Eine Skulptur aus Holz - Senufo - Elfenbeinküste (Ohne mindestpreis)

07
Tage
12
Stunden
01
Minute
22
Sekunden
Aktuelles Gebot
€ 38
Ohne mindestpreis
Dimitri André
Experte
Von Dimitri André ausgewählt

Verfügt über einen Postgraduiertenabschluss in Afrikastudien und 15 Jahre Erfahrung in afrikanischer Kunst.

Schätzung  € 2.700 - € 3.300
NL
38 €
PT
35 €
NL
28 €

Käuferschutz auf Catawiki

Ihre Zahlung wird von uns sicher verwahrt, bis Sie Ihr Objekt erhalten.Details ansehen

Trustpilot 4.4 | 144879 Bewertungen

Auf Trustpilot als hervorragend bewertet.

Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung

Senufo-Skulpturenpaar – weibliche und männliche Wächterfiguren mit kreuzförmig durchbrochenen Kopfscheiben

Herkunft: Senufo, Region Boundiali, nördliche Côte d’Ivoire, Westafrika
Material: Schweres Hartholz, örtlich als „Lenke“ bezeichnet, dunkelbraune bis schwärzlich-braune Patina, Spuren heller Pigmentierung
Höhe: 118,5 cm / 117,5 cm
Gewicht: 5,9 kg / 6,1 kg
Inventarnummer: CAB41023
Datierung: Nicht bestimmt
Provenienz: Keine dokumentierte Besitzgeschichte angegeben

Beschreibung

Dieses monumentale Senufo-Skulpturenpaar aus der Region Boundiali besteht aus einer weiblichen und einer männlichen Holzfigur, die jeweils auf einem zylindrischen Sockel stehen. Beide Skulpturen folgen einer eng verwandten Formensprache und bilden durch ihre entsprechenden Haltungen, Proportionen und ikonografischen Attribute ein zusammengehöriges Ensemble. Ihre deutlich länglichen Körper sind geprägt von schmalen, säulenartigen Rümpfen, ausgeprägten Schultern, langen Armen und vergleichsweise kurzen, kräftigen Beinen. Die weibliche Figur weist deutlich hervortretende, konisch geformte Brüste auf, während der Oberkörper der männlichen Figur flacher gestaltet ist. Die schlanken Köpfe zeigen auffällige zoomorphe Merkmale: lang gezogene, schnauzenartige Gesichtszüge, hervortretende Augen, sorgfältig modellierte Ohren und stilisierte, nach hinten reichende Frisuren. Feine Ritzlinien und geometrische Markierungen gliedern Gesichter, Brustpartien, Unterkörper und Rücken. Die Oberflächen sind teilweise geglättet und stark poliert, während vertiefte Bereiche eine dunklere, stellenweise matte Patina bewahren. Laut der beigefügten Objektdokumentation halten beide Figuren in der linken Hand ein zweischneidiges Messer und in der rechten eine sogenannte Fetischglocke. Diese Attribute unterscheiden das Paar von zahlreichen klassischen Senufo-Rhythmusstampfern, deren Hände gewöhnlich an den Hüften oder Oberschenkeln anliegen. Besonders markant sind die außergewöhnlich großen, annähernd rechteckigen Kopfscheiben mit abgerundeten Ecken. Jede weist ein kreisförmiges Mittelfeld auf, das von einem erhöhten Rand eingefasst und von einer X-förmigen Öffnung durchbrochen wird. Radial und orthogonal angeordnete Gruppen paralleler Ritzlinien strukturieren die Oberflächen der Scheiben. Kleine seitliche Vorsprünge und ein kurzer oberer Fortsatz unterstreichen ihren emblematischen Charakter. Auf den Scheiben sind noch vereinzelte Spuren heller, vermutlich weißer Pigmentierung sichtbar. Die Rückseiten weisen eine aufwendige lineare Ornamentik auf, insbesondere die parallelen Haarsträhnen und horizontalen Zierbänder. Beide Figuren wurden aus einem schweren, widerstandsfähigen Hartholz geschnitzt, das traditionell als „Lenke“ bezeichnet wird. Der beigefügten Dokumentation zufolge leitet sich diese Bezeichnung aus der Sprache der Djula und nicht aus dem Senari ab; eine botanische Bestimmung des Holzes liegt nicht vor.

Kunsthistorischer Kontext

Das Skulpturenpaar gehört stilistisch zur Tradition der monumentalen Senufo-Holzskulptur aus dem Norden der Côte d’Ivoire. Senufo-Gemeinschaften leben in mehreren Regionen der Côte d’Ivoire sowie in angrenzenden Gebieten von Mali und Burkina Faso. Ihre künstlerischen Traditionen stehen in engem Zusammenhang mit religiösen Institutionen, Vorstellungen von den Ahnen und gesellschaftlichen Initiationssystemen. Von besonderer Bedeutung ist die Poro-Institution, deren Initiations-, Bestattungs- und Gedenkzeremonien von einer hochentwickelten Tradition der Bildhauerei und Maskerade begleitet werden. Zu ihren bekanntesten bildhauerischen Ausdrucksformen zählen die großen anthropomorphen Figuren, die in der kunsthistorischen Literatur häufig als Déblé oder Rhythmusstampfer bezeichnet werden. Weitere regionale Bezeichnungen sind Pombia und Pombibele, wobei Terminologie und tatsächliche rituelle Verwendung im Senufo-Kulturraum nicht notwendigerweise überall übereinstimmen. Die vorliegenden Skulpturen zeigen wesentliche Merkmale dieser Tradition: monumentale, vertikal betonte Körper, massive zylindrische Sockel, verlängerte Arme und die Verbindung menschlicher Anatomie mit geometrischer Abstraktion. Vergleichbare formale Prinzipien finden sich in der Region Boundiali sowie in den mit Korhogo und Tafiré verbundenen bildhauerischen Traditionen. Insbesondere Werke aus der weiteren Region Tafiré weisen häufig ein ausgefeiltes Gleichgewicht zwischen abstrahierten Körperformen und individuell ausgearbeiteten Physiognomien auf. Trotz ihrer starken Stilisierung bleiben die Figuren als menschlich erkennbar, während ihre symbolischen Attribute und die formale Reduktion ihnen eine über die individuelle Darstellung hinausgehende Präsenz verleihen. Ohne weitere vergleichende Forschung und Provenienzforschung lässt sich das vorliegende Paar keiner bestimmten Werkstatt oder eigenständigen bildhauerischen Tradition aus Tafiré verbindlich zuordnen. Neuere Forschung hat zudem hervorgehoben, dass die Bezeichnung Senufo zahlreiche regionale und historisch miteinander verflochtene Traditionen umfasst und nicht einen einzigen homogenen Kunststil bezeichnet.

