Eine Terrakotta-Skulptur - Cham - Nigeria (Ohne mindestpreis)






Verfügt über einen Postgraduiertenabschluss in Afrikastudien und 15 Jahre Erfahrung in afrikanischer Kunst.
Käuferschutz auf Catawiki
Ihre Zahlung wird von uns sicher verwahrt, bis Sie Ihr Objekt erhalten.Details ansehen
Trustpilot 4.4 | 143878 Bewertungen
Auf Trustpilot als hervorragend bewertet.
Eine Terra-Cotta-Skulptur aus Nigeria, Cham (Chamba) zugerechnet aus der Adamawa-Region, eine Reproduktion.
Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung
Cham Terracotta-Sculptur – Anthropomorphe Ritualgefäß mit stilisierter figuraler Dekoration
Ursprung: Adamawa-Region, Nigeria
Kulturelle Zuschreibung: Cham (Chamba), attribuiert
Material: Gehärtete Tonware, modelliert, mit aufgetragenen Ornamenten, eingekerbter Dekoration und einer ocker- bis rotbraunen Oberfläche
Datierung: Ungewiss
Beschreibung
Dieses anthropomorphe Terracotta-Gefäß aus der Adamawa-Region im östlichen Nigeria zeichnet sich durch ein außergewöhnlich komplexes skulpturales Design aus, in dem die menschliche Figur, der Gefäßkörper und ornamentale Elemente zu einer kohärenten skulpturalen Einheit verschmelzen. Das hohe Objekt besitzt einen voluminösen, fast eiförmigen unteren Körper, der nach oben zu einem reich modellierten menschlichen Brustkorb verjüngt. Oberhalb des robusten Oberkörpers, geschmückt mit skulptierten Details, erhebt sich ein elongated neck, gekrönt von einem großformatigen, expressiv gestalteten Kopf. Besonders auffällig ist der weit geöffnete, nahezu runde Mund, der tief in das Gesicht eingeschnitten ist und vermutlich auch eine funktionale Öffnung des Gefäßes darstellt. Die Nase ist stark betont, während die Augen durch kleine, eingekerbte oder eindrückende Vertiefungen angedeutet werden. Das Gesicht wird seitlich von skulptierten Elementen eingerahmt, die als Ohrringe, Haarteile oder ornamentale Anhänger interpretiert werden können. Der hohe, bogenförmige Kopfschmuck oder die Frisur ist mit regelmäßig angeordneten, reliefartigen Streifen und eingeschnittenen Linien verziert. Eine horizontale, gerippte Band markiert den Übergang zwischen Stirn und Kopfschmuck. Eine nach der Seite des Kopfes gerichtete geneigte Armhaltung steigt empor, deren Hand mit ausgestreckten Fingern deutlich sichtbar ist. Die Geste vermittelt den Eindruck eines Beschwörungs-, Grüß- oder Zeremonialakts, dessen ursprüngliche Bedeutung jedoch unklar bleibt. Der Torso ist mit zahlreichen skulptierten, gebogenen und bandartigen Elementen geschmückt, deren Oberflächen durch regelmäßige Einkerbungen strukturiert sind. Einige dieser Formen erinnern an Halsketten, textile Applikationen oder stilisierte Körbelschmuckstücke. Der Körper des Gefäßes weist eine vergleichsweise glatte, leicht konvexe Oberfläche auf und ist von umlaufenden, dreidimensionalen Bändern begrenzt. Im unteren Abschnitt entwickeln sich mehrere längliche, gerippte Applikationen, die sich bis zum verbreiterten Boden fortsetzen. Die rötlich-braune bis sandfarbene Terrakotta weist zahlreiche Abnutzungen, kleine Absplitterungen, Risse und unregelmäßige Verfärbungen auf. Materialverluste sind insbesondere an den vorspringenden Ornamenten sichtbar. Die erhaltene Oberfläche deutet auf eine lange Geschichte hin, erlaubt jedoch keinen endgültigen Rückschluss auf das tatsächliche Alter des Objekts oder dessen ursprüngliche Aufbewahrungsbedingungen.
