Bernardo di Chiaravalle - De Sermonen - 1542





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Vom Verkäufer bereitgestellte Beschreibung
VOR DEM STURM: SAN BERNARD NÜCHTEN IN DEN FIANDERN Zwischen GOTIK, DEVOTIONSPRAKTIK UND HÄRESIE
Intensives Devotionsbuch, gedruckt in Antwerpen im Jahre 1542, mitten in den religiösen Spannungen, die die pfalzischen Niederlande erschütterten, dieses Sammlung von Predigten, die San Bernardo zugeschrieben werden, bezeugt die außerordentliche Lebendigkeit der flämischen katholischen Spiritualität unmittelbar nach der ersten Verbreitung der lutherischen Ideen.
Die Ausgabe, in gotischen Lettern von Jan van Ghelen gedruckt, gehört zu jener nordischen Druckwelt, die stilistisch noch stark mittelalterlich ist, aber bereits in die religiösen Unruhen des späten 16. Jahrhunderts hineinragt. Rubrizierungen in Rot und Schwarz, architektonische Xylografie am Titelblatt, strenge Satzgestaltung und zeitgenössische Lederbindung mit Metallklammern vermitteln die greifbare Materialität der flämischen häuslichen Andacht. Das Exemplar, dem Jahrhunderten intensiver Nutzung trotzend erhalten, bewahrt die visuelle und spirituelle Kraft eines Buches, das dazu bestimmt war, gelesen, berührt, transportiert und täglich in einer Epoche zu meditieren, die Europas Spaltungen im Glauben bereits stark näher rücken ließ.
MARKET VALUE
Die getreu oben genannten religiösen Ausgaben in niederländischer Volkssprache, in Antwerpen in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts gedruckt, sind heute am Antiquariatsmarkt deutlich selten, insbesondere wenn sie in einer zeitgleichen Bindung mit erhaltenen Originalklammern erhalten sind. Die von Jan van Ghelen gedruckten Exemplare, eine zentrale Figur der vortridentinischen niederländischen Kirchenproduktion, sind bei Sammlern nordischer Typographie und katholischer Spiritualität des 16. Jahrhunderts besonders begehrt. Vergleichbare Kopien können Werte zwischen 800 und 2.000 Euro erreichen.
PHYSICAL DESCRIPTION AND CONDITION
Zeitgenössische Pergamenteinband, Mantelbindung, Verschluss mit originalem Metallklammer. Xylographischer architektonischer Titelkopf mit allegorischen Figuren und roter sowie schwarzer Druck. Blätter mit physiologischer Braunfärbung, Flecken und einige Randverluste ohne wesentlichen Textverlust. Einige Brandlöcher. In alten Büchern, die eine jahrhundertealte Geschichte haben, können gewisse Ungenauigkeiten vorhanden sein, die in der Beschreibung nicht immer erfasst werden. Pp. 256
VOLLSTÄNDIGER TITEL UND AUTOR
De Sermonen des Heylicken Bernaerdts.
Thantwerpen, Jan van Ghelen, 1542.
San Bernardo von Clairvaux.