Vergleich mit dem Rosenthal-Urpaar

Eine besonders bedeutende kunsthistorische Parallele bietet das berühmte „Rosenthal-Urpaar“, abgebildet in Susan Elizabeth Gagliardis Senufo Unbound: Dynamics of Art and Identity in West Africa (2015), S. 78, Abb. 41. Beide Ensembles verbinden monumentale, längliche Körper mit zylindrischen Sockeln, streng gegliederten Armen und markanten Kopfschmuckelementen. Während das Rosenthal-Paar figürliche Tiermotive in seinen aufwendigen Kopfbedeckungen aufweist, zeichnen sich die vorliegenden Skulpturen durch geometrisch strukturierte Scheiben mit X-förmigen Öffnungen aus. Auch die Attribute in den Händen unterscheiden sich. Diese auffälligen formalen und ikonografischen Parallelen verorten das vorliegende Paar innerhalb einer bedeutenden Tradition monumentaler weiblicher und männlicher Senufo-Skulpturen, ohne damit notwendigerweise eine gemeinsame Werkstatt oder identische rituelle Funktion zu implizieren.

Symbolik und ikonografische Bedeutung

Die Gegenüberstellung weiblicher und männlicher Figuren besitzt in den bildhauerischen Traditionen der Senufo besondere Bedeutung. In verschiedenen Poro-Kontexten können solche Paare idealisierte Ahnenfiguren, gesellschaftliche Komplementarität und die Kontinuität zwischen den Generationen verkörpern. Männliche und weibliche Darstellungen stehen nicht ausschließlich für das biologische Geschlecht, sondern können auch unterschiedliche Aspekte gesellschaftlicher Autorität, Fruchtbarkeit und Beziehungen zu den Ahnen zum Ausdruck bringen. Die markanten Brüste der weiblichen Figur lassen sich im Zusammenhang mit Mutterschaft und den schöpferischen Kräften des Lebens interpretieren. Die kontrollierte, aufrechte Haltung beider Skulpturen vermittelt Würde, Beherrschung und rituelle Autorität. Besonders bemerkenswert sind die großen Kopfscheiben. Ihre Verbindung aus kreisförmiger Rahmung, kreuzförmigen Öffnungen und strahlenförmiger linearer Ornamentik kann Vorstellungen von räumlicher Ordnung, Schutz oder umfassenderen kosmologischen Beziehungen evozieren. Eine verbindliche lokale Deutung dieser einzelnen Symbole ist jedoch nicht dokumentiert; eine unmittelbare Gleichsetzung des Kreuzmotivs mit den vier Himmelsrichtungen wäre spekulativ. Der traditionellen Objektbeschreibung zufolge verweisen die Scheiben auf eine Doppelfunktion, die Schutzaufgaben im landwirtschaftlichen Umfeld mit zeremonieller Nutzung verbindet. Messer und Glocken in den Händen der Figuren unterstreichen zusätzlich ihr ungewöhnliches ikonografisches Programm. Das Messer lässt sich als Sinnbild schützender Autorität und der Fähigkeit verstehen, schädliche Einflüsse abzuwehren, während die Glocke auf rituellen Klang, zeremonielle Kommunikation oder die Aktivierung schützender spiritueller Kräfte verweisen könnte. Ohne spezifische ethnografische Dokumentation zu diesem Paar bleiben diese Deutungen hypothetisch.

Rituelle Funktion

Die Skulpturen nehmen innerhalb der Senufo-Kunst eine interessante Position zwischen zwei unterscheidbaren Funktionskategorien ein: dem zeremoniellen Einsatz monumentaler Figuren im Poro-Kontext und der stationären Schutzfunktion von Wächter- oder Schreinskulpturen. Klassische Déblé-Figuren wurden vor allem bei Bestattungszeremonien für bedeutende Mitglieder der jeweiligen Vereinigungen verwendet. Sie konnten an den Armen oder Schultern getragen und mit ihren massiven zylindrischen Sockeln rhythmisch auf den Boden gestoßen werden. Diese Bewegungen begleiteten Musik, Gesang und rituelle Darbietungen und unterstützten nach dokumentierten lokalen Traditionen den Übergang der Verstorbenen in das Reich der Ahnen. Das Stampfen stellte somit eine symbolische Verbindung zur Erde her und ist nicht mit dem gewöhnlichen Stampfen von Getreide gleichzusetzen. Von anderen großen Poro-Skulpturen ist bekannt, dass sie bei Zeremonien gezeigt, an Schreinen aufgestellt oder als stationäre Schutzbilder eingesetzt wurden. Für das vorliegende Paar ist zudem eine weitere Funktion als Feldwächter überliefert. Nach dieser Deutung könnten die Skulpturen kultiviertes Land oder rituell bedeutsame Orte geschützt haben. Ihre ungewöhnlichen Kopfscheiben und Attribute in den Händen weisen auf eine eigenständige ikonografische Variante innerhalb der breiteren Tradition monumentaler Senufo-Figuren hin. In diesem Zusammenhang ist Burkhard Gottschalks Unterscheidung zwischen tatsächlichen Rhythmusstampfern und selteneren, überwiegend stationären Poro-Wächterfiguren besonders relevant. Ein Zusammenhang mit solchen Schutzskulpturen erscheint daher kunsthistorisch plausibel. Ob das vorliegende Paar tatsächlich bei rhythmischen Zeremonien mit Bodenkontakt eingesetzt wurde, dauerhaft aufgestellt war oder beide Funktionen erfüllte, lässt sich allein anhand der Fotografien nicht abschließend bestimmen. Die traditionell zugeschriebene Doppelfunktion bleibt eine wichtige, jedoch nicht unabhängig bestätigte Arbeitshypothese.

Kunsthistorische Würdigung

Das Skulpturenpaar zeichnet sich durch seine außergewöhnliche formale Geschlossenheit und die konsequente Verbindung monumentaler Körperarchitektur mit raffinierter Oberflächenornamentik aus. Die parallele Ausrichtung der Arme, die schlanken vertikalen Achsen der Rümpfe und die ausladenden Kopfscheiben schaffen ein eindrucksvolles Verhältnis zwischen aufwärtsgerichteter Bewegung und horizontaler Gliederung. Besonders bemerkenswert ist der Kontrast zwischen den weitgehend reduzierten anatomischen Formen und den sorgfältig ausgearbeiteten Köpfen. Feine Unterschiede in einzelnen Details verleihen den Figuren eine eigene Präsenz, ohne ihre visuelle Einheit zu beeinträchtigen. Die monumentalen, kreuzförmig durchbrochenen Kopfscheiben und die dazugehörigen Attribute in den Händen machen das Ensemble zu einem ikonografisch bemerkenswerten Ausdruck der Senufo-Skulptur. Der Vergleich mit dem publizierten Rosenthal-Paar verortet das Werk zudem in einer bedeutenden Tradition monumentaler Skulpturenpaare, deren Bildsprache Vorstellungen gesellschaftlicher Ordnung und der symbolischen Beziehung zwischen der menschlichen und der spirituellen Welt zum Ausdruck bringen kann.

