiter ist daher bedeutsam, gerade weil seine Bildsprache jeder einzelnen Interpretation trotzt. Die Kombination aus Pferd, aufwändiger Krone, mit Muschelschalen verzierter Tracht, Waffen und weiteren Insignien platziert den Reiter an der Schnittstelle von Königtum, Krieg, Fremdartigkeit und ritueller Autorität. Ob die Figur Oranmiyan, ein Oba von Benin, der Attah von Idah, ein weiterer fremder Herrscher oder eine allgemeinere Verkörperung politischer Macht zu Pferde darstellt, bleibt ungeklärt. Anstatt die Bedeutung der Skulptur zu mindern, zeigt diese Mehrdeutigkeit die Komplexität der Hofikonografie von Benin, in der historisches Gedächtnis, dynastische Legitimität, militärischer Sieg und rituelle Macht in einer einzigen Figur gebündelt werden konnten.
Ausgewählte Literatur
Ben-Amos, Paula Girshick. The Art of Benin. London: British Museum Press, 1995.
Dark, Philip J. C., und Werner Forman. Die Kunst von Benin. Prag, 1960.
Duchateau, Armand. Benin: Kunst einer afrikanischen Königskultur. München, 1995.
Fagg, William. Bildwerke aus Nigeria. München, 1963.
Luschan, Felix von. Die Altertümer von Benin. 3 Bde. Berlin, 1919.
Nevadomsky, Joseph. „The Benin Bronze Horseman as the Ata of Idah.“ African Arts 19, Nr. 4, 1986.
Plankensteiner, Barbara, hrsg. Benin: Kings and Rituals – Court Arts from Nigeria. Wien, 2007.
Pitt-Rivers, Augustus Henry Lane Fox. Antique Works of Art from Benin. London, 1900.
Jaenicke-Njoya Archive. Photographic documentation of Benin equestrian figures and related works.
Galerie Peter Herrmann. Archival documentation and discussions of Benin horsemen and the Benin relief plaque with horseman.
The price is without the price for the TL analysis but can be done within four weeks for 350,- Euro.
Some of the information is generated by artificial intelligence and is based on published sources from the fields of ethnography, archaeology, and art history.
Invt. No. MAZ22421
The seller guarantees and can prove that the object was obtained legally. The seller was informed by Catawiki that they had to provide the documentation required by the laws and regulations in their country of residence. The seller guarantees and is entitled to sell/export this object. The seller will provide all provenance information known about the object to the buyer. The seller ensures that any necessary permits are/will be arranged. The seller will inform the buyer immediately about any delays in obtaining such permits.
Der Verkäufer stellt sich vor
Benin-Hengst, Königreich Benin, Nigeria Kupferlegierung („Bronze“)
Der freistehende Benin-Hengst gehört zu einer kleinen und ikonografisch bemerkenswerten Gruppe von Pferde-Statuen, die innerhalb der künstlerischen Traditionen des Königreichs Benin geschaffen wurden. Die sitzende Figur wird als Person außergewöhnlichen Ranges dargestellt. Sein erhöhter Sitz auf dem Pferd, das aufwändige Gewand, Waffen und vor allem seine auffällige Krone unterscheiden ihn von gewöhnlichen Kriegern und verorten das Bild im visuellen Vokabular politischer und ritueller Autorität.
Auch das Pferd selbst ist ein wichtiger Bestandteil dieser Bildwelt. Pferde waren in Südnigeria seltene und prestigeträchtige Tiere und standen in Zusammenhang mit Mobilität, Krieg, langandauernden politischen Beziehungen und Herrschaft. Die sitzende Figur sollte daher nicht einfach als wörtliches Porträt einer einzelnen Person verstanden werden. Das Bild konnte gleichzeitig militärische Macht, ausländische Verbindungen, Königtum und die politische Reichweite der Benin-Monarchie heraufbeschwören. Vergleichbare Reiterfiguren wurden daher interpretiert als Bilder, in denen historische, politische und übernatürliche Bedeutungen miteinander überlappen.
