Eine Bronzeskulptur - Zahnbelag - Benin - Nigeria






Verfügt über einen Postgraduiertenabschluss in Afrikastudien und 15 Jahre Erfahrung in afrikanischer Kunst.
3 € | ||
|---|---|---|
2 € | ||
1 € |
Käuferschutz auf Catawiki
Ihre Zahlung wird von uns sicher verwahrt, bis Sie Ihr Objekt erhalten.Details ansehen
Trustpilot 4.4 | 144916 Bewertungen
Auf Trustpilot als hervorragend bewertet.
Diese originale Bronze-Reliefplakette aus Benin, Nigeria, zeigt einen portugiesischen Artilleristen, der von fünf Manillen umgeben ist, und stammt aus Nigeria.
Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung
Reliefplakette mit der Darstellung eines portugiesischen Artilleristen und fünf Manillas
Herkunft: Königreich Benin, heutiges Nigeria, Edo-Kultur
Datierung: In der Tradition der Benin-Hofkunst des 16.–17. Jahrhunderts; das Herstellungsdatum der vorliegenden Plakette ist nicht abschließend geklärt
Material: Kupferlegierung, traditionell als Bronze bezeichnet
Technik: Reliefguss, vermutlich im Wachsausschmelzverfahren
Maße: Ca. 51,5 × 36,5 cm, Höhe × Breite, laut Laborbericht; Ausrichtung der Maße vorbehaltlich einer Überprüfung
Inventarnummer: MAZ34586
Sammlung: Galerie Wolfgang Jaenicke
Ausstellung: Galerie Wolfgang Jaenicke, 2022
Provenienz: Nigeria.
Spätestens seit 2018 (dem Projekt Translocation an der Technischen Universität Berlin) ist die Commission of Museums and Monuments, Abuja (NCMM), über unseren Handel mit Benin-Bronzen informiert. Seitdem wurden keine Rückgabeforderungen erhoben.
Wissenschaftliche Untersuchung: Ralf-Kotalla-Labor, Thermolumineszenzbericht Nr. 22R090826 vom 27. Oktober 2026
Montierung: Metallhalterung mit Holzsockel, Bestandteil des Inventars der Galerie Wolfgang Jaenicke
Beschreibung
Die rechteckige Reliefplakette zeigt eine bärtige europäische Militärfigur in Frontalansicht, die anhand ihrer charakteristischen Kleidung, Waffen und ikonografischen Attribute als portugiesischer Soldat, genauer als Artillerist, zu identifizieren ist. Sein Kopf ist von einer gerundeten, helmähnlichen Kopfbedeckung mit einem ausgeprägten horizontalen Band über der Stirn bedeckt. Fein eingravierte Haarpartien fallen zu beiden Seiten des Gesichts bis zu den Schultern herab. Die Gesichtszüge sind sorgfältig ausgearbeitet, mit großen mandelförmigen Augen, einer markanten Nase, einem plastisch geformten Mund und einem langen, mit vertikalen Riefen verzierten Bart. Die Figur trägt eine eng anliegende, geknöpfte Jacke, einen kurzen, stark gefältelten Rock, gemusterte Kniehosen und hohe Stiefel. In der rechten Hand hält sie einen langen, senkrecht ausgerichteten Luntenstock, eine Stange, die bei der Bedienung früher Feuerwaffen und Artillerie verwendet wurde. Sein charakteristisches, gegabeltes, dreiteiliges Ende diente vermutlich dazu, ein Stück glimmende Lunte zu halten, mit der der Kanonier die Zündladung einer Kanone entzünden konnte, während er einen gewissen Abstand zur Waffe wahrte. Die linke Hand umfasst den Griff eines schräg nach unten gerichteten Schwertes, was die militärische Identität der Figur unterstreicht. Die Figur ist von fünf hufeisenförmigen Metallringen mit verdickten Enden umgeben, die als Manillas zu identifizieren sind. Zwei befinden sich im oberen Bildbereich, einer neben der Figur rechts und zwei im unteren Bereich. Der Hintergrund ist mit fein gravierten geometrischen und floralen Motiven verziert. Die ausgeprägten Unterschiede in der Reliefhöhe zwischen der zentralen Figur, den Manillas und dem ornamentierten Hintergrund erzeugen eine sorgfältig gegliederte Komposition und betonen die Hervorhebung der zentralen Figur. Die Plakette wird auf einer Metallhalterung mit rechteckigem Holzsockel präsentiert. Dieser Sockel gehört zum Inventar der Galerie Wolfgang Jaenicke und ist kein ursprünglicher Bestandteil des historischen Kunstwerks.
