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Italienische Schule (XVII) - Christus als Ecce Homo
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Italienische Schule (XVII) - Christus als Ecce Homo

Christus als Ecce Homo Italienische Schule (XVII. Jahrhundert) Öl auf Leinwand, unsigniert Entstehungszeit: ca. 1650–1690 Maße: ca. 52,6 × 42,4 × 1,9 cm Formale und ikonografische Analyse Das Gemälde zeigt Christus in der Darstellung des Ecce Homo, einem der zentralen Themen der Passionsikonografie, das auf das Johannesevangelium (Joh 19,5) zurückgeht: „Sehet, der Mensch“. In diesem Moment präsentiert Pontius Pilatus den gegeißelten und mit der Dornenkrone geschmückten Christus dem Volk. Der Maler konzentriert die gesamte Ausdrucksintensität auf das Antlitz und die obere Brust Christi. Der Körper ist nur angedeutet, der Blick des Betrachters ruht auf dem Antlitz des Erlösers, dessen Augen leicht nach oben gerichtet sind — zwischen Schmerz, Ergebung und innerer Transzendenz. Der Mund bleibt leicht geöffnet, der Ausdruck schwankt zwischen Erleiden und göttlicher Ruhe. Der Hintergrund ist dunkelbraun und unbestimmt, ohne Raumtiefe oder narrative Details, wodurch das Gesicht plastisch aus der Dunkelheit hervorzuleuchten scheint. Dieses Chiaroscuro deutet eine Nähe zur römisch-neapolitanischen Tradition der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an, in der Licht als spirituelles Medium verstanden wurde — nicht als physische, sondern als metaphysische Erscheinung. Die Dornenkrone, sorgfältig modelliert, bildet einen geschlossenen Kreis, einzelne Blutstropfen laufen über Stirn und Hals. Die Farbe des Mantels – ein gebrochenes Karminrot – verweist symbolisch auf das Blutopfer Christi, auf Martyrium und königliche Würde zugleich. Der Halsbereich ist mit subtilen Lasuren moduliert, das Inkarnat durch fein abgestufte Übergänge zwischen Ocker, gebrochenem Umbra und Rosaton geformt. Die Augenpartie ist auffällig detailliert; das Weiß leicht gebrochen, mit minimalen Reflexen, die den Blick lebendig und erdnah wirken lassen. Stilistische und technische Einordnung Die künstlerische Ausführung weist Merkmale auf, die sowohl auf den Einfluss des römischen Hochbarocks (Guido Reni, Domenichino, Carlo Maratta) als auch auf den expressiveren Neapolitanismus (Jusepe de Ribera, Luca Giordano) hindeuten. Die klare Linienführung des Gesichts, der verhaltene Ausdruck und die gleichmäßige Lichtführung sprechen für einen Maler, der den klassischen Idealismus Rennis oder Dolcis kannte, ihn jedoch mit einer stärker emotionalen, naturalistischen Auffassung verband. Die maltechnische Ausführung legt nahe: • Öl auf Leinen (feines Gewebe, alt aufgezogen) • Farbauftrag in dünnen, lasierenden Schichten • Lichte Akzente durch feine Aufhellungen in Bleiweiß und Ocker • Alterstypisches Craquelé, keine Übermalung im zentralen Bildfeld sichtbar • Kleine Substanzverluste am unteren Rand, die auf Abnutzung durch Rahmenkontakt hinweisen Diese Technik und Materialität sind typisch für italienische Werkstätten des 17. Jahrhunderts, insbesondere für in Rom tätige Maler, die dem Kreis um Maratta, Sassoferrato oder Dolci angehörten. Ikonologische Deutung Die Ecce Homo-Darstellung erfüllte in der barocken Andachtskunst eine doppelte Funktion: Einerseits diente sie der persönlichen Kontemplation – als intimes „Antlitz des Erlösers“ –, andererseits der liturgischen Meditation über Leid und Opfer. Das gezeigte Motiv verzichtet bewusst auf narrative oder dramatische Elemente und konzentriert sich auf die spirituelle Begegnung zwischen Bild und Betrachter. Im 17. Jahrhundert wurden solche Werke häufig in Privatoratorien, in Klöstern oder kleinen Kapellen aufgestellt, wo sie Teil täglicher Gebete oder Bußmeditationen waren. Das hier vorliegende Werk gehört also in die Tradition der „meditativen Christusdarstellungen“, die nicht Pathos, sondern Innerlichkeit zum Ausdruck bringen. Vergleich und Zuschreibung Vergleichbare Typologien finden sich in: • Guido Reni: Ecce Homo, ca. 1638, Galleria Nazionale d’Arte Antica, Rom • Carlo Dolci: Salvator Mundi und Ecce Homo, um 1660, Florenz • Neapolitanische Schule: Werkstatt Ribera, Cristo deriso, um 1640 Die hier gewählte Komposition (Halbfigur, zentral, neutraler Hintergrund, Fokus auf das Antlitz) sowie der Umgang mit Farbe und Licht verweisen auf eine Werkstatt oder Nachfolge dieser Schulen. Eine präzise Zuschreibung wäre durch Pigmentanalyse (Nachweis historischer Bleiweiß- und Ockeranteile) sowie Leinwandfadenanalyse möglich. Zustand und Restaurierungsaspekte • Erhaltungszustand: authentisch, ohne nennenswerte Übermalung • Craquelé: gleichmäßig, stabil • Firnis: leicht vergilbt, teilweise matt • Empfehlung: leichte Oberflächenreinigung und Neu-Firnisierung zur Hebung der Tiefenwirkung Nach Restaurierung kann das Werk eine deutlich stärkere visuelle Präsenz entfalten, insbesondere im Inkarnat und in den Augenpartien. Kunsthistorische Bedeutung Das Gemälde ist ein qualitätvolles Beispiel für barocke Frömmigkeitsmalerei in Italien, deren Ziel nicht die äußere Dramatik, sondern die innere Andacht war. Werke dieser Art bildeten das emotionale Gegenstück zu den monumentalen Altarbildern des Hochbarock – kleinformatig, intim, für das persönliche Gebet geschaffen. Seine historische und ästhetische Bedeutung liegt somit im Spannungsfeld zwischen Idealismus und Realismus, Andacht und Schmerz, göttlicher Transzendenz und menschlichem Mitleiden. Zusammenfassung Ein eindrucksvolles, ausdrucksstarkes Andachtsbild aus der italienischen Schule des 17. Jahrhunderts, in der Tradition der großen römischen und neapolitanischen Barockmalerei. Die feinfühlige Darstellung Christi als Ecce Homo vereint Pathos und Innerlichkeit in ausgewogener Harmonie und bezeugt die tiefe spirituelle Kultur der Epoche. Gut verpackter Versand.