Die Tracht des Reiters liefert wichtige Hinweise auf seinen Rang, trägt aber auch zur Schwierigkeit bei, ihn zu identifizieren. Vergleichbare Figuren tragen reich verzierte Gewänder, darunter Tuniken, die mit Muschelschalen geschmückt sind, zusammen mit Schilden, Waffen und aufwändigen Kopfbedeckungen. Peter Herrmann hat auf die ungewöhnliche Kombination indigener Westafrikanischer Insignien mit Elementen hingewiesen, die zeitweise als fremd interpretiert wurden. Solche Kombinationen spiegeln das kosmopolitische Umfeld des Benin-Hofs und seine politischen und kommerziellen Beziehungen zu benachbarten afrikanischen Königreichen sowie, ab dem späten fünfzehnten Jahrhundert, zu europäischen Händlern.
Die Krone oder Kopfbedeckung ist von besonderer Bedeutung. Sie unterscheidet sich von der bekannteren Krone aus Korallenperlen, die mit Darstellungen eines Oba von Benin assoziiert ist. Vergleichbare Reiter zeigen aufwändige Federnanordnungen, pflanzliche oder palmenblattähnliche Formen und Korallenelemente. Papageienfedern, die in der Benin-Hofikonografie vorkommen, waren prestigeträchtige Materialien, die mit Rang und ritueller Autorität verbunden waren. Die ungewöhnliche Form der Krone des Reiters bedeutet jedoch, dass sie nicht einfach als Beleg dafür herangezogen werden kann, dass der Reiter ein Oba ist. In der Tat ist die Kopfbedeckung einer der Hauptgründe, warum Wissenschaftler so unterschiedliche Identitäten für diese Reiterfiguren vorgeschlagen haben. Im verwandten Benin-Täfelchen, das einen Reiter darstellt, wurden Elemente der Kopfbedeckung sogar mit königlicher Kopfbedeckung aus Ife verglichen. Die Krone etabliert somit den außergewöhnlichen Rang des Reiters, ohne notwendigerweise seine Identität zu klären.
Freistehende Kupferlegierungsstatuen in Benin standen in engem Zusammenhang mit den rituellen und erinnerungspolitischen Praktiken des königlichen Hofes. Solche Werke wurden im Hof-Gildensystem in Auftrag gegeben und konnten die Erinnerung an Herrscher, Militäreignisse und dynastische Geschichte bewahren. Reiterfiguren wurden insbesondere mit königlicher Ahnen-Erinnerung und mit Altären, die verstorbenen Herrschern gewidmet sind, assoziiert. In diesem Kontext war ein Reiter mehr als nur die Darstellung eines geposteten Kriegers. Die Skulptur konnte in der fortdauernden rituellen Präsenz königlicher und Ahnenmacht mitwirken. Moderne Unterscheidungen zwischen Porträt, historischem Dokument, politischem Symbol und rituellem Objekt mögen daher die vielfältigen Funktionen einer solchen Skulptur unzureichend beschreiben.
Die genaue Identität des Benin-Reiters bleibt umstritten. Eine einflussreiche Interpretation identifiziert die Figur mit Oranmiyan, dem Yoruba-Prinzen, der laut dynastischer Überlieferung von Ife stammte und eine entscheidende Rolle bei der Gründung der zweiten Dynastie Benins spielte. Traditionen, die Oranmiyan mit Pferden in Verbindung bringen, haben die Identifikation der Reiterbilder mit diesem dynastischen Gründer begünstigt. Das Jaenicke-Njoya-Archiv dokumentiert diese Interpretation ebenfalls in seiner Dokumentation vergleichbarer Benin-Reiter.