Kunsthistorischer Kontext
Die Darstellung gehört zu einer wichtigen ikonografischen Kategorie innerhalb der höfischen Metallkunsttradition des Königreichs Benin, in der Europäer, insbesondere portugiesische Kaufleute, Soldaten und diplomatische Vertreter, als bedeutende Motive erscheinen. Ab dem späten 15. Jahrhundert entwickelten sich diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zwischen dem Königreich Benin und Portugal, die den Austausch von Kupferlegierungen, Textilien, Luxusgütern und Militärtechnologie umfassten. Die Darstellung eines portugiesischen Artilleristen spiegelt diese frühe Kontaktphase zwischen Westafrika und Europa wider. Besonders aufschlussreich ist der aufrecht gehaltene Luntenstock, dessen gegabeltes Ende auf die Verwendung einer glimmenden Lunte bei der Bedienung früher Artillerie hinweist. Dieses Attribut ermöglicht eine genauere Identifizierung als die allgemeine Bezeichnung einer bewaffneten portugiesischen Figur. Möglicherweise stellt die Figur einen portugiesischen Kanonier, einen sogenannten Bombardeiro, dar. Die Kombination von Schwert und Luntenstock verbindet persönliche militärische Ausrüstung mit einer spezialisierten Artilleriefunktion. In der Bildsprache der Benin-Hofkunst waren solche Figuren nicht notwendigerweise lediglich Darstellungen ausländischer Personen. Sie konnten auch als Symbole königlicher Autorität, internationaler Verbindungen und des Zugangs zu wertvollen militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen dienen. Historische Benin-Reliefplaketten wurden von spezialisierten Metallarbeitern hergestellt, die dem Königshof zugeordnet waren, und dienten unter anderem der architektonischen und zeremoniellen Ausstattung des Königspalasts in Benin City. Ob die vorliegende Plakette ursprünglich eine vergleichbare architektonische Funktion erfüllte, lässt sich anhand der verfügbaren Dokumentation nicht feststellen.
Symbolik der Manillas
Die fünf Manillas, die die zentrale Figur umgeben, sind ein wesentlicher Bestandteil der Komposition. Diese hufeisenförmigen Ringe, die in der Regel aus Kupferlegierungen gefertigt wurden, dienten in verschiedenen Regionen Westafrikas als Zahlungsmittel und als Quelle wertvollen Metalls. Importiertes Kupfer und Messing spielten eine wichtige Rolle in den Handelsbeziehungen zwischen europäischen Kaufleuten und dem Königreich Benin. Diese Importe waren besonders bedeutsam, da Kupferlegierungen wichtige Rohstoffe für die Herstellung königlicher Gussarbeiten lieferten. Die Verbindung des portugiesischen Artilleristen mit fünf Manillas vereint somit zwei zentrale Aspekte der historischen Beziehungen zwischen Benin und Europa: den Austausch von Militärtechnologie und die Verfügbarkeit wertvoller Metallressourcen. Zugleich bilden die wiederkehrenden Formen der Manillas einen dekorativen Rahmen, der die zentrale Figur hervorhebt. Die Komposition lässt sich folglich sowohl als Darstellung eines europäischen Militärspezialisten als auch als bildlicher Ausdruck der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen dem Königreich Benin und Portugal verstehen.
Vergleichsbeispiele und kunsthistorische Einordnung
Eine besonders enge ikonografische Parallele befindet sich im Weltmuseum Wien unter der Inventarnummer 64799. Diese Reliefplakette zeigt eine portugiesische Figur mit Luntenstock und fünf Manillas und ist bei Digital Benin unter der Katalogreferenz 50_VO64799 dokumentiert. Ein weiterer wichtiger Vergleich findet sich im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Inventarnummer MAf 34539. Auch dieses Werk zeigt eine portugiesische Figur in Frontalansicht mit Luntenstock und Schwert, umgeben von fünf Manillas. Die Leipziger Plakette gelangte vor 1897 in eine Sammlung und verfügt daher über eine dokumentierte Sammlungsgeschichte. Gregor M. Metzig veröffentlichte das Werk 2016 im Rahmen seiner Untersuchung des Warenaustauschs zwischen dem Königreich Benin und Portugal. Die Ähnlichkeiten zwischen diesen Museumsbeispielen und der Plakette MAZ34586 betreffen die Haltung der zentralen Figur, ihre Kleidung und militärischen Attribute sowie die Anordnung der Manillas. Diese Übereinstimmungen belegen die Zugehörigkeit der Komposition zu einem historisch dokumentierten ikonografischen Typus, erlauben jedoch keine unabhängige Bestimmung des Herstellungsdatums des vorliegenden Gusses. Ein möglicher direkter Zusammenhang zwischen Gussmodellen oder die Reproduktion eines historischen Vorbilds müsste durch genaue Vergleichsmessungen, fotografische Überlagerungen und technische Untersuchung des Gusses geprüft werden.