Zustandsbericht

Beide Skulpturen weisen dunkelbraune bis schwärzlich-braune Oberflächen mit Bereichen ausgeprägten Glanzes, sichtbarer Abnutzung, Farbtonvariationen, Abrieb und alters- oder gebrauchsbedingten Veränderungen auf. An exponierten Partien, insbesondere an Armen, Schultern, Brüsten, Gesichtern und hervortretenden Schnitzdetails, erscheint die Patina infolge von Berührung und Reibung stellenweise heller. In Vertiefungen und Ritzornamenten sind dunklere Ablagerungen erhalten. Auf den Kopfscheiben finden sich vereinzelte Spuren hellen Oberflächenmaterials, das in der begleitenden Dokumentation als Überrest weißer Pigmentierung bezeichnet wird. Beide zylindrischen Sockel weisen Risse auf, von denen einige sich von den Unterseiten senkrecht ins Holz fortsetzen. Solche Risse entsprechen im Allgemeinen den Spannungen und dem Schwund, die bei größeren, aus Massivholz gefertigten Skulpturen häufig auftreten. Ein weiterer Riss im Kopfbereich der männlichen Figur ist dokumentiert. An mehreren Stellen sind kleinere Oberflächenschäden, kleine Fehlstellen, Kratzer, Dellen und unregelmäßige Abriebspuren sichtbar. Einige hervortretende skulpturale Elemente und die Ränder der Kopfscheiben weisen örtliche Abrundungen und geringfügige Materialverluste auf. Die unterschiedliche Intensität der Oberflächenpatina könnte auf längere Handhabung und unterschiedliche Bedingungen der Exposition zurückzuführen sein; allein anhand des visuellen Befunds lassen sich Art, Dauer oder historische Zeitspanne einer etwaigen rituellen Nutzung jedoch nicht bestimmen. Nach den verfügbaren Fotografien scheinen die wesentlichen skulpturalen Bestandteile beider Figuren erhalten zu sein; umfangreiche Ergänzungen oder neuere Restaurierungen sind nicht eindeutig erkennbar. Eine zuverlässige Beurteilung möglicher älterer Reparaturen, verdeckter struktureller Schäden, biologischer Schädigung oder der Gesamtstabilität würde eine direkte Untersuchung der Originale erfordern. Besondere Aufmerksamkeit sollte den Rissen in den Sockeln und dem dokumentierten Riss im Kopf der männlichen Figur gelten. Insgesamt zeigen die Fotografien zwei weitgehend vollständige Skulpturen mit gut entwickelten Patinas, sichtbaren Alters- und Gebrauchsspuren sowie örtlich begrenzten Rissen. Dieser Bericht stellt eine vorläufige visuelle Beurteilung auf Grundlage fotografischer Dokumentation dar und ersetzt keine umfassende konservatorische Untersuchung.

Literatur

Gagliardi, Susan Elizabeth: Senufo Unbound: Dynamics of Art and Identity in West Africa. Cleveland: Cleveland Museum of Art; Mailand: 5 Continents Editions, 2015, S. 78, Abb. 41 (Vergleichsbeispiel).

Gottschalk, Burkhard: Senufo. Massa und die Statuen des Poro. Düsseldorf, 2002.

Gottschalk, Burkhard: Kunst aus Schwarzafrika. SENUFO. Unbekannte Schätze aus privaten Sammlungen. 2009, S. 174 und 179.

Glaze, Anita J.: Art and Death in a Senufo Village. Bloomington: Indiana University Press, 1981.

Förster, Till: „Smoothing the Way of the Dead: A Senufo Rhythm Pounder“, in: Yale University Art Gallery Bulletin, 2005, S. 55–68.

Goldwater, Robert: Senufo Sculpture from West Africa. New York, 1964, Abb. 93 und 93a (Rosenthal-Paar).

LaGamma, Alisa (Hrsg.): Genesis: Ideas of Origin in African Sculpture. New York: The Metropolitan Museum of Art, 2002, S. 30–32 (Rosenthal-Paar).

Sotheby's: The Collection of Frieda and Milton Rosenthal: African and Oceanic Art. New York, 14. November 2008, Los 63 (Rosenthal-Paar).

Die angeführte Vergleichsliteratur bildet den kunsthistorischen Rahmen für die vorliegende Zuschreibung und Interpretation. Eine Veröffentlichung des vorliegenden Skulpturenpaars in diesen Werken ist nicht belegt.

Urheberrecht und wissenschaftliche Dokumentation
Einige der Informationen und Fotografien wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und beruhen auf veröffentlichten Quellen der Ethnografie, Archäologie und Kunstgeschichte. Originaltexte und Fotografien können urheberrechtlich geschützt sein. Alle Rechte der jeweiligen Rechteinhaber bleiben vorbehalten.