Andere Gelehrte kommen zu deutlich abweichenden Schlussfolgerungen. Felix von Luschan betrachtete die ungewöhnliche Tracht und Kopfbedeckung als Hinweise darauf, dass der Reiter einen Fremden darstellte. Philip Dark schlug einen Yoruba-Krieger vor, während William Fagg die Möglichkeit eines Boten aus einer nördlichen Yoruba-Polity in Betracht zog. Andere Interpretationen identifizierten den Reiter als Benin-König. Paula Ben-Amos setzte die Figur mit Oranmiyan in Verbindung, während Joseph Nevadomsky vorschlug, dass bestimmte Reiterfiguren den Attah von Idah, Herrscher des benachbarten Igala-Königreichs, darstellen könnten. Diese letztere Interpretation verbindet das Bild mit dem sechzehnten Jahrhundert drohenden Konflikt zwischen Benin und Idah sowie den militärischen Siegen unter der Herrschaft Oba Esigies. Das Bild eines besiegten fremden Herrschers hätte in diesem Kontext eine kraftvolle Aussage über Benins politische und militärische Überlegenheit sein können.
Die Diskussion von Peter Herrmann ist besonders wertvoll, weil sie diese widersprüchlichen Interpretationen zusammenführt, anstatt eine einzige Identität als sicher darzustellen. Seine Analyse zeigt, wie dieselben ikonografischen Details genutzt wurden, um einen Oba von Benin, Oranmiyan, einen Yoruba-Krieger oder Boten, den Attah von Idah oder eine allgemeinere fremde Herrschsfigur zu begründen. In Abwesenheit entschiedener Beweise ist es daher vorzuziehen, die Skulptur als eine hochrangige Reiterfigur zu beschreiben, deren Bildsprache politische, militärische und rituelle Autorität kommuniziert, während die historische Identität des Reiters offen bleibt.
Der Vergleich mit der zuvor diskutierten Benin-Tafel, die einen Reiter zeigt, ist besonders aufschlussreich. Reiterfiguren sind auf Benin-Tafeln selten, und die engen Übereinstimmungen zwischen bestimmten Tafeln und freistehenden Reitern deuten darauf hin, dass sie zu einer verwandten ikonografischen Tradition gehören. Ähnlichkeiten lassen sich in der aufwändigen Kopfbedeckung, dem mit Muschelschalen verzierten Gewand, den Waffen und der Betonung des außergewöhnlichen Rangs des Reiters beobachten.
Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied in Funktion und visueller Wirkung. Auf der Tafel bildet der Reiter Teil eines größeren darstellenden Feldes, das mit dem Palast und der Aufzeichnung oder Erinnerung von Personen, Zeremonien und historischen Ereignissen verbunden ist. Die freistehende Skulptur trennt den Reiter von diesem narrativen Feld und macht ihn zu einer autonomen physischen Präsenz. Die dreidimensionale Figur hätte demnach direkter innerhalb eines Altars oder eines anderen rituellen Kontextes fungieren können.
Interessanterweise bewegt sich die Tafel selbst bereits in Richtung Dreidimensionalität. Der Reiter kann in einer Dreiviertelansicht dargestellt werden, während Kopf, Krone und andere Details stark aus der Relieffläche hervortreten. In bestimmten Beispielen ragt die Krone sogar über die konventionelle rechteckige Begrenzung der Tafel hinaus. Der freistehende Reiter kann daher im Vergleich zur Tafel nicht nur in inhaltlicher Hinsicht, sondern auch als eine alternative Lösung für die Darstellung politischer Gegenwart gesehen werden. Die Tafel verankert den Reiter im visuellen Gedächtnis des Palastes; die Skulptur verleiht dieser Figur eine eigenständige und potenziell rituelle Präsenz.