Wissenschaftliche Untersuchung und Datierung
Der vom Ralf-Kotalla-Labor erstellte Thermolumineszenzbericht Nr. 22R090826 vom 27. Oktober 2026 datiert das untersuchte Probenmaterial auf ein Alter von etwa 380 Jahren bei einer angegebenen Unsicherheit von ±22,8 Prozent. Die auf Seite 9 dargestellte Berechnung ergibt ein Ergebnis von 383 ± 87 Jahren, entsprechend einer geschätzten Datierung um 1643 n. Chr. Der daraus resultierende ungefähre Zeitraum von 1556 bis 1730 n. Chr. ist weitgehend mit der traditionellen kunsthistorischen Datierung historischer Benin-Reliefplaketten vereinbar. Die Thermolumineszenzanalyse bezieht sich jedoch konkret auf die untersuchten mineralischen Bestandteile und den Zeitpunkt ihrer letzten ausreichenden Erhitzung. Eine metallurgische Untersuchung kann die Elementzusammensetzung der Legierung bestimmen, aber im Allgemeinen kein genaues Herstellungsdatum liefern und die Echtheit als historischer Guss nur innerhalb gewisser Grenzen bestätigen. Wenn originales keramisches Gusskernmaterial vorhanden ist, stellt die Thermolumineszenzanalyse eine wichtige wissenschaftliche Methode zur Schätzung des Zeitpunkts seiner letzten ausreichenden Erhitzung dar. Inwieweit sich ein solches Ergebnis auf das Herstellungsdatum des gesamten Metallobjekts übertragen lässt, hängt davon ab, ob ein nachweisbarer Zusammenhang zwischen dem beprobten Kernmaterial und dem ursprünglichen Gussverfahren hergestellt werden kann. Der Kotalla-Bericht beschränkt seine Schlussfolgerungen ausdrücklich auf die untersuchten Proben und nicht auf das Objekt als Ganzes. Das angegebene Datum sollte daher als wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Dokumentation betrachtet werden, nicht jedoch als unabhängige und abschließende Authentifizierung der gesamten Plakette.
Zustandsbericht
Die Plakette weist ein gealtertes Erscheinungsbild mit örtlichen Beschädigungen und unregelmäßigen Oberflächenveränderungen auf. Die zentrale Figur ist weitgehend intakt, einschließlich Luntenstock, Schwert und der wesentlichen Kostümdetails. Alle fünf Manillas sind an ihren ursprünglichen Positionen in der Komposition erkennbar. Die Vorderseite zeigt eine heterogene Oberfläche, die überwiegend dunkelgrau bis bräunlich-schwarz gefärbt ist und stellenweise grünliche sowie rötlich-ockerfarbene Bereiche aufweist. Eine deutlich sichtbare, rissähnliche Linie verläuft von der Oberkante unmittelbar rechts neben der Kopfbedeckung der Figur nach unten. Die Außenkanten weisen Unregelmäßigkeiten, örtliche Materialverluste und mögliche Verformungen auf. Verluste und Abplatzungen sind besonders entlang der Unterkante erkennbar. Auf der Rückseite befinden sich erhebliche Hohlräume, die der Figur und den umgebenden Dekorelementen entsprechen. Die Seitenansichten verdeutlichen den starken plastischen Vorsprung der zentralen Figur und die unregelmäßige Stärke der tragenden Reliefplatte. Örtliche Ablagerungen, Porosität und unterschiedliche Grade des Oberflächenabriebs sind sichtbar. Ob einzelne Veränderungen auf natürliche Alterungsprozesse, ursprüngliche Merkmale des Gusses oder spätere Eingriffe zurückzuführen sind, lässt sich anhand der Fotografien nicht abschließend bestimmen. Die vorhandene Metallhalterung und der Holzsockel gehören zum Inventar der Galerie Wolfgang Jaenicke und dienen der aktuellen Präsentation. Eine konservatorische Beurteilung der sichtbaren Risse, der strukturellen Stabilität der Kanten und der Kontaktstellen zwischen der Plakette und ihrem Montierungssystem wäre ratsam. Der vorliegende Zustandsbericht beruht auf fotografischer Dokumentation und ersetzt keine direkte Untersuchung durch eine qualifizierte Metallrestauratorin oder einen qualifizierten Metallrestaurator.