Der Verkäufer stellt sich vor

Wolfram Jaenickes Engagement mit afrikanischer Kunst begann nicht im Feld oder auf dem Markt, sondern in einem ruhigeren, inneren Raum – unter Papieren, Büchern und Objekten, die seinem Vater gehörten. Das Archiv über Deutschlands ehemalige Kolonien war nicht darauf angelegt, eine einzige Geschichte zu erzählen; es schlug viele vor. Es lud zur Prüfung ein statt zur Verehrung und lehrte Jaenicke früh, dass Objekte nie stumm sind. Sie tragen Zeit in sich – Bruchstelle und Kontinuität in derselben Form – und sie bitten darum, so sorgfältig gelesen zu werden wie Texte. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert wirkt Jaenicke als Sammler, Händler und Vermittler, auch wenn keines dieser Begriffe die Gestalt seiner Praxis ganz erfassen kann. Was früher zu großzügig unter der Rubrik „Tribal Art“ zusammengefasst wurde, erschien ihm nie als ein versiegelter oder historischer Katalog. Es ist vielmehr ein Satz lebender Traditionen, der ständig mit der Gegenwart verhandelt. Seine akademische Ausbildung – Ethnologie, Kunstgeschichte und сравнende Rechtslehre – lieferte eine Grammatik. Die Sprache selbst erlernte er an anderer Stelle. In Mali, Kamerun, Côte d’Ivoire, Burkina Faso, Togo und Ghana kam Wissen langsam hervor, durch wiederholte Begegnungen, die sich zu Beziehungen verdichteten, und durch Vertrauen, das nicht auf einmal, sondern über Jahre aufgebaut wurde. Mali wurde zum Gravitationszentrum dieser Erfahrung. Zwischen 2002 und 2012 lebte und arbeitete Jaenicke in Bamako und Ségou, wo er Tribalartforum leitete, eine Galerie mit Blick auf den Niger. Der Raum widerstand leichter Chronologie. Skulpturen und Keramik teilten den Raum mit Fotografie, und Werke von Malick Sidibé – Bilder von malischer Jugend in den 1970er Jahren, selbstbewusst und ausgelassen – hingen neben älteren rituellen Formen. Die Wirkung war nicht nostalgisch, sondern klärend: Vergangenheit und Gegenwart schlossen sich nicht gegenseitig aus; sie schärften einander. Der Krieg von 2012 beendete dieses Kapitel abrupt, wie Kriege es neigen zu tun. Doch löste er die Arbeit nicht auf. Zusammen mit Aguibou Kamaté rief Jaenicke sich in Lomé, näher an die Orte heran, von denen viele Objekte stammen und auf denen sie weiterreisen. Seit 2018 ist Berlin ein weiterer Punkt auf dieser Karte geworden. Galerie Wolfgang Jaenicke arbeitet nun gegenüber dem Schloss Charlottenburg, unterstützt von einem kleinen Team von Spezialisten. Ihr Schwerpunkt liegt insbesondere auf westafrikanischen Bronzen und Terrakotten – Materialien, die von Erde und Feuer geformt sind, sowie auf Formen des Gedächtnisses, die sich einer leichten Übersetzung widersetzen. Was Jaenickes Praxis auszeichnet, ist nicht nur ihr geografischer Umfang, sondern ihre innere Spannung. Feldforschung geht mit Provenienzforschung einher; Handel wird als untrennbar von Verantwortung betrachtet. In Zusammenarbeit mit Museen und wissenschaftlichen Initiativen wird der Kreislauf nicht als Ausgrabung, sondern als ethischer Prozess dargestellt, der unvollendet bleibt. Ziel ist es, Objekte nicht aus der Welt zu entfernen und abzuschotten, sondern sie innerhalb der Welt lesbar zu halten – ihnen zu ermöglichen, weiter zu sprechen, auch wenn sich die Bedingungen ihrer Rede ändern. ------------ Galerie Wolfgang Jaenicke ist eine in Berlin ansässige Galerie, die sich auf westafrikanische Skulptur, Bronzen, Terrakotten, Masken und zeitgenössische afrikanische Kunst spezialisiert hat. Sie wird von Wolfgang Jaenicke geleitet, dessen Arbeit Sammeln, Handel, Provenienzforschung, Feldforschung und archivische Dokumentation verbindet. Laut dem eigenen Profil der Galerie studierte Jaenicke Ethnologie, Kunstgeschichte und vergleichende Rechtslehre und arbeitet seit mehr als fünfundzwanzig Jahren im Bereich afrikanischer Kunst. Seine Tätigkeiten entwickelten sich durch langfristiges Engagement in Ländern wie Mali, Kamerun, Côte d’Ivoire, Burkina Faso, Ghana und Togo. Anstatt afrikanische Kunst als geschlossene historische Kategorie zu präsentieren, beschreibt er sie als eine fortdauernde kulturelle Tradition, geprägt von lebendigen Gemeinschaften und wandelnden historischen Kontexten. Eine besonders wichtige Phase seiner Karriere war Mali, wo er zwischen ca. 2002 und 2012 in Bamako und Ségou lebte und arbeitete. Dort führte er Tribalartforum, eine Galerie, die historische afrikanische Skulptur mit zeitgenössischer afrikanischer Fotografie verband, darunter Werke von Malick Sidibé. Die politische und militärische Krise in Mali im Jahr 2012 führte zur Schließung dieser Aktivität. Später setzte Jaenicke, gemeinsam mit Aguibou Kamaté, seine Arbeit von Lomé, Togo, aus fort, bevor er eine Galerier Präsenz in Berlin nahe dem Schloss Charlottenburg gründete. Die Galerie legt besonderen Wert auf westafrikanische Bronzen, Terrakotten, Benin- und Ife-bezogene Werke, Nok-Skulpturen, Dogon-Kunst, Baule-Skulpturen, Senufo-Objekte und Yoruba-Material. Ein besonderes Merkmal von Jaenickes öffentlicher Haltung ist sein wiederholter Fokus auf Transparenz der Provenienz und Restitutionsdebatten. In mehreren veröffentlichten Objektakten diskutiert die Galerie ausdrücklich Themen rund um Exportdokumentation, UNESCO-Konventionen, Besitzverhältnisse und den Austausch mit Wissenschaftlern und Restitutionsforschern. Diese Aussagen spiegeln breitere zeitgenössische Debatten über die Zirkulation afrikanischen Kulturerbes, Rechtslage, Sammlerhistorie und Museumsankäufe wider. Die Galerie führt umfangreiche Online-Archive und Kataloge, die Hunderte afrikanischer Objekte dokumentieren, darunter Benin- und Ife-Bronzen, Nok-Terrakotten, Dogon-Skulpturen, Baule-Figuren, Fon-Objekte, Moba-Figuren und weiteres westafrikanisches Material. Für Forschende, die sich für die Geschichte des afrikanischen Kunsthandels interessieren, repräsentiert Jaenicke eine spätere Generation von Händlern im Vergleich zu Persönlichkeiten wie John J. Klejman. Während Klejman dem Nachkriegsmarkt New Yorks der 1950er–1970er Jahre zugehörte, ist Jaenickes Arbeit von gegenwärtigen Anliegen geprägt: Felddokumentation, Provenienzforschung, Restitutionsdiskussionen, digitale Archive und direkte Verbindung mit westafrikanischen Netzwerken und Künstlern. Dieser Text basiert auf KI-Informationen
Übersetzt mit Google Übersetzer

Senufo-Skulpturenpaar – weibliche und männliche Wächterfiguren mit kreuzförmig durchbrochenen Kopfscheiben