KONTEXT UND BEDEUTUNG
Dieses Werk gehört zum weiten Universum der volkssprachigen religiösen Literatur, die die Niederlande im 16. Jahrhundert prägte, in einer historischen Epoche, die sich deutlich von der bloßen Vorreformationszeit unterscheidet. Im Jahr 1542 waren die Niederlande bereits von den Spannungen durch die Verbreitung des Luthertums und neuer evangelischer Strömungen durchzogen, während die spanische Herrschaft die Kontrolle über die Orthodoxie religiös intensivierte. In diesem Kontext übernahmen katholische Devotionsbücher in volkssprachlicher Sprache auch eine identitätsstiftende und defensive Funktion: Nicht nur Instrumente privater Andacht, sondern echte Gegenstände der spirituellen Konsolidierung in einer Epoche steigender konfessioneller Instabilität. Die Figur des San Bernardo von Clairvaux, einer großen monastischen Autorität des Mittelalters, wird hier als moralische, strenge und zugleich für Laien zugängliche Führung vorgeschlagen. Seine Predigten, in zusammengefasster und volkssprachlicher Form verbreitet, entsprechen perfekt dem innereitlichen Bedürfnissen der religiösen Innerlichkeit, die zur flämischen Kultur jener Zeit gehörte: Introspektion, Gewissensprüfung, Meditation über Schuld und persönliche Erlösung. Das Buch spiegelt außerdem die außerordentliche Fähigkeit der Antwerpen-Edition wider, Tradition des Mittelalters mit der neuen typografischen Renaissancekultur zu verbinden. Trotz des fortgeschrittenen Datums behält die grafische Anlage eine noch vollständig gotische Charakteristik: kompakte Typografie, Rubrizierungen in Rot und Schwarz, hohe Textdichte und ornamentales Xylographie-Setup. Aus historischer Sicht dokumentiert der Band jene ambivalente und dramatische Phase, in der Nordeuropa seine religiöse Einheit noch nicht endgültig brach, aber bereits in Angst vor Häresie, inquisitorischer Überwachung und wachsender konfessioneller Polarisierung versank. Genau deshalb stellen kleine Bücher wie dieses heute außergewöhnlich eindrucksvolle Dokumente der alltäglichen Spiritualität des nordischen Frühsechszehnten Jahrhunderts dar.
BIOGRAPHY OF THE AUTHOR
San Bernardo von Clairvaux (1090–1153) war einer der einflussreichsten Theologen, Mystiker und Prediger des christlichen Mittelalters. Abt des Zisterzienserordens und Gründer der Abtei Clairvaux, übte er einen enormen geistigen und politischen Einfluss auf Europa des XII. Jahrhunderts aus. Berühmt für seine Predigten zur Zweiten Kreuzzug, für seine Marienpredigten und seine intensive mystische Reflexion, trug er wesentlich zur Verbreitung der cisterziensischen Ideale und zur Bildung der westlichen mittelalterlichen Spiritualität bei. Seine Schriften blieben für die gesamte Neuzeit grundlegend, besonders in den katholischen Niederlanden und im Umfeld der Devotio Moderna.
PRINTING HISTORY AND CIRCULATION
Jan van Ghelen war einer der bedeutendsten Drucker Antwerpens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Seine Werkstatt veröffentlichte zahlreiche religiöse Texte in niederländischer Sprache und trug so zur Verbreitung der katholischen Spiritualität in den flämischen Provinzen während der kritischsten Jahre der europäischen Glaubenskrise bei. Seine Ausgaben, oft für private Andacht und den täglichen Gebrauch bestimmt, überdauern heute selten in unversehrten Zustand, gerade wegen ihrer intensiven Nutzung. Die Drucke in Rot und Schwarz, verbunden mit der Beibehaltung des gotischen Charakters im späten 16. Jahrhundert, machen diese Drucke ästhetisch und historisch typografisch besonders reizvoll.
BIBLIOGRAPHY AND REFERENCES
USTC – Universal Short Title Catalogue, Aufzeichnungen zu den Ausgaben von Jan van Ghelen, Antwerpen, Jahre 1540.
Nijhoff & Kronenberg, Nederlandsche Bibliographie van 1500 tot 1540, Register niederländischer Ausgaben des frühen 16. Jahrhunderts.
STCN – Short Title Catalogue Netherlands, bibliographische Karten der Antwerpener religiösen Drucke.
Belgian Heritage Libraries, digitale Kataloge der flämischen Drucke des 16. Jahrhunderts.
Koninklijke Bibliotheek van België, Kataloge der Ausgaben von Jan van Ghelen.
Voet, Leon, The Golden Compasses. A History and Evaluation of the Printing and Publishing Activities of the Officina Plantiniana, Amsterdam-London, 1969–1972.
Campbell, M. F. A. G., Annales de la typographie néerlandaise au XVe siècle.
ICCU / OPAC SBN, Italienische Zensusdaten zu flämischen Druckereien des 16. Jahrhunderts in volkssprachiger Sprache.
CERL Thesaurus, Einträge zu Jan van Ghelen und zur Antwerpen-Produktion des 16. Jahrhunderts.