Kunsthistorische Beurteilung
Die Reliefplakette MAZ34586 ist aufgrund ihrer komplexen Ikonografie und ihrer engen Beziehung zu dokumentierten historischen Beispielen in Museumssammlungen von beträchtlichem kunsthistorischem Interesse. Die Kombination eines portugiesischen Artilleristen mit Luntenstock und Schwert, umgeben von fünf Manillas, veranschaulicht die historische Bedeutung des Königreichs Benin als politisches und wirtschaftliches Zentrum mit weitreichenden internationalen Verbindungen. Besonders bemerkenswert ist die detaillierte Darstellung der europäischen Militärfigur, deren charakteristische Kleidung und Ausrüstung im Rahmen der künstlerischen Konventionen der Benin-Hofmetallkunst interpretiert wurden. Die sichtbaren Oberflächenmerkmale, die unregelmäßige Gestaltung der Rückseite und die vorliegenden Thermolumineszenzergebnisse liefern relevante Anhaltspunkte für weitere technische und wissenschaftliche Untersuchungen. Sie ermöglichen jedoch keine endgültige Bestimmung des Herstellungsdatums oder der Echtheit des Objekts als Ganzes. Die gesicherte kunsthistorische Schlussfolgerung betrifft die Verbindung der Bildsprache mit der Tradition der Benin-Reliefplaketten des 16. und 17. Jahrhunderts. Jede weitergehende Zuschreibung sollte durch zusätzliche metallurgische, technische und provenancebezogene Forschung gestützt werden.
Literatur und Vergleichsobjekte
Gregor M. Metzig: „Corals, Brass and Firearms. Material Commodities in Cultural Interactions between Edo and Portuguese in Benin around 1500“, in Harriet Rudolph und Gregor M. Metzig (Hrsg.), Material Culture in Modern Diplomacy from the 15th to the 20th Century, Berlin/Boston, 2016, S. 29–54, insbesondere S. 47, Abb. 6.
Kathryn Wysocki Gunsch: The Benin Plaques: A 16th Century Imperial Monument, London/New York, 2018.
Weltmuseum Wien: Reliefplakette, „Portuguese with Linstock and Five Manillas“, Inventarnummer 64799; Digital Benin, Katalogreferenz 50_VO64799.
GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig: Reliefplakette, „European (Portuguese) Surrounded by Five Manillas“, Inventarnummer MAf 34539.
Ralf-Kotalla-Labor: Thermolumineszenzbericht Nr. 22R090826, Haigerloch, 27. Oktober 2026, neun Seiten.
Urheberrecht und wissenschaftliche Dokumentation
Einige der Informationen und Fotografien wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und beruhen auf veröffentlichten Quellen aus Ethnografie, Archäologie und Kunstgeschichte. Originaltexte und Fotografien können urheberrechtlich geschützt sein. Alle Rechte verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern.
Catawiki stellt für traditionelle oder antike afrikanische Kunstobjekte keine Echtheitszertifikate aus. Unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Richtlinien für das Einreichen traditioneller afrikanischer Kunst verpflichten Verkäufer dazu, genaue und vollständige Angaben zur Echtheit, Provenienz und rechtmäßigen Herkunft ihrer Objekte sowie gegebenenfalls entsprechende Belege vorzulegen. Die Richtlinien verlangen nicht in jedem Fall, dass diese Belege in Form eines unabhängig ausgestellten Echtheitszertifikats vorliegen.
Legt ein Verkäufer ein selbst ausgestelltes Zertifikat oder eine eigene Erklärung zur Echtheit vor, so handelt es sich um eine Erklärung des Verkäufers selbst, die nicht als unabhängige Zertifizierung durch Dritte oder als Zertifizierung durch Catawiki zu verstehen ist. Wird im Angebot ausdrücklich angegeben, dass dem Objekt ein Echtheitszertifikat beigelegt wird, wird vom Verkäufer erwartet, dieses Dokument wie beschrieben bereitzustellen.
Die Experten von Catawiki nehmen eine virtuelle Prüfung anhand der Informationen, Fotografien, Provenienzangaben und Belege vor, die während des Einreichungsverfahrens zur Verfügung gestellt werden. Die Annahme eines traditionellen oder antiken afrikanischen Kunstobjekts zur Versteigerung stellt weder eine unabhängige Authentifizierung oder Zertifizierung durch Catawiki dar, noch bedeutet sie, dass ein Catawiki-Experte das Objekt physisch oder wissenschaftlich authentifiziert, die Patina untersucht oder das Objekt datiert hat. Gemäß unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Richtlinien für das Einreichen traditioneller afrikanischer Kunst bleibt der Verkäufer für die Richtigkeit und Rechtmäßigkeit der Angaben sowie für Provenienz und Echtheit des Objekts verantwortlich.