Kultureller und geographischer Kontext
Die Cham, die in der ethnographischen Literatur gelegentlich im weiteren Kontext der Chamba-Gruppen diskutiert werden, gehören zu den Volksgruppen im Nordosten Nigerias. Ihre historischen Siedlungsgebiete liegen überwiegend im Einzugsgebiet des Gongola-Flusses und in angrenzenden Regionen der heutigen Adamawa State sowie im Süden des Gombe State. Die Region bildet eine kulturelle Übergangszone zwischen den nigerianischen Hochländern, den Savannen des Benue-Beckens und den westernen Ausläufern der Kamerun-Highlands. Ihre Geschichte ist geprägt von intensiven Kontakten zwischen vielfältigen Bevölkerungsgruppen, darunter Cham, Longuda, Waja, Tula und andere Gemeinschaften. In diesem kulturhistorischen Umfeld entwickelten sich verschiedene Keramiktraditionen, die sowohl funktionale Gefäße als auch anthropomorphe und zoomorphe Terrakotta-Figuren umfassen. Besonders bekannt sind figürliche Gefäße, deren menschliche oder tierische Erscheinung mit einem möglichen rituellen Gebrauch assoziiert wird. Die präzise kulturelle Attribution einzelner Objekte ist jedoch oft schwierig, da Herstellungsverfahren, Ornamentik und religiöse Überzeugungen zwischen benachbarten Gemeinschaften überlappen. Für das vorliegende Gefäß ist eine Zuschreibung zu den Cham plausibel, basierend auf seinem dokumentierten Ursprung und seiner charakteristischen Kombination aus anthropomorpher Modellierung und keramischer Gefäßform. Eine eindeutige Identifikation würde jedoch zusätzliche ethnografische Informationen, vergleichbare Objekte oder eine dokumentierte Provenienz erfordern.
Ikonographie und Symbolik
Das ikonografische Design des Gefäßes wird durch die Kombination einer menschlichen Figur mit einem voluminösen Keramikkörper definiert. Der große, weit geöffnete Mund ist besonders auffällig und verleiht dem Gesicht eine außerordentliche Ausdruckskraft. In verschiedenen afrikanischen bildnerischen Traditionen kann die Darstellung als Laut-, Gesangs-, Beschwörungs- oder Botschaftstransmission interpretiert werden. Allerdings muss bei einem Keramikgefäß auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Öffnung eine praktische Funktion erfüllt, etwa zum Füllen oder Ausgießen von Flüssigkeiten. Die markante Armhaltung mit ausgestreckten Fingern könnte eine zeremonielle Geste anzeigen. Eine Darstellung von Kommunikation oder sozialer Interaktion ist ebenfalls denkbar. Ohne ethnografische Belege bleibt eine konkrete Interpretation spekulativ. Die aufwendige Kopfbedeckung und die zahlreich skulpturalen Ornamentierungen deuten auf eine herausragende Gestalt hin, deren Erscheinungsbild durch markante Attribute gekennzeichnet ist. Die gerippten, gewölbten Überlagerungen könnten Schmuck, Kleidung, Brand- oder Körperschmuck darstellen. In vielen westafrikanischen Gesellschaften dienen solche Merkmale dazu, Schönheit, sozialen Rang oder zeremonielle Identität zu repräsentieren. Es ist jedoch unmöglich festzustellen, ob die vorliegende Skulptur eine bestimmte historische Person, eine spirituelle Autorität oder eine idealisierte menschliche Form darstellt.
Die Skulptur stellt keine spezifische historische Figur, keine spirituelle Autorität und keine idealisierte menschliche Figur dar.
Mögliche rituelle Funktion
Anthropomorphe Terrakotta-Gefäße aus Nordost-Nigeria können im Kontext religiöser, sozialer und zeremonieller Praktiken betrachtet werden. In verschiedenen Gemeinschaften der Region besitzen keramische Objekte eine Bedeutung, die über ihren alltäglichen Gebrauch als Behältnisse hinausgeht. Sie können Teil heilender Rituale, schützender Zeremonien, Ahnenverehrung oder anderer Formen der Kommunikation mit spirituellen Kräften sein. Die Verbindung einer menschlichen Figur mit dem Körper des Gefäßes eröffnet die Möglichkeit, das Objekt zugleich als Behältnis und als bildliche Darstellung einer bestimmten Macht oder Persönlichkeit zu verstehen. Der weit geöffnete Mund könnte in einem solchen Kontext eine doppelte Bedeutung haben: als funktionale Öffnung und als symbolisches Organ der Kommunikation. Ob das vorliegende Stück tatsächlich zum Halten von Flüssigkeiten, Opfern oder anderen Substanzen bestimmt war, lässt sich dem Foto nicht sicher bestimmen. Ebenso bleibt unklar, ob es als eigenständiges Kultgefäß verwendet wurde, Teil eines größeren Ritualapparats war oder eine andere Funktion hatte. Die Bezeichnung als Ritualgefäß ist daher als kulturell und historisch fundierte, aber nicht endgültig feststehende Interpretation zu verstehen.