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Christus als Ecce Homo

Italienische Schule (XVII. Jahrhundert)
Öl auf Leinwand, unsigniert
Entstehungszeit: ca. 1650–1690
Maße: ca. 52,6 × 42,4 × 1,9 cm

Formale und ikonografische Analyse

Das Gemälde zeigt Christus in der Darstellung des Ecce Homo, einem der zentralen Themen der Passionsikonografie, das auf das Johannesevangelium (Joh 19,5) zurückgeht: „Sehet, der Mensch“. In diesem Moment präsentiert Pontius Pilatus den gegeißelten und mit der Dornenkrone geschmückten Christus dem Volk.

Der Maler konzentriert die gesamte Ausdrucksintensität auf das Antlitz und die obere Brust Christi. Der Körper ist nur angedeutet, der Blick des Betrachters ruht auf dem Antlitz des Erlösers, dessen Augen leicht nach oben gerichtet sind — zwischen Schmerz, Ergebung und innerer Transzendenz. Der Mund bleibt leicht geöffnet, der Ausdruck schwankt zwischen Erleiden und göttlicher Ruhe.

Der Hintergrund ist dunkelbraun und unbestimmt, ohne Raumtiefe oder narrative Details, wodurch das Gesicht plastisch aus der Dunkelheit hervorzuleuchten scheint. Dieses Chiaroscuro deutet eine Nähe zur römisch-neapolitanischen Tradition der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an, in der Licht als spirituelles Medium verstanden wurde — nicht als physische, sondern als metaphysische Erscheinung.

Die Dornenkrone, sorgfältig modelliert, bildet einen geschlossenen Kreis, einzelne Blutstropfen laufen über Stirn und Hals. Die Farbe des Mantels – ein gebrochenes Karminrot – verweist symbolisch auf das Blutopfer Christi, auf Martyrium und königliche Würde zugleich.

Der Halsbereich ist mit subtilen Lasuren moduliert, das Inkarnat durch fein abgestufte Übergänge zwischen Ocker, gebrochenem Umbra und Rosaton geformt. Die Augenpartie ist auffällig detailliert; das Weiß leicht gebrochen, mit minimalen Reflexen, die den Blick lebendig und erdnah wirken lassen.