Der Verkäufer stellt sich vor
Reliefplakette mit der Darstellung eines portugiesischen Artilleristen und fünf Manillas
Herkunft: Königreich Benin, heutiges Nigeria, Edo-Kultur
Datierung: In der Tradition der Benin-Hofkunst des 16.–17. Jahrhunderts; das Herstellungsdatum der vorliegenden Plakette ist nicht abschließend geklärt
Material: Kupferlegierung, traditionell als Bronze bezeichnet
Technik: Reliefguss, vermutlich im Wachsausschmelzverfahren
Maße: Ca. 51,5 × 36,5 cm, Höhe × Breite, laut Laborbericht; Ausrichtung der Maße vorbehaltlich einer Überprüfung
Inventarnummer: MAZ34586
Sammlung: Galerie Wolfgang Jaenicke
Ausstellung: Galerie Wolfgang Jaenicke, 2022
Provenienz: Nigeria.
Spätestens seit 2018 (dem Projekt Translocation an der Technischen Universität Berlin) ist die Commission of Museums and Monuments, Abuja (NCMM), über unseren Handel mit Benin-Bronzen informiert. Seitdem wurden keine Rückgabeforderungen erhoben.
Wissenschaftliche Untersuchung: Ralf-Kotalla-Labor, Thermolumineszenzbericht Nr. 22R090826 vom 27. Oktober 2026
Montierung: Metallhalterung mit Holzsockel, Bestandteil des Inventars der Galerie Wolfgang Jaenicke
Beschreibung
Die rechteckige Reliefplakette zeigt eine bärtige europäische Militärfigur in Frontalansicht, die anhand ihrer charakteristischen Kleidung, Waffen und ikonografischen Attribute als portugiesischer Soldat, genauer als Artillerist, zu identifizieren ist. Sein Kopf ist von einer gerundeten, helmähnlichen Kopfbedeckung mit einem ausgeprägten horizontalen Band über der Stirn bedeckt. Fein eingravierte Haarpartien fallen zu beiden Seiten des Gesichts bis zu den Schultern herab. Die Gesichtszüge sind sorgfältig ausgearbeitet, mit großen mandelförmigen Augen, einer markanten Nase, einem plastisch geformten Mund und einem langen, mit vertikalen Riefen verzierten Bart. Die Figur trägt eine eng anliegende, geknöpfte Jacke, einen kurzen, stark gefältelten Rock, gemusterte Kniehosen und hohe Stiefel. In der rechten Hand hält sie einen langen, senkrecht ausgerichteten Luntenstock, eine Stange, die bei der Bedienung früher Feuerwaffen und Artillerie verwendet wurde. Sein charakteristisches, gegabeltes, dreiteiliges Ende diente vermutlich dazu, ein Stück glimmende Lunte zu halten, mit der der Kanonier die Zündladung einer Kanone entzünden konnte, während er einen gewissen Abstand zur Waffe wahrte. Die linke Hand umfasst den Griff eines schräg nach unten gerichteten Schwertes, was die militärische Identität der Figur unterstreicht. Die Figur ist von fünf hufeisenförmigen Metallringen mit verdickten Enden umgeben, die als Manillas zu identifizieren sind. Zwei befinden sich im oberen Bildbereich, einer neben der Figur rechts und zwei im unteren Bereich. Der Hintergrund ist mit fein gravierten geometrischen und floralen Motiven verziert. Die ausgeprägten Unterschiede in der Reliefhöhe zwischen der zentralen Figur, den Manillas und dem ornamentierten Hintergrund erzeugen eine sorgfältig gegliederte Komposition und betonen die Hervorhebung der zentralen Figur. Die Plakette wird auf einer Metallhalterung mit rechteckigem Holzsockel präsentiert. Dieser Sockel gehört zum Inventar der Galerie Wolfgang Jaenicke und ist kein ursprünglicher Bestandteil des historischen Kunstwerks.