kunsthistorische Analyse
Aus kunsthistorischer Sicht repräsentiert die Terrakotta ein bemerkenswertes Beispiel für die Fusion keramischer Gefäßarchitektur und figürlicher Skulptur. Die Komposition entwickelt sich aus einem geschlossenen, voluminösen unteren Körper, dessen ruhige, leicht konische Form einen bemerkenswerten Kontrast zum reich artikulierten oberen Abschnitt bildet. Die skulpturalen Applikationen erzeugen einen komplexen Rhythmus aus horizontalen Bändern, vertikalen Streifen und fließenden Ornamenten. Besonders charakteristisch ist die bewusste Betonung des Kopfes, der durch Höhe, ornamentale Gestaltung und großem Mundöffnung zum Fokus der gesamten Komposition wird. Die erhobene Hand durchbricht die weitgehend geschlossene Silhouette und verleiht der Figur eine deutliche gestische Dynamik. Die Modellierung der Körperteile hält sich nicht strikt an eine naturalistische Anatomie, sondern folgt einer künstlerischen Ordnung, in der bestimmte Merkmale bewusst überzeichnet sind. Diese formale Sprache findet sich in verschiedenen Keramiktraditionen Nordost-Nigerias, in denen anthropomorphe Darstellungen häufig durch ausdrucksstarke Gesichter, skulpturale Dekorationselemente und komplexe Oberflächenstrukturen gekennzeichnet sind. Besonders bemerkenswert ist die Beziehung zwischen den glatten Abschnitten des Gefäßkörpers und den dicht ornamentierten Zonen des oberen Teils. Dadurch entsteht eine visuelle Spannung zwischen Ruhe und Bewegung, fester Masse und skulpturaler Differenzierung. Die Keramiktechnik ermöglicht ein direktes, additiv gestaltetes Vorgehen, bei dem einzelne Elemente auf die Basis aufgetragen und anschließend durch Einschnitte oder Vertiefungen strukturiert werden. Diese Methode ist deutlich erkennbar an den reliefartigen Bändern und ornamentalen Überlagerungen. Eine präzise Zuschreibung zu einer bestimmten Werkstatt oder einem einzelnen Töpfer ist aufgrund fehlender vergleichender Dokumentation nicht möglich.
kunsthistorische Bewertung
Die außergewöhnliche künstlerische Qualität dieses Terrakotta-Gefäßes, Cham zugeschrieben, liegt in seiner außerordentlichen Verbindung von funktionaler Grundform, expressiver Anthropomorphisierung und ornamentaler Vielfalt. Der voluminöse Gefäßkörper bildet das stabile Fundament einer komplexen figürlichen Komposition, deren expressiver Reiz besonders im offenen Mund, der erhobenen Hand und dem reich detailliert ausgedehnten Kopf zur Wirkung kommt. Die zahlreichen skulpturalen Details verleihen der Oberfläche eine lebendige, rhythmisch strukturierte Erscheinung und illustrieren die kreativen Möglichkeiten der keramischen Skulptur. Im Kontext der Terrakotta-Traditionen Nordost-Nigerias besitzt das Objekt eine bemerkenswerte skulpturale Präsenz. Es veranschaulicht eine künstlerische Vorstellung, in der die Grenzen zwischen Gefäß, menschlicher Figur und potenziellem Ritualsymbol verschwimmen. Eine genaue Datierung, ursprüngliche Nutzung und der konkrete kulturelle Kontext bleiben offen für Interpretationen ohne ergänzende archäologische oder ethnographische Dokumentation. Die besondere Bedeutung des Werks liegt genau in dieser Verbindung von formaler Autonomie und kulturell-historischer Komplexität.