Der Verkäufer stellt sich vor
VOR DEM STURM: SAN BERNARD NÜCHTEN IN DEN FIANDERN Zwischen GOTIK, DEVOTIONSPRAKTIK UND HÄRESIE
Intensives Devotionsbuch, gedruckt in Antwerpen im Jahre 1542, mitten in den religiösen Spannungen, die die pfalzischen Niederlande erschütterten, dieses Sammlung von Predigten, die San Bernardo zugeschrieben werden, bezeugt die außerordentliche Lebendigkeit der flämischen katholischen Spiritualität unmittelbar nach der ersten Verbreitung der lutherischen Ideen.
Die Ausgabe, in gotischen Lettern von Jan van Ghelen gedruckt, gehört zu jener nordischen Druckwelt, die stilistisch noch stark mittelalterlich ist, aber bereits in die religiösen Unruhen des späten 16. Jahrhunderts hineinragt. Rubrizierungen in Rot und Schwarz, architektonische Xylografie am Titelblatt, strenge Satzgestaltung und zeitgenössische Lederbindung mit Metallklammern vermitteln die greifbare Materialität der flämischen häuslichen Andacht. Das Exemplar, dem Jahrhunderten intensiver Nutzung trotzend erhalten, bewahrt die visuelle und spirituelle Kraft eines Buches, das dazu bestimmt war, gelesen, berührt, transportiert und täglich in einer Epoche zu meditieren, die Europas Spaltungen im Glauben bereits stark näher rücken ließ.
MARKET VALUE
Die getreu oben genannten religiösen Ausgaben in niederländischer Volkssprache, in Antwerpen in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts gedruckt, sind heute am Antiquariatsmarkt deutlich selten, insbesondere wenn sie in einer zeitgleichen Bindung mit erhaltenen Originalklammern erhalten sind. Die von Jan van Ghelen gedruckten Exemplare, eine zentrale Figur der vortridentinischen niederländischen Kirchenproduktion, sind bei Sammlern nordischer Typographie und katholischer Spiritualität des 16. Jahrhunderts besonders begehrt. Vergleichbare Kopien können Werte zwischen 800 und 2.000 Euro erreichen.
PHYSICAL DESCRIPTION AND CONDITION
Zeitgenössische Pergamenteinband, Mantelbindung, Verschluss mit originalem Metallklammer. Xylographischer architektonischer Titelkopf mit allegorischen Figuren und roter sowie schwarzer Druck. Blätter mit physiologischer Braunfärbung, Flecken und einige Randverluste ohne wesentlichen Textverlust. Einige Brandlöcher. In alten Büchern, die eine jahrhundertealte Geschichte haben, können gewisse Ungenauigkeiten vorhanden sein, die in der Beschreibung nicht immer erfasst werden. Pp. 256
VOLLSTÄNDIGER TITEL UND AUTOR
De Sermonen des Heylicken Bernaerdts.
Thantwerpen, Jan van Ghelen, 1542.
San Bernardo von Clairvaux.