Kunsthistorischer Kontext
Die Darstellung gehört zu einer wichtigen ikonografischen Kategorie innerhalb der höfischen Metallkunsttradition des Königreichs Benin, in der Europäer, insbesondere portugiesische Kaufleute, Soldaten und diplomatische Vertreter, als bedeutende Motive erscheinen. Ab dem späten 15. Jahrhundert entwickelten sich diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zwischen dem Königreich Benin und Portugal, die den Austausch von Kupferlegierungen, Textilien, Luxusgütern und Militärtechnologie umfassten. Die Darstellung eines portugiesischen Artilleristen spiegelt diese frühe Kontaktphase zwischen Westafrika und Europa wider. Besonders aufschlussreich ist der aufrecht gehaltene Luntenstock, dessen gegabeltes Ende auf die Verwendung einer glimmenden Lunte bei der Bedienung früher Artillerie hinweist. Dieses Attribut ermöglicht eine genauere Identifizierung als die allgemeine Bezeichnung einer bewaffneten portugiesischen Figur. Möglicherweise stellt die Figur einen portugiesischen Kanonier, einen sogenannten Bombardeiro, dar. Die Kombination von Schwert und Luntenstock verbindet persönliche militärische Ausrüstung mit einer spezialisierten Artilleriefunktion. In der Bildsprache der Benin-Hofkunst waren solche Figuren nicht notwendigerweise lediglich Darstellungen ausländischer Personen. Sie konnten auch als Symbole königlicher Autorität, internationaler Verbindungen und des Zugangs zu wertvollen militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen dienen. Historische Benin-Reliefplaketten wurden von spezialisierten Metallarbeitern hergestellt, die dem Königshof zugeordnet waren, und dienten unter anderem der architektonischen und zeremoniellen Ausstattung des Königspalasts in Benin City. Ob die vorliegende Plakette ursprünglich eine vergleichbare architektonische Funktion erfüllte, lässt sich anhand der verfügbaren Dokumentation nicht feststellen.
Symbolik der Manillas
Die fünf Manillas, die die zentrale Figur umgeben, sind ein wesentlicher Bestandteil der Komposition. Diese hufeisenförmigen Ringe, die in der Regel aus Kupferlegierungen gefertigt wurden, dienten in verschiedenen Regionen Westafrikas als Zahlungsmittel und als Quelle wertvollen Metalls. Importiertes Kupfer und Messing spielten eine wichtige Rolle in den Handelsbeziehungen zwischen europäischen Kaufleuten und dem Königreich Benin. Diese Importe waren besonders bedeutsam, da Kupferlegierungen wichtige Rohstoffe für die Herstellung königlicher Gussarbeiten lieferten. Die Verbindung des portugiesischen Artilleristen mit fünf Manillas vereint somit zwei zentrale Aspekte der historischen Beziehungen zwischen Benin und Europa: den Austausch von Militärtechnologie und die Verfügbarkeit wertvoller Metallressourcen. Zugleich bilden die wiederkehrenden Formen der Manillas einen dekorativen Rahmen, der die zentrale Figur hervorhebt. Die Komposition lässt sich folglich sowohl als Darstellung eines europäischen Militärspezialisten als auch als bildlicher Ausdruck der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen dem Königreich Benin und Portugal verstehen.
Vergleichsbeispiele und kunsthistorische Einordnung
Eine besonders enge ikonografische Parallele befindet sich im Weltmuseum Wien unter der Inventarnummer 64799. Diese Reliefplakette zeigt eine portugiesische Figur mit Luntenstock und fünf Manillas und ist bei Digital Benin unter der Katalogreferenz 50_VO64799 dokumentiert. Ein weiterer wichtiger Vergleich findet sich im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Inventarnummer MAf 34539. Auch dieses Werk zeigt eine portugiesische Figur in Frontalansicht mit Luntenstock und Schwert, umgeben von fünf Manillas. Die Leipziger Plakette gelangte vor 1897 in eine Sammlung und verfügt daher über eine dokumentierte Sammlungsgeschichte. Gregor M. Metzig veröffentlichte das Werk 2016 im Rahmen seiner Untersuchung des Warenaustauschs zwischen dem Königreich Benin und Portugal. Die Ähnlichkeiten zwischen diesen Museumsbeispielen und der Plakette MAZ34586 betreffen die Haltung der zentralen Figur, ihre Kleidung und militärischen Attribute sowie die Anordnung der Manillas. Diese Übereinstimmungen belegen die Zugehörigkeit der Komposition zu einem historisch dokumentierten ikonografischen Typus, erlauben jedoch keine unabhängige Bestimmung des Herstellungsdatums des vorliegenden Gusses. Ein möglicher direkter Zusammenhang zwischen Gussmodellen oder die Reproduktion eines historischen Vorbilds müsste durch genaue Vergleichsmessungen, fotografische Überlagerungen und technische Untersuchung des Gusses geprüft werden.