Herkunft: Senufo, Region Boundiali, nördliche Côte d’Ivoire, Westafrika
Material: Schweres Hartholz, örtlich als „Lenke“ bezeichnet, dunkelbraune bis schwärzlich-braune Patina, Spuren heller Pigmentierung
Höhe: 118,5 cm / 117,5 cm
Gewicht: 5,9 kg / 6,1 kg
Inventarnummer: CAB41023
Datierung: Nicht bestimmt
Provenienz: Keine dokumentierte Besitzgeschichte angegeben

Beschreibung

Dieses monumentale Senufo-Skulpturenpaar aus der Region Boundiali besteht aus einer weiblichen und einer männlichen Holzfigur, die jeweils auf einem zylindrischen Sockel stehen. Beide Skulpturen folgen einer eng verwandten Formensprache und bilden durch ihre entsprechenden Haltungen, Proportionen und ikonografischen Attribute ein zusammengehöriges Ensemble. Ihre deutlich länglichen Körper sind geprägt von schmalen, säulenartigen Rümpfen, ausgeprägten Schultern, langen Armen und vergleichsweise kurzen, kräftigen Beinen. Die weibliche Figur weist deutlich hervortretende, konisch geformte Brüste auf, während der Oberkörper der männlichen Figur flacher gestaltet ist. Die schlanken Köpfe zeigen auffällige zoomorphe Merkmale: lang gezogene, schnauzenartige Gesichtszüge, hervortretende Augen, sorgfältig modellierte Ohren und stilisierte, nach hinten reichende Frisuren. Feine Ritzlinien und geometrische Markierungen gliedern Gesichter, Brustpartien, Unterkörper und Rücken. Die Oberflächen sind teilweise geglättet und stark poliert, während vertiefte Bereiche eine dunklere, stellenweise matte Patina bewahren. Laut der beigefügten Objektdokumentation halten beide Figuren in der linken Hand ein zweischneidiges Messer und in der rechten eine sogenannte Fetischglocke. Diese Attribute unterscheiden das Paar von zahlreichen klassischen Senufo-Rhythmusstampfern, deren Hände gewöhnlich an den Hüften oder Oberschenkeln anliegen. Besonders markant sind die außergewöhnlich großen, annähernd rechteckigen Kopfscheiben mit abgerundeten Ecken. Jede weist ein kreisförmiges Mittelfeld auf, das von einem erhöhten Rand eingefasst und von einer X-förmigen Öffnung durchbrochen wird. Radial und orthogonal angeordnete Gruppen paralleler Ritzlinien strukturieren die Oberflächen der Scheiben. Kleine seitliche Vorsprünge und ein kurzer oberer Fortsatz unterstreichen ihren emblematischen Charakter. Auf den Scheiben sind noch vereinzelte Spuren heller, vermutlich weißer Pigmentierung sichtbar. Die Rückseiten weisen eine aufwendige lineare Ornamentik auf, insbesondere die parallelen Haarsträhnen und horizontalen Zierbänder. Beide Figuren wurden aus einem schweren, widerstandsfähigen Hartholz geschnitzt, das traditionell als „Lenke“ bezeichnet wird. Der beigefügten Dokumentation zufolge leitet sich diese Bezeichnung aus der Sprache der Djula und nicht aus dem Senari ab; eine botanische Bestimmung des Holzes liegt nicht vor.

Kunsthistorischer Kontext

Das Skulpturenpaar gehört stilistisch zur Tradition der monumentalen Senufo-Holzskulptur aus dem Norden der Côte d’Ivoire. Senufo-Gemeinschaften leben in mehreren Regionen der Côte d’Ivoire sowie in angrenzenden Gebieten von Mali und Burkina Faso. Ihre künstlerischen Traditionen stehen in engem Zusammenhang mit religiösen Institutionen, Vorstellungen von den Ahnen und gesellschaftlichen Initiationssystemen. Von besonderer Bedeutung ist die Poro-Institution, deren Initiations-, Bestattungs- und Gedenkzeremonien von einer hochentwickelten Tradition der Bildhauerei und Maskerade begleitet werden. Zu ihren bekanntesten bildhauerischen Ausdrucksformen zählen die großen anthropomorphen Figuren, die in der kunsthistorischen Literatur häufig als Déblé oder Rhythmusstampfer bezeichnet werden. Weitere regionale Bezeichnungen sind Pombia und Pombibele, wobei Terminologie und tatsächliche rituelle Verwendung im Senufo-Kulturraum nicht notwendigerweise überall übereinstimmen. Die vorliegenden Skulpturen zeigen wesentliche Merkmale dieser Tradition: monumentale, vertikal betonte Körper, massive zylindrische Sockel, verlängerte Arme und die Verbindung menschlicher Anatomie mit geometrischer Abstraktion. Vergleichbare formale Prinzipien finden sich in der Region Boundiali sowie in den mit Korhogo und Tafiré verbundenen bildhauerischen Traditionen. Insbesondere Werke aus der weiteren Region Tafiré weisen häufig ein ausgefeiltes Gleichgewicht zwischen abstrahierten Körperformen und individuell ausgearbeiteten Physiognomien auf. Trotz ihrer starken Stilisierung bleiben die Figuren als menschlich erkennbar, während ihre symbolischen Attribute und die formale Reduktion ihnen eine über die individuelle Darstellung hinausgehende Präsenz verleihen. Ohne weitere vergleichende Forschung und Provenienzforschung lässt sich das vorliegende Paar keiner bestimmten Werkstatt oder eigenständigen bildhauerischen Tradition aus Tafiré verbindlich zuordnen. Neuere Forschung hat zudem hervorgehoben, dass die Bezeichnung Senufo zahlreiche regionale und historisch miteinander verflochtene Traditionen umfasst und nicht einen einzigen homogenen Kunststil bezeichnet.

Vergleich mit dem Rosenthal-Urpaar

Eine besonders bedeutende kunsthistorische Parallele bietet das berühmte „Rosenthal-Urpaar“, abgebildet in Susan Elizabeth Gagliardis Senufo Unbound: Dynamics of Art and Identity in West Africa (2015), S. 78, Abb. 41. Beide Ensembles verbinden monumentale, längliche Körper mit zylindrischen Sockeln, streng gegliederten Armen und markanten Kopfschmuckelementen. Während das Rosenthal-Paar figürliche Tiermotive in seinen aufwendigen Kopfbedeckungen aufweist, zeichnen sich die vorliegenden Skulpturen durch geometrisch strukturierte Scheiben mit X-förmigen Öffnungen aus. Auch die Attribute in den Händen unterscheiden sich. Diese auffälligen formalen und ikonografischen Parallelen verorten das vorliegende Paar innerhalb einer bedeutenden Tradition monumentaler weiblicher und männlicher Senufo-Skulpturen, ohne damit notwendigerweise eine gemeinsame Werkstatt oder identische rituelle Funktion zu implizieren.