Spätere fotografische und archivische Dokumentationen sind daher von erheblicher Bedeutung. Das Jaenicke-Njoya-Archiv enthält umfangreiche fotografische Dokumentationen afrikanischer Werke, die durch europäische Sammlungen und den internationalen Kunstmarkt gegangen sind. Besonders relevant im vorliegenden Kontext sind archivische Darstellungen der Köpfe von Benin-Reitern. Vergleichbare Kopfansichten werden mit Objekten in Verbindung gebracht, die heute in der Tichonow-Sammlung erhalten sein sollen. Solche Fotografien – werden so bald wie möglich folgen – könnten wertvolle Belege für den Wiederaufbau der modernen Geschichte einzelner Skulpturen liefern. Details zu Guss, Gesichtsmodellierung, Kronenkonstruktion, Oberflächenzustand, Beschädigungen und Restaurierung können potenziell klären, ob zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommene Fotografien dasselbe Objekt oder eng verwandte Abgüsse darstellen.
Die vorgeschlagene Beziehung zwischen den archivierten Fotografien von Jaenicke-Njoya und den Reiterköpfen in der Tichonow-Sammlung solltfür jedoch durch die entsprechenden Archivnummern und Sammlungsdokumentationen verifiziert werden, bevor sie als sichere Herkunft behandelt wird. Bis solche Dokumentationen erstellt sind, ist die Verbindung besser als eine wichtige vergleichende und archivische Spur zu verstehen als als eine durchgehende dokumentierte Eigentumskette.
Der Reiter ist daher bedeutsam, gerade weil seine Bildsprache jeder einzelnen Interpretation trotzt. Die Kombination aus Pferd, aufwändiger Krone, mit Muschelschalen verzierter Tracht, Waffen und weiteren Insignien platziert den Reiter an der Schnittstelle von Königtum, Krieg, Fremdartigkeit und ritueller Autorität. Ob die Figur Oranmiyan, ein Oba von Benin, der Attah von Idah, ein weiterer fremder Herrscher oder eine allgemeinere Verkörperung politischer Macht zu Pferde darstellt, bleibt ungeklärt. Anstatt die Bedeutung der Skulptur zu mindern, zeigt diese Mehrdeutigkeit die Komplexität der Hofikonografie von Benin, in der historisches Gedächtnis, dynastische Legitimität, militärischer Sieg und rituelle Macht in einer einzigen Figur gebündelt werden konnten.
Ausgewählte Literatur
Ben-Amos, Paula Girshick. The Art of Benin. London: British Museum Press, 1995.
Dark, Philip J. C., und Werner Forman. Die Kunst von Benin. Prag, 1960.
Duchateau, Armand. Benin: Kunst einer afrikanischen Königskultur. München, 1995.
Fagg, William. Bildwerke aus Nigeria. München, 1963.
Luschan, Felix von. Die Altertümer von Benin. 3 Bde. Berlin, 1919.
Nevadomsky, Joseph. „The Benin Bronze Horseman as the Ata of Idah.“ African Arts 19, Nr. 4, 1986.
Plankensteiner, Barbara, hrsg. Benin: Kings and Rituals – Court Arts from Nigeria. Wien, 2007.
Pitt-Rivers, Augustus Henry Lane Fox. Antique Works of Art from Benin. London, 1900.
Jaenicke-Njoya Archive. Photographic documentation of Benin equestrian figures and related works.
Galerie Peter Herrmann. Archival documentation and discussions of Benin horsemen and the Benin relief plaque with horseman.
The price is without the price for the TL analysis but can be done within four weeks for 350,- Euro.
Some of the information is generated by artificial intelligence and is based on published sources from the fields of ethnography, archaeology, and art history.
Invt. No. MAZ22421
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Rechtliche Informationen des Verkäufers
- Unternehmen:
- Jaenicke Njoya GmbH
- Repräsentant:
- Wolfgang Jaenicke
- Adresse:
- Jaenicke Njoya GmbH
Klausenerplatz 7
14059 Berlin
GERMANY - Telefonnummer:
- +493033951033
- Email:
- w.jaenicke@jaenicke-njoya.com
- USt-IdNr.:
- DE241193499
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