Wissenschaftliche Untersuchung und Datierung
Der vom Ralf-Kotalla-Labor erstellte Thermolumineszenzbericht Nr. 22R090826 vom 27. Oktober 2026 datiert das untersuchte Probenmaterial auf ein Alter von etwa 380 Jahren bei einer angegebenen Unsicherheit von ±22,8 Prozent. Die auf Seite 9 dargestellte Berechnung ergibt ein Ergebnis von 383 ± 87 Jahren, entsprechend einer geschätzten Datierung um 1643 n. Chr. Der daraus resultierende ungefähre Zeitraum von 1556 bis 1730 n. Chr. ist weitgehend mit der traditionellen kunsthistorischen Datierung historischer Benin-Reliefplaketten vereinbar. Die Thermolumineszenzanalyse bezieht sich jedoch konkret auf die untersuchten mineralischen Bestandteile und den Zeitpunkt ihrer letzten ausreichenden Erhitzung. Eine metallurgische Untersuchung kann die Elementzusammensetzung der Legierung bestimmen, aber im Allgemeinen kein genaues Herstellungsdatum liefern und die Echtheit als historischer Guss nur innerhalb gewisser Grenzen bestätigen. Wenn originales keramisches Gusskernmaterial vorhanden ist, stellt die Thermolumineszenzanalyse eine wichtige wissenschaftliche Methode zur Schätzung des Zeitpunkts seiner letzten ausreichenden Erhitzung dar. Inwieweit sich ein solches Ergebnis auf das Herstellungsdatum des gesamten Metallobjekts übertragen lässt, hängt davon ab, ob ein nachweisbarer Zusammenhang zwischen dem beprobten Kernmaterial und dem ursprünglichen Gussverfahren hergestellt werden kann. Der Kotalla-Bericht beschränkt seine Schlussfolgerungen ausdrücklich auf die untersuchten Proben und nicht auf das Objekt als Ganzes. Das angegebene Datum sollte daher als wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Dokumentation betrachtet werden, nicht jedoch als unabhängige und abschließende Authentifizierung der gesamten Plakette.
Zustandsbericht
Die Plakette weist ein gealtertes Erscheinungsbild mit örtlichen Beschädigungen und unregelmäßigen Oberflächenveränderungen auf. Die zentrale Figur ist weitgehend intakt, einschließlich Luntenstock, Schwert und der wesentlichen Kostümdetails. Alle fünf Manillas sind an ihren ursprünglichen Positionen in der Komposition erkennbar. Die Vorderseite zeigt eine heterogene Oberfläche, die überwiegend dunkelgrau bis bräunlich-schwarz gefärbt ist und stellenweise grünliche sowie rötlich-ockerfarbene Bereiche aufweist. Eine deutlich sichtbare, rissähnliche Linie verläuft von der Oberkante unmittelbar rechts neben der Kopfbedeckung der Figur nach unten. Die Außenkanten weisen Unregelmäßigkeiten, örtliche Materialverluste und mögliche Verformungen auf. Verluste und Abplatzungen sind besonders entlang der Unterkante erkennbar. Auf der Rückseite befinden sich erhebliche Hohlräume, die der Figur und den umgebenden Dekorelementen entsprechen. Die Seitenansichten verdeutlichen den starken plastischen Vorsprung der zentralen Figur und die unregelmäßige Stärke der tragenden Reliefplatte. Örtliche Ablagerungen, Porosität und unterschiedliche Grade des Oberflächenabriebs sind sichtbar. Ob einzelne Veränderungen auf natürliche Alterungsprozesse, ursprüngliche Merkmale des Gusses oder spätere Eingriffe zurückzuführen sind, lässt sich anhand der Fotografien nicht abschließend bestimmen. Die vorhandene Metallhalterung und der Holzsockel gehören zum Inventar der Galerie Wolfgang Jaenicke und dienen der aktuellen Präsentation. Eine konservatorische Beurteilung der sichtbaren Risse, der strukturellen Stabilität der Kanten und der Kontaktstellen zwischen der Plakette und ihrem Montierungssystem wäre ratsam. Der vorliegende Zustandsbericht beruht auf fotografischer Dokumentation und ersetzt keine direkte Untersuchung durch eine qualifizierte Metallrestauratorin oder einen qualifizierten Metallrestaurator.
Kunsthistorische Beurteilung
Die Reliefplakette MAZ34586 ist aufgrund ihrer komplexen Ikonografie und ihrer engen Beziehung zu dokumentierten historischen Beispielen in Museumssammlungen von beträchtlichem kunsthistorischem Interesse. Die Kombination eines portugiesischen Artilleristen mit Luntenstock und Schwert, umgeben von fünf Manillas, veranschaulicht die historische Bedeutung des Königreichs Benin als politisches und wirtschaftliches Zentrum mit weitreichenden internationalen Verbindungen. Besonders bemerkenswert ist die detaillierte Darstellung der europäischen Militärfigur, deren charakteristische Kleidung und Ausrüstung im Rahmen der künstlerischen Konventionen der Benin-Hofmetallkunst interpretiert wurden. Die sichtbaren Oberflächenmerkmale, die unregelmäßige Gestaltung der Rückseite und die vorliegenden Thermolumineszenzergebnisse liefern relevante Anhaltspunkte für weitere technische und wissenschaftliche Untersuchungen. Sie ermöglichen jedoch keine endgültige Bestimmung des Herstellungsdatums oder der Echtheit des Objekts als Ganzes. Die gesicherte kunsthistorische Schlussfolgerung betrifft die Verbindung der Bildsprache mit der Tradition der Benin-Reliefplaketten des 16. und 17. Jahrhunderts. Jede weitergehende Zuschreibung sollte durch zusätzliche metallurgische, technische und provenancebezogene Forschung gestützt werden.