Stilistische und technische Einordnung

Die künstlerische Ausführung weist Merkmale auf, die sowohl auf den Einfluss des römischen Hochbarocks (Guido Reni, Domenichino, Carlo Maratta) als auch auf den expressiveren Neapolitanismus (Jusepe de Ribera, Luca Giordano) hindeuten.
Die klare Linienführung des Gesichts, der verhaltene Ausdruck und die gleichmäßige Lichtführung sprechen für einen Maler, der den klassischen Idealismus Rennis oder Dolcis kannte, ihn jedoch mit einer stärker emotionalen, naturalistischen Auffassung verband.

Die maltechnische Ausführung legt nahe:
• Öl auf Leinen (feines Gewebe, alt aufgezogen)
• Farbauftrag in dünnen, lasierenden Schichten
• Lichte Akzente durch feine Aufhellungen in Bleiweiß und Ocker
• Alterstypisches Craquelé, keine Übermalung im zentralen Bildfeld sichtbar
• Kleine Substanzverluste am unteren Rand, die auf Abnutzung durch Rahmenkontakt hinweisen

Diese Technik und Materialität sind typisch für italienische Werkstätten des 17. Jahrhunderts, insbesondere für in Rom tätige Maler, die dem Kreis um Maratta, Sassoferrato oder Dolci angehörten.

Ikonologische Deutung

Die Ecce Homo-Darstellung erfüllte in der barocken Andachtskunst eine doppelte Funktion:
Einerseits diente sie der persönlichen Kontemplation – als intimes „Antlitz des Erlösers“ –, andererseits der liturgischen Meditation über Leid und Opfer. Das gezeigte Motiv verzichtet bewusst auf narrative oder dramatische Elemente und konzentriert sich auf die spirituelle Begegnung zwischen Bild und Betrachter.

Im 17. Jahrhundert wurden solche Werke häufig in Privatoratorien, in Klöstern oder kleinen Kapellen aufgestellt, wo sie Teil täglicher Gebete oder Bußmeditationen waren.

Das hier vorliegende Werk gehört also in die Tradition der „meditativen Christusdarstellungen“, die nicht Pathos, sondern Innerlichkeit zum Ausdruck bringen.

Vergleich und Zuschreibung

Vergleichbare Typologien finden sich in:
• Guido Reni: Ecce Homo, ca. 1638, Galleria Nazionale d’Arte Antica, Rom
• Carlo Dolci: Salvator Mundi und Ecce Homo, um 1660, Florenz
• Neapolitanische Schule: Werkstatt Ribera, Cristo deriso, um 1640

Die hier gewählte Komposition (Halbfigur, zentral, neutraler Hintergrund, Fokus auf das Antlitz) sowie der Umgang mit Farbe und Licht verweisen auf eine Werkstatt oder Nachfolge dieser Schulen.

Eine präzise Zuschreibung wäre durch Pigmentanalyse (Nachweis historischer Bleiweiß- und Ockeranteile) sowie Leinwandfadenanalyse möglich.

Zustand und Restaurierungsaspekte
• Erhaltungszustand: authentisch, ohne nennenswerte Übermalung
• Craquelé: gleichmäßig, stabil
• Firnis: leicht vergilbt, teilweise matt
• Empfehlung: leichte Oberflächenreinigung und Neu-Firnisierung zur Hebung der Tiefenwirkung

Nach Restaurierung kann das Werk eine deutlich stärkere visuelle Präsenz entfalten, insbesondere im Inkarnat und in den Augenpartien.

Kunsthistorische Bedeutung

Das Gemälde ist ein qualitätvolles Beispiel für barocke Frömmigkeitsmalerei in Italien, deren Ziel nicht die äußere Dramatik, sondern die innere Andacht war. Werke dieser Art bildeten das emotionale Gegenstück zu den monumentalen Altarbildern des Hochbarock – kleinformatig, intim, für das persönliche Gebet geschaffen.

Seine historische und ästhetische Bedeutung liegt somit im Spannungsfeld zwischen Idealismus und Realismus, Andacht und Schmerz, göttlicher Transzendenz und menschlichem Mitleiden.

Zusammenfassung

Ein eindrucksvolles, ausdrucksstarkes Andachtsbild aus der italienischen Schule des 17. Jahrhunderts, in der Tradition der großen römischen und neapolitanischen Barockmalerei. Die feinfühlige Darstellung Christi als Ecce Homo vereint Pathos und Innerlichkeit in ausgewogener Harmonie und bezeugt die tiefe spirituelle Kultur der Epoche.

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