Literatur
Marla C. Berns: Art, History, and Gender: Women and Clay in West Africa. Indiana University Press, Bloomington, 1993.
Karl-Ferdinand Schaedler: Earth and Ore: 2500 Years of African Art in Terra-Cotta and Metal. Panterra Verlag, München, 1997.
Die genannten Publikationen dienen als allgemeiner kunsthistorischer und ethnografischer Rahmen zur Einordnung westafrikanischer Keramik- und Terrakotta-Traditionen. Sie stellen keine direkte Dokumentation des fraglichen Gefäßes oder eine definitive Zuordnung zu einem bestimmten Cham-Werkatelier dar.
Urheber- und Wissenschaftliche Dokumentation
Ein Teil der Informationen und Fotografien wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und basieren auf veröffentlichten Quellen in Ethnografie, Archäologie und Kunstgeschichte. Originaltexte und Fotografien können urheberrechtlich geschützt sein. Alle Rechte liegen bei den jeweiligen Urheberrechtsinhabern.
Inv. Nr. MAZ31179
Informant: Amadou Dogo
Verkauft ohne TL-Test.
Die Experten von Catawiki führen eine virtuelle Prüfung anhand der im Einreichungsprozess bereitgestellten Informationen, Fotografien, Provenienz und Supporting-Dokumentation durch. Die Annahme eines traditionellen oder antiken afrikanischen Kunstobjekts zum Auktionsverkauf stellt weder eine eigenständige Authentifizierung oder Zertifizierung durch Catawiki dar, noch bedeutet es, dass der Experte von Catawiki das Objekt physisch oder wissenschaftlich authentifiziert, Patina analysiert oder datiert hat. Unter unseren Nutzungsbedingungen und Richtlinien für die Einreichung traditioneller afrikanischer Kunst bleibt der Verkäufer verantwortlich für die Genauigkeit, Rechtmäßigkeit, Provenienz und Authentizität des Objekts und der bereitgestellten Informationen.
Der Verkäufer stellt sich vor
Cham Terracotta-Sculptur – Anthropomorphe Ritualgefäß mit stilisierter figuraler Dekoration
Ursprung: Adamawa-Region, Nigeria
Kulturelle Zuschreibung: Cham (Chamba), attribuiert
Material: Gehärtete Tonware, modelliert, mit aufgetragenen Ornamenten, eingekerbter Dekoration und einer ocker- bis rotbraunen Oberfläche
Datierung: Ungewiss
Beschreibung
Dieses anthropomorphe Terracotta-Gefäß aus der Adamawa-Region im östlichen Nigeria zeichnet sich durch ein außergewöhnlich komplexes skulpturales Design aus, in dem die menschliche Figur, der Gefäßkörper und ornamentale Elemente zu einer kohärenten skulpturalen Einheit verschmelzen. Das hohe Objekt besitzt einen voluminösen, fast eiförmigen unteren Körper, der nach oben zu einem reich modellierten menschlichen Brustkorb verjüngt. Oberhalb des robusten Oberkörpers, geschmückt mit skulptierten Details, erhebt sich ein elongated neck, gekrönt von einem großformatigen, expressiv gestalteten Kopf. Besonders auffällig ist der weit geöffnete, nahezu runde Mund, der tief in das Gesicht eingeschnitten ist und vermutlich auch eine funktionale Öffnung des Gefäßes darstellt. Die Nase ist stark betont, während die Augen durch kleine, eingekerbte oder eindrückende Vertiefungen angedeutet werden. Das Gesicht wird seitlich von skulptierten Elementen eingerahmt, die als Ohrringe, Haarteile oder ornamentale Anhänger interpretiert werden können. Der hohe, bogenförmige Kopfschmuck oder die Frisur ist mit regelmäßig angeordneten, reliefartigen Streifen und eingeschnittenen Linien verziert. Eine horizontale, gerippte Band markiert den Übergang zwischen Stirn und Kopfschmuck. Eine nach der Seite des Kopfes gerichtete geneigte Armhaltung steigt empor, deren Hand mit ausgestreckten Fingern deutlich sichtbar ist. Die Geste vermittelt den Eindruck eines Beschwörungs-, Grüß- oder Zeremonialakts, dessen ursprüngliche Bedeutung jedoch unklar bleibt. Der Torso ist mit zahlreichen skulptierten, gebogenen und bandartigen Elementen geschmückt, deren Oberflächen durch regelmäßige Einkerbungen strukturiert sind. Einige dieser Formen erinnern an Halsketten, textile Applikationen oder stilisierte Körbelschmuckstücke. Der Körper des Gefäßes weist eine vergleichsweise glatte, leicht konvexe Oberfläche auf und ist von umlaufenden, dreidimensionalen Bändern begrenzt. Im unteren Abschnitt entwickeln sich mehrere längliche, gerippte Applikationen, die sich bis zum verbreiterten Boden fortsetzen. Die rötlich-braune bis sandfarbene Terrakotta weist zahlreiche Abnutzungen, kleine Absplitterungen, Risse und unregelmäßige Verfärbungen auf. Materialverluste sind insbesondere an den vorspringenden Ornamenten sichtbar. Die erhaltene Oberfläche deutet auf eine lange Geschichte hin, erlaubt jedoch keinen endgültigen Rückschluss auf das tatsächliche Alter des Objekts oder dessen ursprüngliche Aufbewahrungsbedingungen.