Literatur und Vergleichsobjekte
Gregor M. Metzig: „Corals, Brass and Firearms. Material Commodities in Cultural Interactions between Edo and Portuguese in Benin around 1500“, in Harriet Rudolph und Gregor M. Metzig (Hrsg.), Material Culture in Modern Diplomacy from the 15th to the 20th Century, Berlin/Boston, 2016, S. 29–54, insbesondere S. 47, Abb. 6.
Kathryn Wysocki Gunsch: The Benin Plaques: A 16th Century Imperial Monument, London/New York, 2018.
Weltmuseum Wien: Reliefplakette, „Portuguese with Linstock and Five Manillas“, Inventarnummer 64799; Digital Benin, Katalogreferenz 50_VO64799.
GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig: Reliefplakette, „European (Portuguese) Surrounded by Five Manillas“, Inventarnummer MAf 34539.
Ralf-Kotalla-Labor: Thermolumineszenzbericht Nr. 22R090826, Haigerloch, 27. Oktober 2026, neun Seiten.
Urheberrecht und wissenschaftliche Dokumentation
Einige der Informationen und Fotografien wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und beruhen auf veröffentlichten Quellen aus Ethnografie, Archäologie und Kunstgeschichte. Originaltexte und Fotografien können urheberrechtlich geschützt sein. Alle Rechte verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern.
Catawiki stellt für traditionelle oder antike afrikanische Kunstobjekte keine Echtheitszertifikate aus. Unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Richtlinien für das Einreichen traditioneller afrikanischer Kunst verpflichten Verkäufer dazu, genaue und vollständige Angaben zur Echtheit, Provenienz und rechtmäßigen Herkunft ihrer Objekte sowie gegebenenfalls entsprechende Belege vorzulegen. Die Richtlinien verlangen nicht in jedem Fall, dass diese Belege in Form eines unabhängig ausgestellten Echtheitszertifikats vorliegen.
Legt ein Verkäufer ein selbst ausgestelltes Zertifikat oder eine eigene Erklärung zur Echtheit vor, so handelt es sich um eine Erklärung des Verkäufers selbst, die nicht als unabhängige Zertifizierung durch Dritte oder als Zertifizierung durch Catawiki zu verstehen ist. Wird im Angebot ausdrücklich angegeben, dass dem Objekt ein Echtheitszertifikat beigelegt wird, wird vom Verkäufer erwartet, dieses Dokument wie beschrieben bereitzustellen.
Die Experten von Catawiki nehmen eine virtuelle Prüfung anhand der Informationen, Fotografien, Provenienzangaben und Belege vor, die während des Einreichungsverfahrens zur Verfügung gestellt werden. Die Annahme eines traditionellen oder antiken afrikanischen Kunstobjekts zur Versteigerung stellt weder eine unabhängige Authentifizierung oder Zertifizierung durch Catawiki dar, noch bedeutet sie, dass ein Catawiki-Experte das Objekt physisch oder wissenschaftlich authentifiziert, die Patina untersucht oder das Objekt datiert hat. Gemäß unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Richtlinien für das Einreichen traditioneller afrikanischer Kunst bleibt der Verkäufer für die Richtigkeit und Rechtmäßigkeit der Angaben sowie für Provenienz und Echtheit des Objekts verantwortlich.
Der Verkäufer stellt sich vor
Details
Rechtliche Informationen des Verkäufers
- Unternehmen:
- Jaenicke Njoya GmbH
- Repräsentant:
- Wolfgang Jaenicke
- Adresse:
- Jaenicke Njoya GmbH
Klausenerplatz 7
14059 Berlin
GERMANY - Telefonnummer:
- +493033951033
- Email:
- w.jaenicke@jaenicke-njoya.com
- USt-IdNr.:
- DE241193499
AGB
AGB des Verkäufers. Mit einem Gebot auf dieses Los akzeptieren Sie ebenfalls die AGB des Verkäufers.
Widerrufsbelehrung
- Frist: 14 Tage sowie gemäß den hier angegebenen Bedingungen
- Rücksendkosten: Käufer trägt die unmittelbaren Kosten der Rücksendung der Ware
- Vollständige Widerrufsbelehrung