Symbolik und ikonografische Bedeutung

Die Gegenüberstellung weiblicher und männlicher Figuren besitzt in den bildhauerischen Traditionen der Senufo besondere Bedeutung. In verschiedenen Poro-Kontexten können solche Paare idealisierte Ahnenfiguren, gesellschaftliche Komplementarität und die Kontinuität zwischen den Generationen verkörpern. Männliche und weibliche Darstellungen stehen nicht ausschließlich für das biologische Geschlecht, sondern können auch unterschiedliche Aspekte gesellschaftlicher Autorität, Fruchtbarkeit und Beziehungen zu den Ahnen zum Ausdruck bringen. Die markanten Brüste der weiblichen Figur lassen sich im Zusammenhang mit Mutterschaft und den schöpferischen Kräften des Lebens interpretieren. Die kontrollierte, aufrechte Haltung beider Skulpturen vermittelt Würde, Beherrschung und rituelle Autorität. Besonders bemerkenswert sind die großen Kopfscheiben. Ihre Verbindung aus kreisförmiger Rahmung, kreuzförmigen Öffnungen und strahlenförmiger linearer Ornamentik kann Vorstellungen von räumlicher Ordnung, Schutz oder umfassenderen kosmologischen Beziehungen evozieren. Eine verbindliche lokale Deutung dieser einzelnen Symbole ist jedoch nicht dokumentiert; eine unmittelbare Gleichsetzung des Kreuzmotivs mit den vier Himmelsrichtungen wäre spekulativ. Der traditionellen Objektbeschreibung zufolge verweisen die Scheiben auf eine Doppelfunktion, die Schutzaufgaben im landwirtschaftlichen Umfeld mit zeremonieller Nutzung verbindet. Messer und Glocken in den Händen der Figuren unterstreichen zusätzlich ihr ungewöhnliches ikonografisches Programm. Das Messer lässt sich als Sinnbild schützender Autorität und der Fähigkeit verstehen, schädliche Einflüsse abzuwehren, während die Glocke auf rituellen Klang, zeremonielle Kommunikation oder die Aktivierung schützender spiritueller Kräfte verweisen könnte. Ohne spezifische ethnografische Dokumentation zu diesem Paar bleiben diese Deutungen hypothetisch.

Rituelle Funktion

Die Skulpturen nehmen innerhalb der Senufo-Kunst eine interessante Position zwischen zwei unterscheidbaren Funktionskategorien ein: dem zeremoniellen Einsatz monumentaler Figuren im Poro-Kontext und der stationären Schutzfunktion von Wächter- oder Schreinskulpturen. Klassische Déblé-Figuren wurden vor allem bei Bestattungszeremonien für bedeutende Mitglieder der jeweiligen Vereinigungen verwendet. Sie konnten an den Armen oder Schultern getragen und mit ihren massiven zylindrischen Sockeln rhythmisch auf den Boden gestoßen werden. Diese Bewegungen begleiteten Musik, Gesang und rituelle Darbietungen und unterstützten nach dokumentierten lokalen Traditionen den Übergang der Verstorbenen in das Reich der Ahnen. Das Stampfen stellte somit eine symbolische Verbindung zur Erde her und ist nicht mit dem gewöhnlichen Stampfen von Getreide gleichzusetzen. Von anderen großen Poro-Skulpturen ist bekannt, dass sie bei Zeremonien gezeigt, an Schreinen aufgestellt oder als stationäre Schutzbilder eingesetzt wurden. Für das vorliegende Paar ist zudem eine weitere Funktion als Feldwächter überliefert. Nach dieser Deutung könnten die Skulpturen kultiviertes Land oder rituell bedeutsame Orte geschützt haben. Ihre ungewöhnlichen Kopfscheiben und Attribute in den Händen weisen auf eine eigenständige ikonografische Variante innerhalb der breiteren Tradition monumentaler Senufo-Figuren hin. In diesem Zusammenhang ist Burkhard Gottschalks Unterscheidung zwischen tatsächlichen Rhythmusstampfern und selteneren, überwiegend stationären Poro-Wächterfiguren besonders relevant. Ein Zusammenhang mit solchen Schutzskulpturen erscheint daher kunsthistorisch plausibel. Ob das vorliegende Paar tatsächlich bei rhythmischen Zeremonien mit Bodenkontakt eingesetzt wurde, dauerhaft aufgestellt war oder beide Funktionen erfüllte, lässt sich allein anhand der Fotografien nicht abschließend bestimmen. Die traditionell zugeschriebene Doppelfunktion bleibt eine wichtige, jedoch nicht unabhängig bestätigte Arbeitshypothese.

Kunsthistorische Würdigung

Das Skulpturenpaar zeichnet sich durch seine außergewöhnliche formale Geschlossenheit und die konsequente Verbindung monumentaler Körperarchitektur mit raffinierter Oberflächenornamentik aus. Die parallele Ausrichtung der Arme, die schlanken vertikalen Achsen der Rümpfe und die ausladenden Kopfscheiben schaffen ein eindrucksvolles Verhältnis zwischen aufwärtsgerichteter Bewegung und horizontaler Gliederung. Besonders bemerkenswert ist der Kontrast zwischen den weitgehend reduzierten anatomischen Formen und den sorgfältig ausgearbeiteten Köpfen. Feine Unterschiede in einzelnen Details verleihen den Figuren eine eigene Präsenz, ohne ihre visuelle Einheit zu beeinträchtigen. Die monumentalen, kreuzförmig durchbrochenen Kopfscheiben und die dazugehörigen Attribute in den Händen machen das Ensemble zu einem ikonografisch bemerkenswerten Ausdruck der Senufo-Skulptur. Der Vergleich mit dem publizierten Rosenthal-Paar verortet das Werk zudem in einer bedeutenden Tradition monumentaler Skulpturenpaare, deren Bildsprache Vorstellungen gesellschaftlicher Ordnung und der symbolischen Beziehung zwischen der menschlichen und der spirituellen Welt zum Ausdruck bringen kann.