Kultureller und geographischer Kontext
Die Cham, die in der ethnographischen Literatur gelegentlich im weiteren Kontext der Chamba-Gruppen diskutiert werden, gehören zu den Volksgruppen im Nordosten Nigerias. Ihre historischen Siedlungsgebiete liegen überwiegend im Einzugsgebiet des Gongola-Flusses und in angrenzenden Regionen der heutigen Adamawa State sowie im Süden des Gombe State. Die Region bildet eine kulturelle Übergangszone zwischen den nigerianischen Hochländern, den Savannen des Benue-Beckens und den westernen Ausläufern der Kamerun-Highlands. Ihre Geschichte ist geprägt von intensiven Kontakten zwischen vielfältigen Bevölkerungsgruppen, darunter Cham, Longuda, Waja, Tula und andere Gemeinschaften. In diesem kulturhistorischen Umfeld entwickelten sich verschiedene Keramiktraditionen, die sowohl funktionale Gefäße als auch anthropomorphe und zoomorphe Terrakotta-Figuren umfassen. Besonders bekannt sind figürliche Gefäße, deren menschliche oder tierische Erscheinung mit einem möglichen rituellen Gebrauch assoziiert wird. Die präzise kulturelle Attribution einzelner Objekte ist jedoch oft schwierig, da Herstellungsverfahren, Ornamentik und religiöse Überzeugungen zwischen benachbarten Gemeinschaften überlappen. Für das vorliegende Gefäß ist eine Zuschreibung zu den Cham plausibel, basierend auf seinem dokumentierten Ursprung und seiner charakteristischen Kombination aus anthropomorpher Modellierung und keramischer Gefäßform. Eine eindeutige Identifikation würde jedoch zusätzliche ethnografische Informationen, vergleichbare Objekte oder eine dokumentierte Provenienz erfordern.
Ikonographie und Symbolik
Das ikonografische Design des Gefäßes wird durch die Kombination einer menschlichen Figur mit einem voluminösen Keramikkörper definiert. Der große, weit geöffnete Mund ist besonders auffällig und verleiht dem Gesicht eine außerordentliche Ausdruckskraft. In verschiedenen afrikanischen bildnerischen Traditionen kann die Darstellung als Laut-, Gesangs-, Beschwörungs- oder Botschaftstransmission interpretiert werden. Allerdings muss bei einem Keramikgefäß auch die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass die Öffnung eine praktische Funktion erfüllt, etwa zum Füllen oder Ausgießen von Flüssigkeiten. Die markante Armhaltung mit ausgestreckten Fingern könnte eine zeremonielle Geste anzeigen. Eine Darstellung von Kommunikation oder sozialer Interaktion ist ebenfalls denkbar. Ohne ethnografische Belege bleibt eine konkrete Interpretation spekulativ. Die aufwendige Kopfbedeckung und die zahlreich skulpturalen Ornamentierungen deuten auf eine herausragende Gestalt hin, deren Erscheinungsbild durch markante Attribute gekennzeichnet ist. Die gerippten, gewölbten Überlagerungen könnten Schmuck, Kleidung, Brand- oder Körperschmuck darstellen. In vielen westafrikanischen Gesellschaften dienen solche Merkmale dazu, Schönheit, sozialen Rang oder zeremonielle Identität zu repräsentieren. Es ist jedoch unmöglich festzustellen, ob die vorliegende Skulptur eine bestimmte historische Person, eine spirituelle Autorität oder eine idealisierte menschliche Form darstellt.