KONTEXT UND BEDEUTUNG
Dieses Werk gehört zum weiten Universum der volkssprachigen religiösen Literatur, die die Niederlande im 16. Jahrhundert prägte, in einer historischen Epoche, die sich deutlich von der bloßen Vorreformationszeit unterscheidet. Im Jahr 1542 waren die Niederlande bereits von den Spannungen durch die Verbreitung des Luthertums und neuer evangelischer Strömungen durchzogen, während die spanische Herrschaft die Kontrolle über die Orthodoxie religiös intensivierte. In diesem Kontext übernahmen katholische Devotionsbücher in volkssprachlicher Sprache auch eine identitätsstiftende und defensive Funktion: Nicht nur Instrumente privater Andacht, sondern echte Gegenstände der spirituellen Konsolidierung in einer Epoche steigender konfessioneller Instabilität. Die Figur des San Bernardo von Clairvaux, einer großen monastischen Autorität des Mittelalters, wird hier als moralische, strenge und zugleich für Laien zugängliche Führung vorgeschlagen. Seine Predigten, in zusammengefasster und volkssprachlicher Form verbreitet, entsprechen perfekt dem innereitlichen Bedürfnissen der religiösen Innerlichkeit, die zur flämischen Kultur jener Zeit gehörte: Introspektion, Gewissensprüfung, Meditation über Schuld und persönliche Erlösung. Das Buch spiegelt außerdem die außerordentliche Fähigkeit der Antwerpen-Edition wider, Tradition des Mittelalters mit der neuen typografischen Renaissancekultur zu verbinden. Trotz des fortgeschrittenen Datums behält die grafische Anlage eine noch vollständig gotische Charakteristik: kompakte Typografie, Rubrizierungen in Rot und Schwarz, hohe Textdichte und ornamentales Xylographie-Setup. Aus historischer Sicht dokumentiert der Band jene ambivalente und dramatische Phase, in der Nordeuropa seine religiöse Einheit noch nicht endgültig brach, aber bereits in Angst vor Häresie, inquisitorischer Überwachung und wachsender konfessioneller Polarisierung versank. Genau deshalb stellen kleine Bücher wie dieses heute außergewöhnlich eindrucksvolle Dokumente der alltäglichen Spiritualität des nordischen Frühsechszehnten Jahrhunderts dar.
BIOGRAPHY OF THE AUTHOR
San Bernardo von Clairvaux (1090–1153) war einer der einflussreichsten Theologen, Mystiker und Prediger des christlichen Mittelalters. Abt des Zisterzienserordens und Gründer der Abtei Clairvaux, übte er einen enormen geistigen und politischen Einfluss auf Europa des XII. Jahrhunderts aus. Berühmt für seine Predigten zur Zweiten Kreuzzug, für seine Marienpredigten und seine intensive mystische Reflexion, trug er wesentlich zur Verbreitung der cisterziensischen Ideale und zur Bildung der westlichen mittelalterlichen Spiritualität bei. Seine Schriften blieben für die gesamte Neuzeit grundlegend, besonders in den katholischen Niederlanden und im Umfeld der Devotio Moderna.
PRINTING HISTORY AND CIRCULATION
Jan van Ghelen war einer der bedeutendsten Drucker Antwerpens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Seine Werkstatt veröffentlichte zahlreiche religiöse Texte in niederländischer Sprache und trug so zur Verbreitung der katholischen Spiritualität in den flämischen Provinzen während der kritischsten Jahre der europäischen Glaubenskrise bei. Seine Ausgaben, oft für private Andacht und den täglichen Gebrauch bestimmt, überdauern heute selten in unversehrten Zustand, gerade wegen ihrer intensiven Nutzung. Die Drucke in Rot und Schwarz, verbunden mit der Beibehaltung des gotischen Charakters im späten 16. Jahrhundert, machen diese Drucke ästhetisch und historisch typografisch besonders reizvoll.
BIBLIOGRAPHY AND REFERENCES
USTC – Universal Short Title Catalogue, Aufzeichnungen zu den Ausgaben von Jan van Ghelen, Antwerpen, Jahre 1540.
Nijhoff & Kronenberg, Nederlandsche Bibliographie van 1500 tot 1540, Register niederländischer Ausgaben des frühen 16. Jahrhunderts.
STCN – Short Title Catalogue Netherlands, bibliographische Karten der Antwerpener religiösen Drucke.
Belgian Heritage Libraries, digitale Kataloge der flämischen Drucke des 16. Jahrhunderts.
Koninklijke Bibliotheek van België, Kataloge der Ausgaben von Jan van Ghelen.
Voet, Leon, The Golden Compasses. A History and Evaluation of the Printing and Publishing Activities of the Officina Plantiniana, Amsterdam-London, 1969–1972.
Campbell, M. F. A. G., Annales de la typographie néerlandaise au XVe siècle.
ICCU / OPAC SBN, Italienische Zensusdaten zu flämischen Druckereien des 16. Jahrhunderts in volkssprachiger Sprache.
CERL Thesaurus, Einträge zu Jan van Ghelen und zur Antwerpen-Produktion des 16. Jahrhunderts.