Zustandsbericht

Beide Skulpturen weisen dunkelbraune bis schwärzlich-braune Oberflächen mit Bereichen ausgeprägten Glanzes, sichtbarer Abnutzung, Farbtonvariationen, Abrieb und alters- oder gebrauchsbedingten Veränderungen auf. An exponierten Partien, insbesondere an Armen, Schultern, Brüsten, Gesichtern und hervortretenden Schnitzdetails, erscheint die Patina infolge von Berührung und Reibung stellenweise heller. In Vertiefungen und Ritzornamenten sind dunklere Ablagerungen erhalten. Auf den Kopfscheiben finden sich vereinzelte Spuren hellen Oberflächenmaterials, das in der begleitenden Dokumentation als Überrest weißer Pigmentierung bezeichnet wird. Beide zylindrischen Sockel weisen Risse auf, von denen einige sich von den Unterseiten senkrecht ins Holz fortsetzen. Solche Risse entsprechen im Allgemeinen den Spannungen und dem Schwund, die bei größeren, aus Massivholz gefertigten Skulpturen häufig auftreten. Ein weiterer Riss im Kopfbereich der männlichen Figur ist dokumentiert. An mehreren Stellen sind kleinere Oberflächenschäden, kleine Fehlstellen, Kratzer, Dellen und unregelmäßige Abriebspuren sichtbar. Einige hervortretende skulpturale Elemente und die Ränder der Kopfscheiben weisen örtliche Abrundungen und geringfügige Materialverluste auf. Die unterschiedliche Intensität der Oberflächenpatina könnte auf längere Handhabung und unterschiedliche Bedingungen der Exposition zurückzuführen sein; allein anhand des visuellen Befunds lassen sich Art, Dauer oder historische Zeitspanne einer etwaigen rituellen Nutzung jedoch nicht bestimmen. Nach den verfügbaren Fotografien scheinen die wesentlichen skulpturalen Bestandteile beider Figuren erhalten zu sein; umfangreiche Ergänzungen oder neuere Restaurierungen sind nicht eindeutig erkennbar. Eine zuverlässige Beurteilung möglicher älterer Reparaturen, verdeckter struktureller Schäden, biologischer Schädigung oder der Gesamtstabilität würde eine direkte Untersuchung der Originale erfordern. Besondere Aufmerksamkeit sollte den Rissen in den Sockeln und dem dokumentierten Riss im Kopf der männlichen Figur gelten. Insgesamt zeigen die Fotografien zwei weitgehend vollständige Skulpturen mit gut entwickelten Patinas, sichtbaren Alters- und Gebrauchsspuren sowie örtlich begrenzten Rissen. Dieser Bericht stellt eine vorläufige visuelle Beurteilung auf Grundlage fotografischer Dokumentation dar und ersetzt keine umfassende konservatorische Untersuchung.

Literatur

Gagliardi, Susan Elizabeth: Senufo Unbound: Dynamics of Art and Identity in West Africa. Cleveland: Cleveland Museum of Art; Mailand: 5 Continents Editions, 2015, S. 78, Abb. 41 (Vergleichsbeispiel).

Gottschalk, Burkhard: Senufo. Massa und die Statuen des Poro. Düsseldorf, 2002.

Gottschalk, Burkhard: Kunst aus Schwarzafrika. SENUFO. Unbekannte Schätze aus privaten Sammlungen. 2009, S. 174 und 179.

Glaze, Anita J.: Art and Death in a Senufo Village. Bloomington: Indiana University Press, 1981.

Förster, Till: „Smoothing the Way of the Dead: A Senufo Rhythm Pounder“, in: Yale University Art Gallery Bulletin, 2005, S. 55–68.

Goldwater, Robert: Senufo Sculpture from West Africa. New York, 1964, Abb. 93 und 93a (Rosenthal-Paar).

LaGamma, Alisa (Hrsg.): Genesis: Ideas of Origin in African Sculpture. New York: The Metropolitan Museum of Art, 2002, S. 30–32 (Rosenthal-Paar).

Sotheby's: The Collection of Frieda and Milton Rosenthal: African and Oceanic Art. New York, 14. November 2008, Los 63 (Rosenthal-Paar).

Die angeführte Vergleichsliteratur bildet den kunsthistorischen Rahmen für die vorliegende Zuschreibung und Interpretation. Eine Veröffentlichung des vorliegenden Skulpturenpaars in diesen Werken ist nicht belegt.

Urheberrecht und wissenschaftliche Dokumentation
Einige der Informationen und Fotografien wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt und beruhen auf veröffentlichten Quellen der Ethnografie, Archäologie und Kunstgeschichte. Originaltexte und Fotografien können urheberrechtlich geschützt sein. Alle Rechte der jeweiligen Rechteinhaber bleiben vorbehalten.