Die Skulptur stellt keine spezifische historische Figur, keine spirituelle Autorität und keine idealisierte menschliche Figur dar.
Mögliche rituelle Funktion
Anthropomorphe Terrakotta-Gefäße aus Nordost-Nigeria können im Kontext religiöser, sozialer und zeremonieller Praktiken betrachtet werden. In verschiedenen Gemeinschaften der Region besitzen keramische Objekte eine Bedeutung, die über ihren alltäglichen Gebrauch als Behältnisse hinausgeht. Sie können Teil heilender Rituale, schützender Zeremonien, Ahnenverehrung oder anderer Formen der Kommunikation mit spirituellen Kräften sein. Die Verbindung einer menschlichen Figur mit dem Körper des Gefäßes eröffnet die Möglichkeit, das Objekt zugleich als Behältnis und als bildliche Darstellung einer bestimmten Macht oder Persönlichkeit zu verstehen. Der weit geöffnete Mund könnte in einem solchen Kontext eine doppelte Bedeutung haben: als funktionale Öffnung und als symbolisches Organ der Kommunikation. Ob das vorliegende Stück tatsächlich zum Halten von Flüssigkeiten, Opfern oder anderen Substanzen bestimmt war, lässt sich dem Foto nicht sicher bestimmen. Ebenso bleibt unklar, ob es als eigenständiges Kultgefäß verwendet wurde, Teil eines größeren Ritualapparats war oder eine andere Funktion hatte. Die Bezeichnung als Ritualgefäß ist daher als kulturell und historisch fundierte, aber nicht endgültig feststehende Interpretation zu verstehen.
kunsthistorische Analyse
Aus kunsthistorischer Sicht repräsentiert die Terrakotta ein bemerkenswertes Beispiel für die Fusion keramischer Gefäßarchitektur und figürlicher Skulptur. Die Komposition entwickelt sich aus einem geschlossenen, voluminösen unteren Körper, dessen ruhige, leicht konische Form einen bemerkenswerten Kontrast zum reich artikulierten oberen Abschnitt bildet. Die skulpturalen Applikationen erzeugen einen komplexen Rhythmus aus horizontalen Bändern, vertikalen Streifen und fließenden Ornamenten. Besonders charakteristisch ist die bewusste Betonung des Kopfes, der durch Höhe, ornamentale Gestaltung und großem Mundöffnung zum Fokus der gesamten Komposition wird. Die erhobene Hand durchbricht die weitgehend geschlossene Silhouette und verleiht der Figur eine deutliche gestische Dynamik. Die Modellierung der Körperteile hält sich nicht strikt an eine naturalistische Anatomie, sondern folgt einer künstlerischen Ordnung, in der bestimmte Merkmale bewusst überzeichnet sind. Diese formale Sprache findet sich in verschiedenen Keramiktraditionen Nordost-Nigerias, in denen anthropomorphe Darstellungen häufig durch ausdrucksstarke Gesichter, skulpturale Dekorationselemente und komplexe Oberflächenstrukturen gekennzeichnet sind. Besonders bemerkenswert ist die Beziehung zwischen den glatten Abschnitten des Gefäßkörpers und den dicht ornamentierten Zonen des oberen Teils. Dadurch entsteht eine visuelle Spannung zwischen Ruhe und Bewegung, fester Masse und skulpturaler Differenzierung. Die Keramiktechnik ermöglicht ein direktes, additiv gestaltetes Vorgehen, bei dem einzelne Elemente auf die Basis aufgetragen und anschließend durch Einschnitte oder Vertiefungen strukturiert werden. Diese Methode ist deutlich erkennbar an den reliefartigen Bändern und ornamentalen Überlagerungen. Eine präzise Zuschreibung zu einer bestimmten Werkstatt oder einem einzelnen Töpfer ist aufgrund fehlender vergleichender Dokumentation nicht möglich.
kunsthistorische Bewertung
Die außergewöhnliche künstlerische Qualität dieses Terrakotta-Gefäßes, Cham zugeschrieben, liegt in seiner außerordentlichen Verbindung von funktionaler Grundform, expressiver Anthropomorphisierung und ornamentaler Vielfalt. Der voluminöse Gefäßkörper bildet das stabile Fundament einer komplexen figürlichen Komposition, deren expressiver Reiz besonders im offenen Mund, der erhobenen Hand und dem reich detailliert ausgedehnten Kopf zur Wirkung kommt. Die zahlreichen skulpturalen Details verleihen der Oberfläche eine lebendige, rhythmisch strukturierte Erscheinung und illustrieren die kreativen Möglichkeiten der keramischen Skulptur. Im Kontext der Terrakotta-Traditionen Nordost-Nigerias besitzt das Objekt eine bemerkenswerte skulpturale Präsenz. Es veranschaulicht eine künstlerische Vorstellung, in der die Grenzen zwischen Gefäß, menschlicher Figur und potenziellem Ritualsymbol verschwimmen. Eine genaue Datierung, ursprüngliche Nutzung und der konkrete kulturelle Kontext bleiben offen für Interpretationen ohne ergänzende archäologische oder ethnographische Dokumentation. Die besondere Bedeutung des Werks liegt genau in dieser Verbindung von formaler Autonomie und kulturell-historischer Komplexität.
Literatur
Marla C. Berns: Art, History, and Gender: Women and Clay in West Africa. Indiana University Press, Bloomington, 1993.
Karl-Ferdinand Schaedler: Earth and Ore: 2500 Years of African Art in Terra-Cotta and Metal. Panterra Verlag, München, 1997.
Die genannten Publikationen dienen als allgemeiner kunsthistorischer und ethnografischer Rahmen zur Einordnung westafrikanischer Keramik- und Terrakotta-Traditionen. Sie stellen keine direkte Dokumentation des fraglichen Gefäßes oder eine definitive Zuordnung zu einem bestimmten Cham-Werkatelier dar.
Urheber- und Wissenschaftliche Dokumentation
Ein Teil der Informationen und Fotografien wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und basieren auf veröffentlichten Quellen in Ethnografie, Archäologie und Kunstgeschichte. Originaltexte und Fotografien können urheberrechtlich geschützt sein. Alle Rechte liegen bei den jeweiligen Urheberrechtsinhabern.
Inv. Nr. MAZ31179
Informant: Amadou Dogo
Verkauft ohne TL-Test.
Die Experten von Catawiki führen eine virtuelle Prüfung anhand der im Einreichungsprozess bereitgestellten Informationen, Fotografien, Provenienz und Supporting-Dokumentation durch. Die Annahme eines traditionellen oder antiken afrikanischen Kunstobjekts zum Auktionsverkauf stellt weder eine eigenständige Authentifizierung oder Zertifizierung durch Catawiki dar, noch bedeutet es, dass der Experte von Catawiki das Objekt physisch oder wissenschaftlich authentifiziert, Patina analysiert oder datiert hat. Unter unseren Nutzungsbedingungen und Richtlinien für die Einreichung traditioneller afrikanischer Kunst bleibt der Verkäufer verantwortlich für die Genauigkeit, Rechtmäßigkeit, Provenienz und Authentizität des Objekts und der bereitgestellten Informationen.
Der Verkäufer stellt sich vor
Details
Rechtliche Informationen des Verkäufers
- Unternehmen:
- Jaenicke Njoya GmbH
- Repräsentant:
- Wolfgang Jaenicke
- Adresse:
- Jaenicke Njoya GmbH
Klausenerplatz 7
14059 Berlin
GERMANY - Telefonnummer:
- +493033951033
- Email:
- w.jaenicke@jaenicke-njoya.com
- USt-IdNr.:
- DE241193499
AGB
AGB des Verkäufers. Mit einem Gebot auf dieses Los akzeptieren Sie ebenfalls die AGB des Verkäufers.
Widerrufsbelehrung
- Frist: 14 Tage sowie gemäß den hier angegebenen Bedingungen
- Rücksendkosten: Käufer trägt die unmittelbaren Kosten der Rücksendung der Ware
- Vollständige Widerrufsbelehrung