Der Verkäufer stellt sich vor

Wolfram Jaenickes Engagement mit afrikanischer Kunst begann nicht im Feld oder auf dem Markt, sondern in einem ruhigeren, inneren Raum – unter Papieren, Büchern und Objekten, die seinem Vater gehörten. Das Archiv über Deutschlands ehemalige Kolonien war nicht darauf angelegt, eine einzige Geschichte zu erzählen; es schlug viele vor. Es lud zur Prüfung ein statt zur Verehrung und lehrte Jaenicke früh, dass Objekte nie stumm sind. Sie tragen Zeit in sich – Bruchstelle und Kontinuität in derselben Form – und sie bitten darum, so sorgfältig gelesen zu werden wie Texte. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert wirkt Jaenicke als Sammler, Händler und Vermittler, auch wenn keines dieser Begriffe die Gestalt seiner Praxis ganz erfassen kann. Was früher zu großzügig unter der Rubrik „Tribal Art“ zusammengefasst wurde, erschien ihm nie als ein versiegelter oder historischer Katalog. Es ist vielmehr ein Satz lebender Traditionen, der ständig mit der Gegenwart verhandelt. Seine akademische Ausbildung – Ethnologie, Kunstgeschichte und сравнende Rechtslehre – lieferte eine Grammatik. Die Sprache selbst erlernte er an anderer Stelle. In Mali, Kamerun, Côte d’Ivoire, Burkina Faso, Togo und Ghana kam Wissen langsam hervor, durch wiederholte Begegnungen, die sich zu Beziehungen verdichteten, und durch Vertrauen, das nicht auf einmal, sondern über Jahre aufgebaut wurde. Mali wurde zum Gravitationszentrum dieser Erfahrung. Zwischen 2002 und 2012 lebte und arbeitete Jaenicke in Bamako und Ségou, wo er Tribalartforum leitete, eine Galerie mit Blick auf den Niger. Der Raum widerstand leichter Chronologie. Skulpturen und Keramik teilten den Raum mit Fotografie, und Werke von Malick Sidibé – Bilder von malischer Jugend in den 1970er Jahren, selbstbewusst und ausgelassen – hingen neben älteren rituellen Formen. Die Wirkung war nicht nostalgisch, sondern klärend: Vergangenheit und Gegenwart schlossen sich nicht gegenseitig aus; sie schärften einander. Der Krieg von 2012 beendete dieses Kapitel abrupt, wie Kriege es neigen zu tun. Doch löste er die Arbeit nicht auf. Zusammen mit Aguibou Kamaté rief Jaenicke sich in Lomé, näher an die Orte heran, von denen viele Objekte stammen und auf denen sie weiterreisen. Seit 2018 ist Berlin ein weiterer Punkt auf dieser Karte geworden. Galerie Wolfgang Jaenicke arbeitet nun gegenüber dem Schloss Charlottenburg, unterstützt von einem kleinen Team von Spezialisten. Ihr Schwerpunkt liegt insbesondere auf westafrikanischen Bronzen und Terrakotten – Materialien, die von Erde und Feuer geformt sind, sowie auf Formen des Gedächtnisses, die sich einer leichten Übersetzung widersetzen. Was Jaenickes Praxis auszeichnet, ist nicht nur ihr geografischer Umfang, sondern ihre innere Spannung. Feldforschung geht mit Provenienzforschung einher; Handel wird als untrennbar von Verantwortung betrachtet. In Zusammenarbeit mit Museen und wissenschaftlichen Initiativen wird der Kreislauf nicht als Ausgrabung, sondern als ethischer Prozess dargestellt, der unvollendet bleibt. Ziel ist es, Objekte nicht aus der Welt zu entfernen und abzuschotten, sondern sie innerhalb der Welt lesbar zu halten – ihnen zu ermöglichen, weiter zu sprechen, auch wenn sich die Bedingungen ihrer Rede ändern. ------------ Galerie Wolfgang Jaenicke ist eine in Berlin ansässige Galerie, die sich auf westafrikanische Skulptur, Bronzen, Terrakotten, Masken und zeitgenössische afrikanische Kunst spezialisiert hat. Sie wird von Wolfgang Jaenicke geleitet, dessen Arbeit Sammeln, Handel, Provenienzforschung, Feldforschung und archivische Dokumentation verbindet. Laut dem eigenen Profil der Galerie studierte Jaenicke Ethnologie, Kunstgeschichte und vergleichende Rechtslehre und arbeitet seit mehr als fünfundzwanzig Jahren im Bereich afrikanischer Kunst. Seine Tätigkeiten entwickelten sich durch langfristiges Engagement in Ländern wie Mali, Kamerun, Côte d’Ivoire, Burkina Faso, Ghana und Togo. Anstatt afrikanische Kunst als geschlossene historische Kategorie zu präsentieren, beschreibt er sie als eine fortdauernde kulturelle Tradition, geprägt von lebendigen Gemeinschaften und wandelnden historischen Kontexten. Eine besonders wichtige Phase seiner Karriere war Mali, wo er zwischen ca. 2002 und 2012 in Bamako und Ségou lebte und arbeitete. Dort führte er Tribalartforum, eine Galerie, die historische afrikanische Skulptur mit zeitgenössischer afrikanischer Fotografie verband, darunter Werke von Malick Sidibé. Die politische und militärische Krise in Mali im Jahr 2012 führte zur Schließung dieser Aktivität. Später setzte Jaenicke, gemeinsam mit Aguibou Kamaté, seine Arbeit von Lomé, Togo, aus fort, bevor er eine Galerier Präsenz in Berlin nahe dem Schloss Charlottenburg gründete. Die Galerie legt besonderen Wert auf westafrikanische Bronzen, Terrakotten, Benin- und Ife-bezogene Werke, Nok-Skulpturen, Dogon-Kunst, Baule-Skulpturen, Senufo-Objekte und Yoruba-Material. Ein besonderes Merkmal von Jaenickes öffentlicher Haltung ist sein wiederholter Fokus auf Transparenz der Provenienz und Restitutionsdebatten. In mehreren veröffentlichten Objektakten diskutiert die Galerie ausdrücklich Themen rund um Exportdokumentation, UNESCO-Konventionen, Besitzverhältnisse und den Austausch mit Wissenschaftlern und Restitutionsforschern. Diese Aussagen spiegeln breitere zeitgenössische Debatten über die Zirkulation afrikanischen Kulturerbes, Rechtslage, Sammlerhistorie und Museumsankäufe wider. Die Galerie führt umfangreiche Online-Archive und Kataloge, die Hunderte afrikanischer Objekte dokumentieren, darunter Benin- und Ife-Bronzen, Nok-Terrakotten, Dogon-Skulpturen, Baule-Figuren, Fon-Objekte, Moba-Figuren und weiteres westafrikanisches Material. Für Forschende, die sich für die Geschichte des afrikanischen Kunsthandels interessieren, repräsentiert Jaenicke eine spätere Generation von Händlern im Vergleich zu Persönlichkeiten wie John J. Klejman. Während Klejman dem Nachkriegsmarkt New Yorks der 1950er–1970er Jahre zugehörte, ist Jaenickes Arbeit von gegenwärtigen Anliegen geprägt: Felddokumentation, Provenienzforschung, Restitutionsdiskussionen, digitale Archive und direkte Verbindung mit westafrikanischen Netzwerken und Künstlern. Dieser Text basiert auf KI-Informationen
Übersetzt mit Google Übersetzer

Details

Ethnie/ Kultur
Senufo
Herkunftsland
Elfenbeinküste
Material
Holz
Sold with stand
Nein
Zustand
Angemessener Zustand
Titel des Kunstwerks
A wooden sculpture
Höhe
118,5 cm
Gewicht
12 kg
Authentizität
Original/offiziell
Verkauft von
DeutschlandVerifiziert
6993
Verkaufte Objekte
99,42 %
protop

Rechtliche Informationen des Verkäufers

Unternehmen:
Jaenicke Njoya GmbH
Repräsentant:
Wolfgang Jaenicke
Adresse:
Jaenicke Njoya GmbH
Klausenerplatz 7
14059 Berlin
GERMANY
Telefonnummer:
+493033951033
Email:
w.jaenicke@jaenicke-njoya.com
USt-IdNr.:
DE241193499

AGB

AGB des Verkäufers. Mit einem Gebot auf dieses Los akzeptieren Sie ebenfalls die AGB des Verkäufers.

Widerrufsbelehrung

  • Frist: 14 Tage sowie gemäß den hier angegebenen Bedingungen
  • Rücksendkosten: Käufer trägt die unmittelbaren Kosten der Rücksendung der Ware
  • Vollständige Widerrufsbelehrung

Ähnliche Objekte

  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​

Für Sie aus der Kategorie

Afrikanische Kunst und Stammeskunst

  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​
  • ​
    ​
    ​